Rocker und Zuwanderer bewegten Duisburgs Westen

Die Rheinhauser Kneipe, die einst Satudarah-Deutschland-Zentrale war, steht leer.
Die Rheinhauser Kneipe, die einst Satudarah-Deutschland-Zentrale war, steht leer.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Teil 1 unseres zweiteiligen Jahresrückblicks befasst sich mit Rockern und Armutszuwanderern im Duisburger Westen. Um beide Gruppen ist es ruhig geworden.

Duisburg-West.. Wo noch nicht einmal vor einem Jahr hunderte Demonstranten und Hundertschaften der Polizei standen, ist es heute fast schon gespenstisch still. Die Bergheimer Häuser In den Peschen 3-5 sowie Gebäude an der angrenzenden Beguinenstraße sind bekanntermaßen seit nahezu einem halben Jahr verwaist. Die Fenster der Erdgeschosswohnungen sind ebenso wie die Türen mit Sperrholzplatten verriegelt. Bis zu 2000 Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien sollen hier einst gelebt haben. Geblieben seien laut Angaben der Diakonie 50 Zuwanderer, die in der Nähe des Hauses wohnen und von sogenannten „Roma-Scouts“ betreut werden. Wenige hundert Meter weiter steht eine weitere leergeräumte Immobilie, eine ehemalige Kneipe und Rockerbehausung. Doch dazu später mehr.

Dass die sogenannten „Problemhäuser“ in Bergheim geräumt wurden, ließ die Nachbarn aufatmen. Lärm, Dreck, aber auch Aufmärsche von rechtspopulistischen Parteien hatten ihnen arg zugesetzt. Die vom Vermieter Branko Barisic vor die Tür gesetzten Zuwanderer hatten sich andere Wohnungen, etwa in Marxloh oder anderen Städten in NRW gesucht. SPD-Landespolitiker Rainer Bischoff spricht davon, dass für Rheinhausen „eine Lösung für das Haus und die Umgebung gelungen ist“. Das Problem der Integration von Zuwanderern sei nach Meinung vieler (auch Bischoffs) lediglich verlagert worden. Die Maßnahmen erfolgreicher Integration müssten verstärkt werden, der Flüchtlingsstrom fließe an Duisburg sicher nicht vorbei.

Hundertschaften vorm Rockerheim

Die Stichworte „Ruhe“ und „Verlagerung“ treffen auch auf das zweite große Thema zu, das den Duisburger Westen in den vergangenen zwölf Monaten nahezu in Atem gehalten hat. Regelmäßig standen Hundertschaften der Polizei vor der Deutschland-Zentrale der Rockergruppe Satudarah an der Friedrich-Ebert-Straße. Es galt, Präsenz zu zeigen, „denen regelmäßig auf die Füße zu treten“, wie es Polizeisprecher Ramon van der Maat formuliert.

Die vermehrten Einsätze der Polizei hatten ihre Wirkung offenbar nicht verfehlt. So sei es um die Holland-Rocker, die laut Polizeiangaben organisierte Verbrechen verüben, ruhig geworden. Sie hätten das Lokal an der Friedrich-Ebert-Straße aufgegeben, zwei weitere zwar gelb angestrichen, die Aktivitäten dort hielten sich aber in engen Grenzen. „Wir haben die Lage an der Günterstraße und auch an der Duisburger Straße im Blick“, sagt van der Maat.

Ruhig geworden um "United Tribuns" und "Gremium MC"

Ebenso im Blick hätten die Beamten das Treiben der anderen einschlägigen Rocker-Gruppen in der Stadt. So sei das geplante Heim von „United Tribuns“ an der Elisabethstraße in Rheinhausen nach wie vor versiegelt. Hintergrund: Im September hatte die Gang hier eröffnen wollen, aber keine Konzession erhalten, da offenbar kein seriöser Ansprechpartner bei der Stadt vorgesprochen hatte. Um die Rocker von Gremium MC, sie residieren in einer ehemaligen Kneipe in Homberg, sei es ebenso ruhig geworden wie um die Hell’s Angels, die ein Lokal in Hamborn und auch eines in der Nähe des Toeppersees in Rumeln wieder aufgegeben hätten.

Dass die hiesigen Rockergruppen dem Verbrechertum abgeschworen hätten, könne man allerdings nicht sagen. Sie täten dies nun wieder stiller, ohne größere Fehden im Milieu. Auf regelmäßigen Besuche der Polizei werden sie sich aber auch in Zukunft einzustellen haben...