"Rage against Racism": Sänger mit Chlor beworfen

Voll auf ihre Kosten kamen die Musikfans beim Festival „Rage against Racism“ am Jugendzentrum „Die Mühle“.
Voll auf ihre Kosten kamen die Musikfans beim Festival „Rage against Racism“ am Jugendzentrum „Die Mühle“.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
3000 Musikfans feierten ihre Bands an zwei Tagen bei „Rage against Racism“. Doch das Festival musste nach einem Zwischenfall unterbrochen werden.

Duisburg-Rheinhausen.. Mehr als 3000 Musikfans feierten am Wochenende bei "Rage against Racism" ihre Lieblingsband - weitgehend friedlich. Bis auf einen: Beim Auftritt der Band „Varg“ wurde deren Sänger mit einem Becher voller Chlorflüssigkeit beworfen. Der 28-jährige Sänger erlitt Hautreizungen, wollte sich aber nicht vom Rettungsdienst behandeln lassen. Am Arm wurde auch ein Gitarrist getroffen, ein Fotograf wurde an seiner Kleidung von dem Chlor überschüttet.

Das Konzert wurde unterbrochen, und der Zuschauer, der vom Sicherheitsdienst ergriffen wurde, bekam daraufhin Hausverbot. „Die Sache wird zur Anzeige gebracht – wir tolerieren keine Form von Gewalt bei unserer Veranstaltung“, sagte Levent Tomicki vom Jugendamt bestimmt. Die Polizei ermittelt jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung. Warum es zu diesem Zwischenfall kam, dazu hat sich der Beschuldigte, ein 35-Jähriger, noch nicht geäußert.

Ehrenamtliches Engagement für internationales Line-up

Nicht nur deutschlandweit, ist das Heavy-Metal-Festival „Rage against Racism“ inzwischen bekannt, auch internationale Connections sind für dieses zweitägige Open-Air-Event geknüpft worden. Der 49-Jährige Peter Bubser aus dem Allgäu ist so etwas wie der „Deutschland-Manager“ für die schwedische Formation „Bloodbound“, die am Freitagabend die Bühne aufräumte. Natürlich ehrenamtlich, nur aus Liebe zur Musik: „Ich war eigentlich ein Fan der Band „Sabaton“, und auf einer Tour spielten „Bloodbound“ bei denen im Vorprogramm“, sagt der Heavy-Metal-Fan aus Bayern. Er habe die Musiker aus dem schwedischen Bollnäs dann ermutigt, einmal eine eigene Deutschland-Tour zu stemmen: das taten sie jetzt, Peter Bubser startete aus dem Allgäu und holte seine Lieblings-Band vom Frankfurter Flughafen für ihren Friemersheimer Auftritt ab.

Dafür bekam er auch einen Credit-Vermerk als Dank auf der aktuellen CD von „Bloodbound“ und sitzt gemeinsam mit dem Gitarristen Tomas Olsson und dem Keyboarder Fredrik Bergh, die beide die Songs der Band komponieren, bei einem Bier im Backstage-Bereich. Kurz zuvor haben „Bloodbound“ Titel von der CD „Stormborn“ mit unterschwelligem Hitcharakter wie „When the kingdom will fall“ und ein Stück mit einem bedrückenden Kinderchor als Sample, „Nightmares from the Grave“, gespielt, die die Menge zum Ausrasten brachte. Sie machen sehr elegischen, fast hymnischen Power-Metal und existieren seit 2004. „Es ist ein sehr feines, atmosphärisch dichtes Festival hier“, findet Tomas Olsson.

Hörerwünsche erfüllt

Conny Rätzel aus Friemersheim kennt die Band auch. Er ist seit Anbeginn des Festivals dabei und betreibt seit 2015 ein eigenes Internet-Radio, www.radio-xtc.de. Jeden Dienstag und Donnerstag ist er abends als „Metalfirst Conny“ mit einer Heavy-Metal-Show auf Sendung und erfüllt Hörerwünsche. „ Die Band „Bloodbound“ ist letzte Woche sechs Mal gewünscht worden mit einem Song“, sagt er. Auch die ungarische Formation „Wisdom“, die kurz vor den Schweden auftrat, kennt er. „Für Wisdom gab es nur vier Hörerwünsche“, schmunzelt der Metal-Fachmann. Unmittelbar nach dem Gig der Band aus Budapest, bei dem sie viele Songs aus ihrem Album „Words of wisdom“ spielten, geht es weiter mit dem Tourbus nach Polen.

Am Samstag Mittag eröffnete traditionell das Musikkorps Hohenbudberg, gefolgt von den Gewinnern des Vorentscheids zum Festival „Elvelon“ aus Moers. Stimmung kam auf beim Auftritt von „Torian“: Eine junge Frau durfte mit lila Schärpe auf der Bühne tanzend ihren Junggesellinnenabschied feiern. Gerade noch rechtzeitig zum Auftritt schaffte es die fünfköpfige Formation „Six reasons to kill“ aus Koblenz. „Da waren zwei riesige Staus auf der A3“, sagt Marco Andre, ein Gitarrist der Band, die seit 1999 existiert. „Wenn aber das Intro erklingt, schalten wir den Schalter auf Spass um“, meint der andere Rhythmusverantwortliche Loc Fran. Beide spielen Gitarren der Marke „Manne“, die extra nach ihren Wünschen aus Eschenholz von einem italienischen Designer angefertigt wurden. Allerdings müssen die Musiker aufpassen, dass die nicht zu Schaden kommen, denn es gab einen gewaltigen Auftritt der Koblenzer Formation, nah am Speedcore, mit vielen Songs ihrer letzten Cd „We are ghosts“.

Die Haare flogen

Wie man eine Band von hinten dirigiert, zeigte die Rhythmusfraktion der Ruhrpott-Combo „The very end“. Den Sound verschleppten der Schlagzeuger Lars Janosch und Bassist Marc Beste über feinste Ritardandi, lieferten somit die Steilvorlagen für gewaltige Riffs ihres Aushilfsgitarristen Dennis Baron. Und die ursprünglich aus Marl stammende Formation brachte die Menge zum Abmoshen. Bei „Sixes and nines“ flogen die Haare im Publikum. „Wir machen so etwas wie Best-of-Metal, weil wir unwahrscheinlich viele Einflüsse aus Jazz, Blues und Klassik und viel Trash im Sound haben“, gesteht Marc Beste.