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Mit der Zunge zucken ...

27.12.2012 | 22:00 Uhr
Mit der Zunge zucken ...
Klaus Koenen (l) zeigt seinen Schülern René und Sonja die Feinheiten des Klarinettenspiels. Selbstständiges Arbeiten ist dringend erforderlich.Foto: Privat

Junge Musiker der Musikvereinigung Duisburg West lernen das Klarinettenspiel.Bei den Feinheiten muss der Luftstrom stimmen.

Duisburg-Rheinhausen. Der Klang einer Klarinette geht ins Herz. Dieses Instrument kann warm, sanft und sehr tief klingen, aber verfügt auch über schrille, harte und hohe Töne, die einen Zuhörer wachrütteln - oder sogar nerven können. Seit ein paar Jahren hat die Musikvereinigung Duisburg-West, in diesem Jahr Deutscher Meister in der Orchesterklasse, die Klarinette in ihr Instrumentenaufgebot einbezogen - und organisiert auch den Unterricht für Neulinge, die dieses anspruchsvolle Instrument lernen möchten.

Bei einem Unterrichtsbesuch im Kultur und Freizeitzentrum Schwarzenberger Straße erfuhr der Musikfreund, was zu beachten ist: die Klarinette ist ein langes meist schwarzes Rohr mit Klappen, die die durch das Mundstück geblasene Luft in unterschiedlicher Höhe filtern und dadurch Töne bilden.

Töne entstehen durch Hebelöffnung

Unterrichtsleiter Klaus Koenen hat an diesem Nachmittag den neunjährigen René als Schüler im Clubkeller der Musikvereinigung Duisburg-West. Der Junge spielt seit einem Jahr, hat aber schon zwei Jahre Flötenunterricht in der Schule: „Ich kann auch Noten lesen“, erklärt er die Voraussetzung für einen wirkungsvollen Unterricht. Der Unterschied zur Flöte: „Die Klarinette kommt tiefer, sie geht bis zum tiefen e.“ Die Deckel auf der Klarinette haben einen bestimmten Zweck: „Wenn ich die mit dem Hebel öffne und gleichzeitig blase, dann entstehen die Töne. Die sind verschieden. Das kommt auf die Klappen an, die ich drücke.“

Fingertechnik ist neben dem richtigen Ansatz von entscheidender Bedeutung beim Spielen einer Klarinette. Klaus Koenen: „Die Finger müssen immer einen kurzen Weg haben. Dann brauchen sie weniger Kraft und können schneller greifen.“ Ideale Ausgangsposition der leicht gewölbten und dabei dennoch lockeren Finger ist die Position knapp über den Löchern und Klappen des Instruments. Das ist gut vor dem Spiegel zu üben. Koenen: „Fehler bei der Fingertechnik am Anfang sind später nur schwer wieder zu korrigieren.“

Als Lehrer Klaus Koenen merkt, dass René Junge nicht im Takt liegt, weist er ihn darauf hin, wie er solche „Stolpereien“ vermeiden kann: „Die Notenwerte musst du schon zählen.“

Das Üben von Phrasierungen (Betonungen) mal mit, mal ohne Bogen (Zeichen auf dem Notenblatt) spielen, ist ein wichtiger Bestandteil der Stunde. Mal sollen die Töne legato, also gebunden klingen, mal stakkato (abgehackt). Die Betonung entstünde, so der Pädagoge, im Ausdruck des Luftstroms, der in der Mundhöhle erzeugt wird.

Kein Auswendig lernen

Nach ein paar Versuchen spielt René das Stück in einem durch. Die Noten sind für ihn eine flüssige Sprache, die das Spielen erleichtert. Koenen: „Auswendig lernen ist nicht erforderlich, nur Konzentration an den schwierigen Stellen.“ Wichtig: „Bitte die Vorzeichen nicht verwechseln!“ Der Arbeitsweg lautet: lesen, aufpassen, verstehen, spielen.

Testfrage: „Was bedeuten diese doppelten Querstriche auf den längs laufenden Zeichen? René weiß Bescheid: „Das ist ein Kreuz. Bei dem erhöht sich der Ton.“

Lehrer Koenen sagt: „Spielerfahrung kommt vor der Theorie. Rene ist ein Schüler, der Abwechslung braucht. Stundenlang dieselbe Stelle und das gleiche Stück hilft ihm nicht weiter.“

Darum jetzt ein paar Übungen zur Tonbildung: „Bitte schön breit blasen, einen runden Ton bilden.“ Was passiert mit dem Mund bei veränderter Tonmodulation? Zur Erzeugung eines abgehackten Tons muss die Zunge hart anstoßen, dadurch wird der Luftstrom kurz unterbrochen.

Entscheidend ist die Vorbereitung

Die 14-jährige Sonja Wohs spielt seit drei Jahren Klarinette. Sie ist eine fortgeschrittene Schülerin, beherrscht die Spieltechnik gut, weiß. wann sie mit den Lippen Druck ausüben muss. Wenn der Oberton mit schwingt, klingt die Klarinette, als würde in der Luft ein entfernter Ton schweben.

„Entscheidend ist die Vorbereitung zu Hause. Ohne die gibt es kaum Fortschritte in der Spielfähigkeit.“ Die Geschwindigkeit müsse er aber dem Schüler überlassen. „Das selbstständige Arbeiten ist wichtiger Teil beim Spielen lernen eines Instrumentes.“

Ist eine Klarinette Luxus? „Es gibt schon gute für 400 bis 500 Euro. Aber meine hat 4600 Euro gekostet“, erzählt Klaus Koenen. Wichtiges Instrumentenzubehör bilden Mundstück, Blättchen und die Blattschraube. Wenn diese Teile eine hohe Qualität besitzen, lässt sich der Ton verfeinern.

Carl Korte



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