Mit guten Freunden musizieren

Zwei Termine gab es am Wochenende von den „Kleinen Welten“ in der Dorfkirche Friemersheim, da im letzten Jahr die traditionelle Veranstaltung der beiden Kleinkünstler Christian Behrens und Thomas Hunsmann völlig ausgebucht war, so dass sie noch notdürftig einen Termin Ende Februar nachlegen mussten. Und auch am Sonntag war die spärlich beleuchtete Dorfkirche voll besetzt. Denn wieder gab es Rotwein und Käsehäppchen gratis, gesammelt wurde dieses Mal für die Kirche selbst. „Sie kann auch mal einen neuen Anstrich gebrauchen, außerdem fällt immer die Heizung aus“, sagte Christian Behrens eingangs seines neuen Programms „Ganz nah dran am Niederrhein“.

Mit guten Freunden musizieren – so hätte man dieses Konzert umschreiben können. Denn die beiden Kleinkünstler hatten sich Verstärkung von Volker Kuinke an den Flöten und Karin Jochums am Cello geholt, die die nachdenklichen, aber auch stimmungsvollen Chansons ihrer neuen CD „Fang dein Glück“ filigran begleiteten. Hier glänzte mal Volker Kuinke, als er ein Solo über Bach ähnliche Fugen auf seiner Sopranflöte legte, die von Thomas Hunsmann am Klavier angestimmt wurden. „Das sind alles Eigenkompositionen und wenn er mal geklaut hat, dann merkt das hoffentlich keiner mehr“, scherzte Christian Behrens über seinen kongenialen Partner Hunsmann, der alle Stücke arrangiert.

Und so entwickelte sich eine Zeitreise am Niederrhein, unterstützt von schönen Dias, die Christian Behrens auf einer Großleinwand zu seinen Texten präsentierte. Immer selbstironisch, mit einem lausbubenhaften Charme fesselte er sein Publikum, und dichtete so manchen Reim auf den Mikrokosmos der niederrheinischen Tier- und Artenvielfalt. Oder schlüpfte wirr in die Rolle des Radioreporters Hillmar von Hönnepel von Radio „O Weh“, der von der Weightwatchers Gruppe Geldern berichtet, als „sie das Café Zur Himmelstorte an der Naschauer Allee betreten, um ihre Diäten zu erhöhen.“

Zeitreise am Niederrhein

Wunderschöne Luftaufnahmen aus einem Gasballon zeigen dabei die Weite des Niederrheins, bis Behrens wieder detailverliebt mit Dias von „flotten Bienen“ und „Knospen, die knospen“ in seinen Mikrokosmos einsteigt, mal blödsinnig kalauert, aber genau so tiefsinnig sein kann. „Es ist Zeit, nicht mit der Zeit zu gehen“, heißt es in einem seiner Chansons oder in einem stürmischen „Vater unser“ ereifert er sich: „Hilf uns, denn wir kriegen das selbst nicht mehr hin.“ So hat das Programm genug Tiefe, dass es auch den Auftritt Behrens als Howard Carpenter verkraften kann – mit blonder Perücke säuselt er mit südafrikanischem Akzent Verse wie: „Isch halt disch fest, isch möschte disch umarmen.“ Kein Wunder, dass es nach dieser Verwandlung „die einzigen blonden Haare auf meinem schwarzen Hemd jemals gewesen sind“ - die Frauen hätten jedenfalls nicht Schlange gestanden.

Insgesamt 5000 Fotos habe Christian Behrens in der näheren Vergangenheit gemacht, aus den Rheinauen mit Blick auf die Dorfkirche im Schnee oder bei schönstem Sonnenschein. „Man muss da einfach nur ein ganzes Jahr sitzen und dann spielen wir mal wieder in der Kirche und Sie kommen alle wieder und hören uns zu“, sagte er abschließend. Gespannt sein darf man, ob es dann die restlichen 4990 Bilder aus dieser Perspektive zu sehen gibt..