Vom Läufer zum Fahrer

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34 Jahre hat er als Kranführer im Stahlwerk von Arcelor Mittal gearbeitet, zudem über viele Jahre auf 400 Euro-Basis weitere Jobs gemacht. Geld verdienen für die Familie. Zum Ausgleich spielte Drago Petrovic Fußball bei Duisburg 08, nach der Kicker-Laufbahn widmete er sich dem Marathon-Laufen. Mit dieser Leidenschaft soll es jetzt vorbei sein? Nicht mit Drago.

Die harte körperliche Arbeit hat ihre Spuren im rechten Knie des 65-jährigen Hombergers hinterlassen. Kaputte Kreuzbänder und Menisken, Ärzte haben ihm das Laufen verboten. „Sport hat in meinem Leben einen großen Stellenwert, nach der Diagnose war ich erst einmal traurig.“ Nie wieder richtig laufen zu können, womöglich auf dem Sofa zu versauern, diese Vorstellung machte ihm zunächst Angst. Und weckte sehr schnell seinen Kampfgeist. Dazu später mehr.

Vor seiner im wahrsten Sinne des Wortes einschneidenden Knie-Operation hatte sich Drago Petrovic quasi einen Trainerjob übernommen. Ein Freund habe einen Lauf absolvieren müssen, um nicht durch die Kommissars-Prüfung bei der Polizei zu fallen. „Also trainierten wir mehrmals in der Woche. In dieser Zeit nahm der Anwärter 50 Pfund ab. Er schaffte die Prüfung und ist heute im Dienst auf der Wache“, freut sich Petrovic. Ihn selbst hatten auch während des Trainings mit dem jungen Mann immer wieder starke Knieschmerzen geplagt.

„Es ist gut gelaufen“

Die Operation hat der Homberger inzwischen hinter sich. „Es ist alles gut gelaufen, ich komme schon fast ohne Krücken klar.“ Die Aussage, dass jeglicher Laufsport tabu sei, haben die Ärzte erneuert. Nach 16 Marathons (unter anderem kam er 1999 in New York als 4000. von mehr als 30 000 Teilnehmern ins Ziel; Bestzeit: 3:23 Stunden) sowie fünf Halbmarathons ist für Drago Petrovic aber noch lange nicht Schluss. Während seiner Zwangspause hatte er Zeit um Nachdenken, er will jetzt wieder Marathons laufen, vielmehr, will er sie fahren.

„Man kann auch als sogenannter Handbiker mitmachen. Liegefahrräder habe ich mir schon angesehen“. Sein Ziel steht schon fest: Duisburg, Rhein-Ruhr-Marathon, 7. Juni. Im Keller stemmt er jetzt Gewichte, schließlich sind Hände und Oberkörper demnächst mehr gefordert als die Beine...