Regelmäßige Werksschauen

Die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag der Hohenbudberger Eisenbahnsiedlung habe man nicht bewusst für die Terminwahl zur Vernissage des Künstlers Franz Rudolf Knubel in der profanierten St. Laurentius-Kirche mit einbezogen. „Aber die Eröffnung passt sehr gut zu diesem Anlass“, sagt Sabine Haustein vom Vorstand der „Freunde des Museums St. Laurentius e.V.“. Am 20. und 21. Juni haben Interessierte zum ersten Mal Gelegenheit, zwei Werkreihen des Künstlers Franz Rudolf Knubel an der Martinistraße zu sehen. Ab 12 Uhr gibt es stündlich Führungen bis 17 Uhr an diesen Tagen.

Das Museum wird in zeitlichen Abständen neben einer Dauerausstellung des ungarischen Künstlers Sándor Szombati jetzt Werksschauen anderer Künstler mit einbeziehen. „Wir planen diese Reihen fortan regelmäßig“, so Rainer Schmitz-Rudolph vom Kuratorium des Vereins. Den Anfang macht am kommenden Wochenende der abstrakte Künstler Franz Rudolf Knubel, der lange Kunst-Professor an der Folkwangschule Essen und der Universität Duisburg-Essen war.

Eine Werkreihe heißt „round about midnight“: sie ist zwar nach einer gleichnamigen LP des Miles Davis Quintett benannt - es handelt sich hier aber um eine eigenwillige Darstellung des Kreuzwegs, die Franz Rudolf Knubel mystisch, fast gespenstisch eingefangen hat. „Und welcher Ort eignet sich besser für solch einen Weg als eine ehemalige Kirche?“, fragt Sabine Haustein. Die 14 Stationen sind als Bilder auf Leinwand gemalt und Collagen artig übereinandergelegt. Durchgängiges Thema ist ein immer unterschiedlich geformtes Kreuz, was aus dem sich ständig farblich veränderndem Hintergrund – die Farben reichen von hellen Erdtönen bis zu dunkelstem Grau - hervorsticht. „Es sollen die unterschiedlichen Stimmungen bei der Kreuzigung dargestellt werden“, erzählt Sabine Haustein. Hell schimmert der Background des Bildes an der fünften Station, als Simon von Cyrene das Kreuz für Jesus tragen muss: „Umso dunkler ist die Stimmung am zwölften Haltepunkt, als Christus ans Kreuz genagelt wird“, vermutet Sabine Haustein.

Distanz zum Betrachter

Der Interpretationsspielraum in dem Werk Knubels ist groß, auch bei der zweiten Kunstreihe, die in Hohenbudberg zu sehen ist: Sie heißt „Epitaph“ und befasst sich mit den schrecklichen Ereignissen von 9/11, als 2001 zwei Flugzeuge ins World Trade Center in New York einschlugen. Geschickt verarbeitet der Künstler alte vergilbte Zeitungsfotos, auf denen der Moment des Aufschlags der Flugzeuge in die Twin Towers minuziös festgehalten ist. Nur die brennenden Hochhäuser sind in düsteren Wolken von Rauch erkennbar, darüber hat Knubel diagonal und streifenartig Transparenzpapier geklebt.„Er will damit vielleicht die Distanz zum Betrachter schaffen, keine unmittelbare Betroffenheit hervorrufen“, denkt Sabine Haustein. „Der Künstler versucht ein politisches Thema zu entpolitisieren.“ Kaum Menschen sind in dem Chaos zu erkennen, was sich in den Bildern hinter dem Altar verselbstständigt, stattdessen schimmert in drei Bildern ein gelbes Kreuz durch – quasi als Symbol für Hoffnung. In seinem Hauptwerk dieser Reihe, ist eine Grabinschrift zu erkennen, deren einzelne abgebrochene Worte wie ein Wolkenkratzer übereinander angeordnet sind – es wirkt so, als ob die Streifen einer brennend ins Bild gemalten US-Flagge wie zerfetzt dieses Gebäude umwehen, ja umschlingen und es am Ende in sich aufsaugen.