Sängerinnen lernten Schwedisch

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Anfangs stehen die 45 Sängerinnen noch mit dem Rücken zum Publikum. Überraschen wollen sie die etwa 200 Zuhörer, die sich bei strahlendem Sonntagswetter in der Christuskirche an der Friedensstraße versammelt haben. Als sich die Musikerinnen des Frauenchors Rheinhausen umdrehen, tragen sie bunte Blumenkränze im Hawaii-Stil um ihrem Hals statt ihrer grünen Vereinsschals. Überraschung gelungen: Denn mit „Zauber der Südsee“ tauchen sie in das zweistündige Frühlings-Konzert mit dem Titel „Der Jahresreigen“ ein. „So klingt die Südseemelodie, sein Herz verließ sie nie“, singen die Musikerinnen schwelgerisch.

Dem Chorleiter Axel Quast ist es dieses Mal gelungen, Martin Fratz für die Klavierbegleitung und Christiane Schwarz für die Violinenparts zu gewinnen. Beide agieren in Passagen als Duo aus dem Salon-Trio „Sorrentino“, und spielen wilde Zigeunermelodien von Vesco d’Orio aus den 40er-Jahren, genauso wie sie die „Jalousie“ aus der Feder des dänischen Komponisten Jacob Gade anstimmen. „Für diese Hymne hat der Mann eine lebenslange Rente von der Regierung bekommen, damit ihm noch mal so ein Geniestreich einfällt“, weiß Axel Quast.

Sopranistin Cordula Berner glänzt mit einem Potpourri aus bekannten Operetten mit ihrer sehr akzentuierten, im Kirchenschiff gut verständlichen Stimme zur Klavierbegleitung von Martin Fratz. Ein besonders zartes Timbre schwingt in der Arie „Einer wird kommen, der wird mich verehren“ mit aus „Der Zarewitsch“ von Franz Lehar.

Schwierige Aussprache

Eigens einen Schwedisch-Kurs hatten die Sängerinnen absolviert: Für das ergreifende „Gabriellas Sang“ von Stefan Nilsson haben sie die schwierige Aussprache der schwedischen Sprache gelernt - und zauberten ein schönes Chorstück hervor, dass die Zuschauer stark an den Film „Wie im Himmel“ erinnerte, in dem ein renommierter Stardirigent einen skurrilen, provinziellen Kirchenchor übernimmt und ihn zu Höchstleistungen trimmt.

Und passend zum Titel des Konzerts gab es den in sechs Abschnitte gegliederten „Jahresreigen“ zu hören, aus der Feder von Hermannjosef Rübben. Ein freudiger Überblick über das Jahr meist vom Chor in Dur gesungen, wurde lediglich bei „Herbst im Walde“ mit der Trübung der Melodie durch Moll-Akkorde verfärbt. Dazu las Elfi von Gruchalla, 2. Vorsitzende, ein selbst geschriebenes Gedicht der Chorsängerin Rosemarie Lange vor: „Ein Loblied wollen wir singen dem Walten der Natur “ stieg die Dichterin in ihr Werk ein.

Und genauso in dieser Eichendorfschen romantischen Sichtweise auf die Welt nahm das Konzert seinen Lauf mit weiteren Titeln wie „Frühlingserwachen“ von Johannes Brahms. Vor dem Zugabenteil spielte der Frauenchor noch ein Johann Strauß Medley „Leichtes Blut“, „Tritsch-Tratsch-Polka“ und ein „Feuerwerk der guten Laune“. Und das ausverkaufte Konzert fand mit „Zauber des Südens“ seinen Abschluss unter dem Applaus des Publikums.

Der Wechsel von der Erlöserkirche zur Christuskirche, in deren Gemeindehaus der Frauenchor seit geraumer Zeit probt, hat sein Gutes: „Der Ort war für unser Konzert genau der Richtige“, sagt Elfi von Gruchalla abschließend.