Ufo-Udo und die Eifel-Aliens
15.11.2009 | 09:31 Uhr 2009-11-15T09:31:00+0100
Duisburg-Rheinhausen. Der Spielfilm "Das Freeman Tor" ist fertig - wie der Rheinhauser Udo Everhardt in acht Jahren mühevoller Kleinarbeit und ohne Geld einen Science-Fiction-Film gedreht hat. Die Weltpremiere lief im Broadway-Filmpalast in Trier.
Schon in den Siebzigern war der Rheinhauser Udo Everhardt mit einer Super8-Kamera unterwegs. „Rein hobbymäßig”, sagt er, „irgendwann ist das dann etwas ausgeartet”. Eine leichte Untertreibung. Denn in seinen Spielfilm „Das Freeman Tor” hat er acht Jahre mühevolle Kleinarbeit gesteckt. Eine No-Budget-Produktion, wie man in der Branche sagt. Sprich: Für den Film stand ihm ein Etat von genau null Euro zur Verfügung. Everhardt ist Autor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller in Personalunion. Und meist war er auch noch Kameramann. Die anderen Darsteller haben ebenfalls aus reinem Enthusiasmus mitgemacht, meist Studenten, die er über einen Aushang an der Uni gefunden hat. „Es waren immer viel zu wenig Leute. Eine Szene habe ich mit einer Darstellerin ganz alleine gedreht, da haben wir abwechselnd die Kamera gehalten.”
Weltpremiere in Trier
Was daraus geworden ist, war zum ersten Mal am vergangenen Wochenende zu sehen. Sozusagen bei der Weltpremiere, im Broadway-Filmpalast in Trier, in Everhardts Geburtsstadt. In der Nähe, in den Wäldern der Eifel, ist auch der größte Teil des Films gedreht worden.
Udo Everhardt ist hauptberuflich Kindertheater-Schauspieler, mit seiner Märchenbühne reist er seit 1987 quer durch halb Deutschland, von einem Kindergarten zum nächsten, rund 100 Auftritte hat er pro Jahr, inzwischen stand er über 2000 mal auf der Bühne. In seiner Freizeit aber ist er in den vergangenen Jahre in die Rolle des Dave Freeman geschlüpft.
Zeitreise-Odyssee über 91 Minuten
Schatzsucher Freeman ist Hauptakteur in der 91-minütigen Zeitreise-Odyssee. Ein Tor in einem Fluss katapultiert ihn, in knapper Badebuxe und Schlappen, in die Zukunft. Willkommen in der Eifel im Jahr 2050, wo Aliens die Menschen versklavt haben, und wo sich der Filmheld mit geklonten Superfrauen herumschlagen muss.
Auf eindrucksvolle Kinobilder müssen Zuschauer natürlich verzichten, die unspektakulären Spezialeffekte begnügen sich mit dem, was sich an einem Heimcomputer so machen lässt. Die Eifel im Jahr 2050 sieht auch nicht anders aus als heute, und die Autos fahren immer noch mit Benzin. Aber Dialoge und Schauspielkunst sind auch nicht schlechter als in den unzähligen TV-Soaps. Und vor allem lebt der Film von seiner Handlung mit den überraschenden Wendungen. Wie Freeman weiß der Zuschauer nie, woran er gerade ist.
Vier Jahre haben die Dreharbeiten gedauert, weitere vier die Bearbeitung des Films. Alleine die Vertonung hat ein Jahr gedauert, übernommen hat das jemand aus Greifswald, kostenlos natürlich. Der Kontakt kam über ein Internet-Forum zustande, gesehen hat Everhardt seinen Ton-Fachmann noch nie, die Dateien wurden online hin- und hergeschickt.
56 Stunden Film-Material: "Da blutet einem das Herz"
Vor allem viel Geduld erfordere so ein Projekt. „Sie glauben gar nicht, wie viele Flugzeuge über die Eifel fliegen”. Selber schneiden werde er einen Film nie wieder. 56 Stunden Material musste er auf 91 Minuten kürzen. „Wenn da etwas wegfällt, an dem man drei Tage lang gedreht hat, da blutet einem das Herz.”
Im nächsten Jahr soll der Film auf DVD gepresst werden, Everhardt will ihn dann auch in Rheinhausen zeigen. In einer Regieschule in England, wo einer der Darsteller den Film vorgeführt hat, nennen sie den Rheinhauser nur noch „Ufo” Everhardt und den deutschen Streifen einen „Heinz-Fiction”-Film.
Im nächsten Jahr will Everhardt mit dem Dreh eines neuen, skurrilen Streifen beginnen. „Puzzle” lautet der Titel, das Drehbuch ist bereits fertig. Die neue No-Budget-Produktion soll einfacher, der Dreh kürzer werden. „Man lernt ja schließlich dazu.”
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