Steigende Wildgänse-Population schadet Duisburger Landwirtschaft
28.08.2011 | 19:32 Uhr 2011-08-28T19:32:00+0200
Duisburg-Rheinhausen. Wildgänse empfindet mancher Spaziergänger als Bereicherung der Natur. In der Landwirtschaft richten sie Schäden an. Im Westen bevorzugen die Wildgänse die Inseln bzw. Uferböschungen des Uettelsheimer Sees, des Toepper-, Krupp- und des Lohheidersees.
„Für zehn Gänse kannste eine Kuh halten. So sagte man jedenfalls früher“, schmunzelt Karl-Wilhelm Kamann. Doch dann wird er ernst, der frühere Vorsitzende (immerhin 18 Jahre) und das heutige Vorstandsmitglied der Kreisbauernschaft Ruhr-Großstädte (Mülheim, Essen, Duisburg, Oberhausen). Der Spruch aus den alten Zeiten bezog sich auf den Nahrungsumsatz, den Wildgänse haben. Und der ist immens, ärgert vor allem die Landwirte.
Alle Jahre wieder stellt sich das Problem mit dem Federvieh. Kanada-, Grau- und Nilgans lieben ein Zuhause auf Liegewiesen und Spielplätzen an Gewässern. Attraktiv auch: Zumeist liegt der Gemüse- und Getreideanbau nicht weit entfernt. Für eine Gans ist die Nahrungsquelle im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug erreichbar.
Im Duisburger Westen bevorzugen die Wildgänse die Inseln beziehungsweise Uferböschungen des Uettelsheimer Sees, des Toeppersees, des Kruppsees, des Lohheidersees, die Felder in Binsheim sowie die Rheinvorländer in Friemersheim, Rheinhausen und Homberg. Erstmals führte die Stadt Duisburg mit Genehmigung der Oberen Jagdbehörde im Vorjahr ein Management der Gänsebestände durch, manipulierte die Gelege , entnahm bis auf zwei sämtliche Eier. Geändert wurde auch der Beginn der Bejagung . Statt wie vorher ab Anfang August, dürfen Jäger die Gänse ab Mitte Juli abschießen.
Population vergrößert sich ständig
Mit Skepsis betrachtet Karl-Wilhelm Kamann, selbst passionierter Jäger, beide Maßnahmen. Er ist überzeugt: „Das Problem mit Gänsen ist nicht im Griff. Die Population vergrößert sich ständig.“ Aus Tierparks ausgebüxt, beziehungsweise teilweise zugewandert, seien die Wildgänse vor etwa 20 Jahren. Als häufig gefühlte Schäden bezeichnet Kamann das Verdrecken von Liege- und Spielflächen.
Richtig ins Geld geht es bei den Landwirten. Gänse ernähren sich nun mal vom Grünfutter, fressen Weiden- und Wiesenflächen ab und treten sie platt. Eine ideale Landebahn sei für sie das sogenannte „Lagergetreide“. Dieses Getreide liegt nach heftigen Regenfällen und Windböen flach. Für das Federvieh ein Leichtes, dann an die Ähren zu kommen.
Wie man dem Problem dauerhaft Herr werden könnte, vermag Kamann auch nicht zu sagen. Alle Maßnahmen dürften nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. „Allein durch Jagen kriegt man die Anzahl nicht dezimiert. Gänse sind schlau und nicht einfach zu bejagen“, weiß er aus Erfahrung.
Flächendeckende Zählung
Weitere Gründe, die die Jagd erschweren: Das Gebiet ist dicht besiedelt. Ein Teil der Bevölkerung empfindet die Gänse als Bereicherung der Natur. Ein weiterer Teil hat ganz einfach Angst und möchte, dass grundsätzlich keine Tiere geschossen werden.
Die Biologische Station Duisburg will es jetzt ganz genau wissen und führt deshalb in diesem Jahr erstmals eine flächendeckende Zählung durch. Christine Kowallik , als Landschaftsökologin bei der Biologischen Station für Vögel und Fledermäuse zuständig: „Seit Februar bis noch Dezember zählen Ehrenamtliche in allen Gebieten die Gänse.“
Freiwillige von NABU oder der Jägerschaft machen sich auf, um das Federvieh zu erfassen. Momentan gibt es noch keine Auswertung. Christine Kowallik kann nur Meinungen über eine gefühlte Anzahl weitergeben: „Es gibt Leute, die sagen es seien tausende Tiere. Andere sprechen von einer Handvoll.“
Ob es auch in den nächsten Jahren solche Zählungen geben wird, ist noch ungewiss. Denn es lassen sich nur schwer Freiwillige für eine solche Aufgabe finden. Christine Kowallik könnte sich mit dem niederländischen Konzept, eine Zählung im Sommer, anfreunden. Ob das umgesetzt wird, ist noch fraglich.
Bei allen Problemen, die es mit Wildgänsen gibt, Karl-Wilhelm Kamann kann ihnen etwas Positives abgewinnen: „Man kann sie braten und essen.“ Und schmecken sie auch? „Jein. Manche sagen, sie wären eine Delikatesse, anderer mögen sie nicht“, antwortet der Fachmann: „Es liegt an der Zubereitung. Wildgänse sind in aller Regel wesentlich älter als die gezüchteten Schlachtgänse. Da diese nur acht Monate alt werden, ist deren Fleisch zart. Wildgänse gelten als zäh. Die Zartheit des Fleisches lässt sich nur wie beim Filet erreichen: Die Gans muss abgehangen sein.“
10:52
#8
Zu Ihrem Kommentar, ich wohne auch im Ruhrgebiet an einem Großen Teich mit Park und Spielplatz. Auch hier haben sich die Gänse in letzter Zeit stark vermehrt. Nun sind auch noch viele Nilgänse dazugekommen. Daß man das in den Griff bekommen muß, ist mir auch klar. Nur was mir hier missfällt, daß die Leute sich darüber dermaßen aufregen, da treten die von Hunden zugeschissenen Spielwiesen und Gehwege in den Hintergrund. Der Heidesee in Bottrop-Kirchellen ist ein Naturschutzgebiet. Dort brüten viele Vögel und das Baden ist dort verboten. Das stört gewisse Völker überhaupt nicht, sie lassen auch ihre Köter ins Wasser, welche dann die Vögel verjagen, die doch dort besonderen Schutz haben. Darüber regt sich aber kaum jemand auf. Komische Welt.
09:53
# 5 Ich würde Ihnen empfehlen mal in Duisburg und anderen Gebieten diesen Kot auf ihren Rastplätzen zu entfernen , vom Fraßschaden ganz zu schweigen .Unser Lebensraum ist nun mal so dicht besiedelt
das diese Tiere , mangels natürlicher Feinde , einfach überhand nehmen . Melden Sie sich freiwillig um die Gelege mit Gipseiern , gegen die echten Eier , auszutauschen oder Eierdiebe ,
Fuchs , u.a. zu fördern !!
08:33
Kann man die Wildgänse nicht einfach wegessen...dann haben wir doch alle was davon?
22:46
@5, Juettelchen: Ich gebe Ihnen durchaus recht. Aber: Die Population der Wildgänse hat in Duisburg Ausmasse erreicht, die die empfindlichen Ökosysteme nachhaltig stören, weil die natürlichen Feinde fehlen, die für eine angemessene Dezimierung der Bestände sorgen würden. Im Interesse der anderen Lebewesen rund um die Gewässer muss der Mensch, der ja dafür verantwortlich ist, dass natürliche Feinde nicht oder nicht ausreichend vorhanden sind, selbst für eine Dezimierung der Bestände sorgen - durch Bejagung. Das mag manchem nicht schmecken, ist aber notwendig, damit das Ökosystem See nicht kippt und für alle Lebewesen unattraktiv wird.
19:18
Da fahren die Ruhrpöttler im Herbst an die Ostseeküste nach Mek Pom, und beobachten Graugänse und den Kranichflug, fotografieren und filmen und erzählen, wieder zuhause angekommen, wie schön und beeindruckend das doch ist. Nun kommt hier bei uns die Natur langsam wieder zurück mit Gänsen,Greifvögeln, Kormoranen,Reihern u.s.w., da regen sich die Völker hier auf. Der Reiher räumt den Teich im Garten leer, die Kormorane machen den Anglern Probleme, die Gänse kacken überall hin und haben natürlich auch Hunger. Fehlt nur noch, daß sich jemand aufregt, weil seine Nachtruhe durch einen Waldkauz gestört wird. Manchmal denk ich, daß hier zu viele Irre herumlaufen. Da fällt mir gerade der Maulwurf ein. Der Feind des englischen Rasens. Sollten hier auch mal Kraniche heimisch werden, bin mal gespannt, welche Schäden die dann anrichten.
18:37
Die Jäger und Bauern (meist sind sie identisch) wollen doch nur etwas totschießen dürfen. Da fragt man sich, warum sie nicht bei ihren Kühen und Hühnern anfangen, die sind noch leichter zu treffen als eher zutrauliche Vögel. Dann müssen sie auch nicht irgendwann mal durchdrehen (alle Amokläufer der letzten Jahre weltweit waren Jäger oder Sportschützen).
15:35
Tiere zerstören unsere wunderschöne Natur!!!
10:48
#1
Wie wäre es denn mal mit Jägern gegen das Lebewesen (zur Erinnerung: läuft auch auf zwei Beinen, hat aber in der Regel Klamotten an), das die Erde wirklich übervölkert und zerstört - das würde mal richtig Sinn machen !
01:32
Es ist eine gesundheitliche Zeitbombe, wenn unsere Kinder im Gänse- und Hundekot verseuchten Spielbereichen etwa am Ütti Sandspielplatz spielen.
Zustände wie in Kalkutta, mitten in Duisburg!
Und die Stadt handelt nicht, sondern eiert wortwörtlich rum.
Ich schlage vor, dass die Jäger sich um das Gänseproblem kümmern und die Stadt den Hundehaltern mit ihren freilaufenden Lieblingen endlich entschieden ans Geld geht.
Auch Menschen haben schützenswerte Rechte.