Mit allen Wassern gewaschen

Der Schauspieler Max Tidof hat in seiner Karriere schon fast alles gespielt. Er war in prämierten Kino-Filmen wie „Abgeschminkt“ von Katja von Garnier oder „Comedian Harmonists“ von Joseph Vilsmaier zu sehen und in so mancher Tatort-Produktion. Seine Paraderolle scheint er aber in dem Bühnenstück „Auf und davon“ von Peter Yeldham in der Rheinhausen-Halle gefunden zu haben.

In dieser wirren und schnellen Komödie spielt Tidof den Charlie, einen New Yorker Banker, der anfangs scheinbar auf die Trickbetrügerinnen Elisabeth (Natalie O’Hara) und Josephine (Martina Schrey) hereinfällt, als er sich um einen Scheck über 50.000 Dollar von ihnen prellen lässt. Denn die beiden hübschen Ladys haben es sich zur Aufgabe gemacht, ältere wohlhabende Männer um deren Vermögen zu erleichtern - mit durchtriebenen Geschäften, auch indem sie das Mitleid dieser Männer erwecken mit ihren hanebüchenen Scheidungsgeschichten.

Charlie, selbst mit allen Wassern gewaschen, durchschaut deren falsches Spiel, und angeödet vom langweiligen Alltag seines Bankerdaseins, sucht er lieber mit den beiden Damen den Nervenkitzel: er wird ihr Partner, allerdings zu schlechteren Bedingungen, er bekommt nur 20 Prozent der Beute. Und überall auf der Welt treiben die drei nun ihr Unwesen. Dr. Ackermann, bitte übernehmen Sie!

Besonders überzeugend ist Tidof als er in die Rolle des Schweizer Bankers, Dr. Struwe, schlüpft: Im Rollstuhl sitzend mit aufgesetzter Perücke und Schwyzer Akzent fädelt er möglichst unverdächtig ein Geschäft mit einem Londoner Parlamentarier ein, in dem es um Bohrungen nach Gas im Ärmelkanal geht. Er ruft bei seinem Vorgesetzten in der Schweiz an, um sich als abschlussberechtigt für den Deal autorisieren zu lassen mit den Worten: „Verbinden Sie mich bitte mit Doktor Josef Ackermann!“ Da lachen etwa 700 Zuschauer in der Rheinhausen-Halle laut auf. Und in einem Koffer verpackt wechseln 150.000 britische Pfund ihren Besitzer, die der vermeintliche Dr. Struwe vorgibt, in der Schweiz auf ein Konto einzuzahlen.

Die Geschäfte laufen gut

Die Geschäfte laufen also gut, das Problem ist nur: Elisabeth und Josephine verlieben sich in Charlie, und verbringen jeweils eine Nacht mit ihm im Londoner Hotelzimmer, ohne voneinander zu wissen. Irgendwann merken sie, dass Charlie noch gewiefter ist als sie und beide gegeneinander ausspielt. So machen sich die beiden ausgebufften Damen erneut „Auf und davon“: Nach New York und London folgt jetzt Tokio. Doch auch da spürt Charlie die beiden auf und spielt in bester Peter Falk-Manier einen Colombo artigen Inspektor, der die beiden scheinbar zurück nach England überführen will, um sie vor dem Zugriff der Tokioter Polizei zu retten, die natürlich auch schon Wind von den Betrügereien der beiden Damen bekommen hat.

Eine schweißtreibende Komödie, irgendwo zwischen dem Road-Movie „Thelma und Louise“ und „Colombo“, die von der Wandlungsfähigkeit Max Tidofs und der Spontanität der Akteure lebt. Langer Beifall von den 700 Zuschauern...