Schüler protestierten gegen Krieg
01.09.2009 | 18:09 Uhr 2009-09-01T18:09:00+0200Vor 70 Jahren begann der Zweite Weltkrieg. Junge Leute starteten Aktion und suchen Zeitzeugen für eine Dokumentation
„Nie wieder Krieg!” - „Krieg ist doof!” Und: „Meinungsfreiheit! - Nie wieder Zensur!” Die Aufschriften auf den Plakaten und Transparenten, die gestern Mittag von Jugendlichen der Alfred-Hitz-Hauptschule vor dem Rheinhauser Bezirksrathaus präsentiert wurden, erinnerten an den Beginn des 2. Weltkriegs (1939 - 45) am 1. September vor 70 Jahren.
Die rund 120 Jungen und Mädchen aus den Jahrgangsstufen 5, 9 und 10 hatten sich auch äußerlich auf das für sie fremde Thema eingestellt. Da erschienen Mädchen mit Kopftüchern und Jungen mit bandagierten Armen oder gar (fiktiven) Beinamputationen. Auf einem Bollerwagen mit Rot-Kreuz-Zeichen, typisch für jene Jahre, waren Zuteilungen und Lebensmittelmarken zu lesen: „1000 Gramm Brot, 170 Gramm Fleisch, 1250 Gramm Maismehl ... ”
Zeitzeuge Rudi Lisken („Ich war ein Bunkerkind von vier, fünf Jahren”) und die Bezirksbürgermeisterin Katharina Gottschling erzählten den jungen Leuten, wie das damals war: „Der Krieg begann mit einer großen Lüge. Die Polen haben nicht, wie die Nazis behaupteten, Deutschland angegriffen, sondern umgekehrt. Der Hitler war größenwahnsinnig und wollte die Welt erobern!” Die Folgen für die Bevölkerung: Tote Soldaten, Bombenopfer in den Familien, von denen viele wegen der Bomben kein Dach mehr über den Kopf hatten und Hunger: „Man wusste abends nicht, ob es am nächsten Tag etwas zu essen gab!”
Ammie-Mae (11) las ein Gedicht vor: „ ... die Häuser sollen nicht brennen ... die Nacht soll für den Schlaf sein ...” (Bertolt Brecht). Der zwölfjährige Mohamed erklärte den Begriff Krieg: „Dabei kämpfen die Menschen gegen einander und schießen sich tot. Viele sterben. Frieden ist besser.”
Saskia: „Meine Oma hat als Kind den Krieg erlebt. Das war schrecklich für sie, hat sie erzählt.” Sinan war über anderthalb Stunden in die Rolle eines Kriegsopfers geschlüpft. Mit seinem unter dem Oberschenkel angebundenen Unterschenkel glich er auf den ersten Blick einem Opfer aus einem aktuellen Krisengebiet. „Das mit dem Verband und dem Bein war unbequem!”
Nur knapp zwei Wochen hatten die jungen Leute an Vorbereitungszeit. Schulleiterin Barbara Laakmann: „Alle haben aber prima und gerne mitgemacht.” Die zehnte Klasse mit der Pädagogin Simone Kaiser-Gülicher arbeitet an einem mittelfristigen Projekt: „Die Schüler befragen Zeitzeugen nach Kriegserlebnissen. Wir haben schon in zwei Alteneinrichtungen Informationen gesammelt.” Darüber hinaus bitten die Hitz-Schüler ältere Menschen um Mithilfe. Wer diese Zeit miterlebt hat und bei der Dokumentation mithelfen möchte, kann sich unter 02065/ 63777 (mo - frei, 8 - 13 Uhr) melden.