„Soziale Stadt“ - Hochemmerich wird nicht gefördert

Seit mehreren Jahren steht dieses Ladenlokal leer  Seitdem hat sich nur die Telefonnummer des Maklers geändert. Und im Schaufenster stehen jetzt ein paar
Seit mehreren Jahren steht dieses Ladenlokal leer Seitdem hat sich nur die Telefonnummer des Maklers geändert. Und im Schaufenster stehen jetzt ein paar
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Stadtteil-Erneuerungsprogramm „Soziale Stadt“: Noch vor vier Jahren sollte Rheinhausens Zentrum mit4,8 Millionen Euro gefördert werden. Passiert ist nichts. Jetzt rutschte der Ortsteil sogar aus der Förderung.

Duisburg-Rheinhausen..  Ist Hochemmerich kein „notleidender, benachteiligter Stadtteil“ mit erhöhtem Erneuerungsbedarf? Diese Frage stellt sich Karsten Vüllings, Ratsherr der Bürgerlich-Liberalen (BL) aus Rheinhausen. Vüllings ist enttäuscht, dass Hochemmerich nach rund vier Jahren als förderungswürdiger Ortsteil aus dem Stadterneuerungsprogramm „Soziale Stadt“ herausgefallen ist, ohne dass der Rheinhauser Stadtteil auch nur mit einem Cent gefördert worden ist.

Vüllings Blick zurück im Zorn geht in das Jahr 2010. Damals tauchte die „Stadterneuerung Hochemmerich“ erstmals im Haushaltsplan auf, stolze 4,8 Millionen Euro waren für die Reaktivierung des Ortsteils eingestellt, verteilt auf mehrere Jahre ab 2011. Sogar eine Kommission inspizierte 2010 den Ortsteil und sah angesichts des schon damals wachsenden Leerstands Handlungsbedarf.

Förderrichtlinien änderten sich

Doch dann kam alles ganz anders: Hochemmerich verlor die oberste Priorität bei den förderungswürdigen Quartieren. Das macht die Prioritätenliste der Förderanträge für das Jahr 2014 deutlich, die jetzt von allen Bezirksvertretungen, abschließend am 2. März vom Stadrat abgenickt wird: An erster Stelle steht die Innenstadt mit einer Fördersumme von 8,6 Millionen Euro, gefolgt von Hochheide (Ankauf und Abriss der Hochhäuser) mit 5,8 Millionen Euro. Auf Platz drei der Förderliste stehen Laar (5,1), Marxloh (577.000) und Hochfeld (594.000 Euro). Erst auf dem abgeschlagenen vierten Platz taucht Hochemmerich mit einer Fördersumme von 540.000 Euro auf. Vüllings: „Inzwischen hat der Regionalverband Ruhr seine Förderrichtlinien geändert.“ Soziale und wirtschaftliche Aspekte seien jetzt nicht mehr ausschlaggebend für die Bewilligung der Gelder. „Damit ist Hochemmerich jetzt endgültig aus dem Stadtteilprogramm Soziale Stadt herausgefallen,“ kritisiert der Vorsitzende des Werberings Hochemmerich.

In der Verwaltungsvorlage liest sich das im besten Bürokratendeutsch so: „Das Gebiet Hochemmerich-Mitte wurde in die Förderpriorität C eingestuft.“ Soll heißen: „Im Rahmen der Förderrichtlinien Stadterneuerung wurde für die Maßnahme kein Förderzugang gesehen.“ Nicht nur Vüllings findet, diese Entscheidung sei das „falsche Signal“. Dass Hochemmerich mit seinen aktuell rund 25 leerstehenden Ladenlokalen hohen Förderbedarf habe, sei ja wohl unstrittig. Wenn nicht etwas Entscheidendes geschehe, sei ein weiterer Niedergang des Ortsteils nicht aufzuhalten. „Eigentlich ist es schon fünf nach zwölf!“ Die Förderung und damit die Einrichtung eines Stadtteilbüros wie in Marxloh, Bruckhausen oder Hochfeld hätte Hochemmerich sicher gut getan. Ein Quartiermanager mit seinem Know-How hätte auch den Leerstand stoppen, neue Firmen nach Hochemmerich ziehen können.

Aktuell gibt es 25 Leerstände

Die Reaktion der Bezirksvertreter sei „mau“ gewesen, ihre Stellungnahmen „butterweich“. Vüllings Fazit: „Am besten setzen sich jetzt die Bezirksvertreter jetzt mit der Stadt zusammen. Dann muss man ausloten, welche Fördermöglichkeiten es sonst noch gibt. Die gibt es.“