Notfallhilfe bis nach Afghanistan

Über 120 Notärzte, Rettungsassistenten und Pflegefachkräfte trafen sich zum diesjährigen Symposium „Notruf 112“ zum Thema Polytrauma im Johanniter-Krankenhaus Rheinhausen. Dieser interdisziplinäre Austausch der Notfallversorger reflektiert fachliche Erkenntnisse aus dem täglichen Geschehen bei Notfalleinsätzen auf der Straße, in Krankenhäusern sowie in Krisengebieten. Fazit: Optimierungsprozesse und Versorgungsleitlinien gemeinsam fördern und diskutieren im Kampf gegen die schwindende Zeit bei einem Notfalleinsatz.

Lebensgefährliche Verletzungen

Polytrauma nennt man in der Medizin erheblich Unfallverletzte, die gleichzeitig mehrere, oftmals lebensgefährliche Verletzungen an unterschiedlichen Körperregionen erlitten haben. Die meisten Ursachen in den friedlichen Regionen des Erdballs liegen im Straßenverkehr und in Industriebetrieben. Die Infrastruktur in der jeweiligen Region stellt in der Notfallversorgung ebenso die Weichen, mit denen die Einsatzkräfte und Opfer zurechtkommen müssen.

Hier zu Lande kaum vorstellbar – aber in Kriegsgebieten und Einsatzgebieten, berichtet ein Referent der Bundeswehr, wird anhand eines Beispiels aus Afghanistan deutlich, dass das Erreichen des Notfallortes ein erstes großes Problem und Risiko für alle Beteiligten darstellt. Die schwindende Zeit ist nur eines davon, bis der Verletzte eine stationäre Versorgungseinrichtung erreicht und im besten Falle nach Stabilisierung ins Ausland geflogen werden kann. Ein Polytrauma erfordert sofortige Hilfe schon am Ereignisort bis hin in den Operationssaal, ebenso ein strenges und immer weiterentwickeltes Prozessmanagement von allen Profis am Einsatzort wenn es heißt: „Notruf 112“.

Wenn sie die Zeit, die sie im Notfall dringend brauchen, schon nicht aufhalten können, nutzen sie dafür die Erfahrungen und Erkenntnisse aller, die täglich auf der Straße und in Krankenhäusern Unfallverletzten (möglichst) das Leben retten. Gemeint sind die Ärzte im Rettungsdienst und in den Krankenhäusern, die Rettungsassistenten und Pflegekräfte aus den Notaufnahmen und den Intensivstationen, die sich auch in diesem Jahr wieder zu der interdisziplinären (fachübergreifenden) Fortbildung „Notruf 112“ – diesmal zum Thema „Polytrauma“, in einer mehrstündigen Veranstaltung im Johanniter-Krankenhaus Rheinhausen getroffen haben.

Schwierige Bedingungen

In diesem Jahr wurde das Programm weiter ergänzt: Durch eine Kooperation mit dem Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz wurde mit einem Erfahrungsbericht in dem diesjährigen Symposium über die Grenzen Europas nach Afghanistan geschaut.

Mit großer Spannung wurde berichtet, unter welchen schwierigen Bedingungen die Soldaten im Rettungsdienst tätig sind. Auch die Thematik von schwerst verletzten Kindern zum Beispiel durch Verkehrsunfälle wurde äußerst rege diskutiert, da diese Versorgung ganz besondere Voraussetzungen erzwingen.