Stille, Besinnung, Umkehr

In vielen Kirchen gibt es während der Fasten-/Passionszeit stille Morgengebete.
In vielen Kirchen gibt es während der Fasten-/Passionszeit stille Morgengebete.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Die Wochen zwischen Aschermittwoch und Karfreitag haben für Katholiken und Protestanten eine besondere Bedeutung, stehen für Verzicht und Umkehr

Duisburg-Rheinhausen/Baerl..  Keine Süßigkeiten, kein Fleisch, keine alkoholischen Getränke, keine Zigaretten - und anstatt mit dem Auto zu fahren mal zu Fuß gehen oder das Fahrrad nehmen. Manche Christen gestalten die momentane Fastenzeit ganz individuell. Als Fastenzeit ist jener Zeitraum zwischen Aschermittwoch und Karfreitag landauf und landab bekannt, gleichwohl sie ursächlich von Katholiken praktiziert wird. Aber auch für Protestanten ist diese Zeit eine besondere Zeit, bei ihnen wird sie allerdings als Passionszeit begangen.

Besinnen auf Gott

Ob nun Fasten- oder Passionszeit - das Besondere sind die Ruhe, die Stille, das In-sich-kehren, das Besinnen auf Gott, was zum Tragen kommen soll. So erläutert es auch Pfarrer Jörg Monier von den Katholischen Kirchengemeinden St. Joseph Friemersheim, St. Marien Schwarzenberg und St. Klara Kaldenhausen.

„Für mich ist die Fastenzeit eine Zeit der Verbesserung des Verhältnisses zu Gott“, sagt Jörg Monier und das möchte er auch gemeinsam mit den Gemeindemitgliedern umsetzen. Deshalb finden in der Fastenzeit jeden Freitag Bibelgespräche mit dem Thema „Altes Testament“ statt.

Bewusst sei der Freitag gewählt. Damit soll eine Art Verzicht symbolisiert werden. Denn normalerweise geht an einem Freitagabend niemand in Gotteshäuser, verbringt die Freizeit anders. Weitere Themenschwerpunkte sind der Kreuzweg (dienstags), die Frühschichten (samstags) sowie an den Wochenenden die Feiern der Versöhnung mit Buße- und Beichtgelegenheiten an den Wochenenden. Eine Besonderheit ist die Nacht der offenen Gotteshäuser am Samstag, 14. März) in den Gemeinden St. Joseph Friemersheim, St. Marien Schwarzenberg, St. Klara Kaldenhausen und St. Marien Rumeln. Zwischen 20 und 24 Uhr gibt es unter anderem Kirchenführungen, Musik bei Kerzenschein, Stille und Begegnung.

Das Leiden Jesu nachempfinden

An den Leidensweg von Jesus erinnern sich die Protestanten in der Passionszeit. Andreas Klumb, evangelischer Pfarrer der Gemeinde Baerl: „In der Zeit zwischen und Aschermittwoch und Karfreitag versuchen wir das Leiden Jesu nachzuempfinden, gar nachzuvollziehen.“ Dieses geschieht in der Dorfkirche Baerl an der Schulstraße jeden Mittwoch ab 19.30 Uhr in den Passionsandachten. Das jeweilige Motto sind die Figuren der Passionsgeschichte, etwa Judas, der Jesus verraten haben soll, oder der römische Prokurator Pontius Pilatus, der das Todesurteil über Jesus fällte. Wie Pfarrer Andreas Klumb ausführte, würden aber auch viele Prostanten eine so genannte Fastenzeit praktizieren: „Sie nutzen diesen Zeitraum, um weniger zu essen, um Verzicht zu üben.“ Das habe durchaus auch etwas Heilsames, nämlich sich selbst mal bewusst zu machen, worauf man das ganze Jahr über nicht verzichten kann oder will.

Besonders wichtig ist den Protestanten wie den Katholiken die Karwoche. Andreas Klumb: „Das höchste evangelische Fest ist der Karfreitag (die Kreuzigung Jesu) im Verbund mit dem Ostersonntag (die Auferstehung Jesu).“ In früheren Jahren hatte nach den Worten von Pfarrer Klumb übrigens die Adventszeit eine ähnliche Bedeutung wie die Fasten-/Passionszeit: „Sie war eine Bußzeit im Sinne von Umkehr.“