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Umjubelte Musical-Premiere in der Rheinhausen-Halle

19.10.2014 | 17:00 Uhr
Umjubelte Musical-Premiere in der Rheinhausen-Halle
Szene aus dem Mystical.Foto: Fabian Strauch

Duisburg-Rheinhausen.   Die Autoren des Duisburger Vereins „Pro You“ haben mit „Der Schlüssel – das Mystical“ Erinnerungen an längst vergangenen Musical-Zeiten in der Stadt geweckt. 800 begeisterte Premieren-Gäste kamen in die Rheinhausen-Halle.

Es war wohl das gewaltigste Bühnenbild, was je laut Betreiber in der Rheinhausen-Halle aufgebaut wurde: Mit sechs Lkw-Ladungen reisten die Akteure des Duisburger Musical-Vereins „Pro You“ an, um ihre selbst geschneiderten 180 Kostüme und eigenständig gezimmerten Aufbauten und Requisiten dort abzuladen, die in einem Vorlauf von zwei Jahren gefertigt wurden – für die Welturaufführung des Musicals „Der Schlüssel – das Mystical“, geschrieben von ‘Mastermind` Benjamin Hübbertz-Ivartnik und seinem Partner Sebastian Ivartnik.

Nach mehreren Produktionen haben die Autoren nun ihr Meisterwerk abgeliefert: Die Geschichte der kleinen Lilly Clé (großartig: Nicole Kuhnke), die nach dem Tod ihrer Eltern als Waise auf dem Schloss ihres Onkels Victor Mauvin landet. Dort fühlt sie sich einsam, freundet sich mit dem Gärtner Pete (mutig: Sebastian Ivartnik) und der Magd Margreth (solide: Sonja Röhricht) an, und begibt sich auf eine gefährliche Reise in die Fantasiewelt von Argonan, dessen Retterin sie als „Schlüsselfigur“ sein wird. Denn sie hat den Schlüssel, natürlich in sich selbst, zur Rettung dieses Reiches, das von dem bösen Herrscher Bazriel unterjocht wird.

Zitate aus großen Werken

Und mehr als 800 Zuschauer sind fasziniert von einer Fantasy-Geschichte, die so wunderbar spielerisch Zitate und Figuren aus den großen Werken wie „Herr der Ringe“, die „Hexen von Oz“ und „Alice im Wunderland“ wie selbstverständlich, natürlich modifiziert, in ihren eigenen Plot aufnimmt, ja selbst Polanskis „Tanz der Vampire“ bei einer skurrilen Totenerweckung zu Drum’n’Bass-Beats aufs Korn nimmt - ebenso sind sie begeistert von den Kostümen, die bis ins feinste Detail durchdacht sind – und von dem musikalischen Handlungsstrang, der sich nah am bombastischen Klassik-Rock orientiert, dabei stilistisch nach allen Seiten offen ist. Die Laiensänger brillieren in gewagten mehrstimmigen Chören, sowie in Soloarien, die für die ganz große Oper sorgen. Jörg Brücker vom Pro-You-Vorstand: „Keiner hat hier eine klassische Ausbildung, die besseren Sänger geben den anderen schon mal Unterricht.“

Lilly begegnet auf ihrer Reise merkwürdigen mausähnlichen Wesen, den Momperi, die auf Knien und in braunen Kutten über die Bühne rutschen, Sympathieträger ist hier der kleine „Momp“ (mit verstellter Stimme: Benjamin Hübbertz-Ivartnik selbst), der in einer verdrehten E.T.-Sprache redet und auch mal eben zu einem Song im Knien einen Charleston singt und tanzt. Er gibt den verwirrten Reiseführer durch Argonan, der aber noch nicht einmal eine Karte lesen kann.

Hingucker sind die Satyre, als Verfechter des Guten, die auf Stelzen mit aufgesetzten Ziegenbockhörnern über die Bühne staksen – und die zotteligen bösartigen Häscher Bazriels, die bei ihrem Irren im Stile der Orks aus „Herr der Ringe“ mit überlebensgroßen Fledermausflügeln und neon-blauen Krallen für Unordnung sorgen.

Sterben für die Freiheit

Im Reiche des bösen Bazriel stirbt die kleine Lilly für die Freiheit Argonans nach einem gewaltigen Kampf zwischen Guten und Bösen – als ein gewaltiger Feuerblitz durchs Publikum zischt und sich eine Konfettisalve ins Publikum ergießt. Dann wird noch mal richtig auf die Tränendrüse gedrückt, als sich die 65 Schauspieler mit Neon-Kerzen auch in den kleinen Gängen im Dunkel der Rheinhausen-Halle aufstellen und den Abschlusschorus „Die neue Zeit“ singen, der durch seinen Kanon- und Ohrwurmcharakter gewaltig wird – und man in funkelnde Augen schaut bei einer tollen Welturaufführung, die von den guten Amateuren ohne erkennbare Fehler gespielt wurde – und die Duisburg nach „Les Miserables“ wieder zur Musical-Stadt erhebt – zumindest kurzfristig...

Info-Box
Ein Kommentar
zur Aufführung: „Sehr mystisch, tolle Kulisse, tolle Kostüme, tolle Musik“, sagt Stefan Zebrowski (29) völlig beeindruckt. Vor fünf Jahren hat er noch selbst im Musical „Flügel“ von ProYou mitgespielt.
Die nächsten Termine:
Freitag, 24., und Samstag, 25. Oktober, ab 19 Uhr, Sonntag 26. Oktober ab 18 Uhr. Karten sind zu bekommen bei Weltticket unter  0211/274000.

Stephan Sadowski

Kommentare
20.10.2014
12:42
Umjubelte Musical-Premiere in der Rheinhausen-Halle
von kaufix | #2

Beeindruckend war aber auch, wie diese Amateure es schafften, die vielen gewaltigen Bühnenbilder, zum Teil über 2 Ebenen, in nur ganz kurzen...
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Umjubelte Musical-Premiere in der Rheinhausen-Halle
Umjubelte Musical-Premiere in der Rheinhausen-Halle
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http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/west/umjubelte-musical-premiere-in-der-rheinhausen-halle-id9948083.html
2014-10-19 17:00
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