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Weiterhin viel Wirbel um das Grubengas-Kraftwerk

27.08.2009 | 18:01 Uhr
Weiterhin viel Wirbel um das Grubengas-Kraftwerk

Duisburg. Was ist schlimmer für Baerl, fragt die Bürgerinitiative: der Methanaustritt oder ein Kraftwerk? Auf über 78 Seiten haben die Baerler ihre Einwände niedergeschrieben. Im September wird darüber verhandelt. Die Bezirksregierung hat dafür die große Glückaufhalle in Homberg gebucht.

Die Berichterstattung über das auch auf politischer Ebene umstrittene Grubengas-Kraftwerk in Baerl hat für einigen Wirbel gesorgt. Umweltdezernent Peter Greulich betonte gegenüber der Redaktion, für die Bürgerinitiative immer ein offenes Ohr zu haben und deren Einwände intensiv zu prüfen, bevor die Stadt eine Stellungnahme abgebe. Es habe mehrere Treffen mit Initiative, Mingas und der Arnsberger Behörde gegeben, weitere stünden aus. Greulich bestätigte allerdings, dass die Anlage sich aus Sicht seines Dezernats nicht auf das Vogelschutzgebiet auswirke.

Nicht so stehen lassen will auch der Baerler CDU-Ratsherr Thomas Kempken die SPD-Kritik zur angeblichen Untätigkeit von CDU und Verwaltung. „Wenn die SPD jetzt plakatiert ,Mit uns kein Grubengas-Kraftwerk', also so tut, als könne die Kommune das ganze Projekt mal eben verhindern, dann ist das einfach unseriös”, bläst Kempken ins gleiche Horn wie der Fraktionschef Hartl. Das ursprünglich geplante Grundstück an der Schulstraße 40 sei auch für die CDU indiskutabel. Auf Anregung der Orts-CDU habe die Stadtverwaltung Kontakt mit Bezirks- und Landesregierung aufgenommen, beim „runden Tisch” seien Alternativ-Standorte ausgelotet worden.

Auf Alternativstandorte drängen

Juni 2009: Protest vor der BV Homberg/Ruhrort/Baerl bei der Sondersitzung wegen des Grubengaskraftwerks in Baerl.

In den Hintergrundgesprächen will die Bürgerinitiative auf zwei Alternativstandorte drängen. „Am Schacht Gerdt an der Kohlenstraße wird bereits Grubengas aus den Stollen im Binsheimer Feld gefördert”, sagte Sprecherin Alexandra Erwig im Gespräch mit der Redaktion. Mit besserer Technik ließe sich der nötige Gasgehalt erzielen und die Bohrung an der Schulstraße wäre überflüssig. Weitere Alternative: das Bergwerk-West in Kamp-Lintfort, das ebenfalls mit den Strecken unter dem Binsheimer Feld verbunden ist.

Weniger um den Standort als um Lärm und Emissionen wird sich der Erörterungstermin am 23. September drehen. Darin kommen die Baerler zu Wort, die auf 78 Seiten Einwände vorgebracht haben. Für die öffentliche Versammlung, bei der die Initiative auf viele Unterstützer und Baerler hofft, hat die Bezirksregierung Arnsberg die Glückaufhalle angemietet – mit Option auf zwei weitere Tage.

Die Gretchenfrage dreht sich für Erwig und ihre Mitstreiter aber auch darum, ob die Förderung von Methangas in diesem Fall überhaupt als „privilegiertes Vorhaben” zu bezeichnen ist. Was bedeutet: Ist das Gas so gefährlich, dass die Baerler vor dem Austritt geschützt werden müssen?

Initiative: Deckgebirge verhindert Austritt von Methan

Aus Sicht der Initiative ist der Schaden durch die Verwertung an dieser Stelle viel größer. Die Baerler widersprechen der allgemeinen Auffassung, dass Methan immer an die Luft strömt. Vielmehr verhindere das Deckgebirge den Austritt, das Gas bleibe im Wasser gebunden. Laut Energieagentur liegen die diffusen Austritte von Methan an der Erdoberfläche bei 0,02 Promille, argumentiert die Initiative. „Die Austritte des Gases aus den Generatoren des Kraftwerks wird aber mit 0,5 Prozent angegeben. Da frage ich mich, was schlimmer ist”, sagt Erwig. Was die Initiative ebenfalls herausgefunden hat und der Mingas-Chef bestätigt haben soll: Das Grubengas könnte an dieser Stelle für 45 Jahre reichen. Bisher war stets von einer Nutzung von fünf bis zehn Jahren die Rede.

Ingo Blazejewski und Matthias Oelkrug

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