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Medienschelte und Geschlossenheit bei West-Liberalen

21.01.2013 | 22:00 Uhr

Rösler-Rücktrittsangebot trotz Wahlerfolg in Niedersachsen - was sagt die FDP-Basis im Duisburger Westen?

Duisburg-West. Wechselbad der Gefühle bei der FDP: Erst holte die totgesagte Partei bei der Niedersachsen-Wahl fast zehn Prozent, dennoch bot der angeschlagene Vorsitzende Phillip Rösler gestern früh seinen Rücktritt an. Der Baden-Württemberger Rainer Brüderle sollte stattdessen ans Ruder. Kurze Zeit später hatte man sich aber geeinigt: Rösler bleibt vorerst Parteichef, Brüderle wird Spitzenkandidat für die Bundestagswahl im Herbst. Wir wollten wissen, was die Parteibasis in Rheinhausen und Homberg von den Querelen an der Spitze der Bundespartei hält.

Für Thomas Wolters, Vorsitzender und Bezirksvertreter der Liberalen in Rheinhausen, war Röslers Rücktrittsangebot „keine Überraschung. Er ist nicht gewollt, kommt in der Bevölkerung und den Medien nicht an.“ Was aber nicht an seiner Arbeit liege: „Ich hätte mir, nicht erst bei Rösler, sondern schon bei Westerwelle, gewünscht, dass die Partei mehr hinter dem Vorsitzenden steht - gerade wenn die Presse sich auf ihn einschießt, und unabhängig davon, was ich selber von ihnen halte.“ Seiner Meinung nach gibt es in „den Medien“ ein „bewusst konstruiertes FDP-Bashing“, von dem sich „leider auch die Mitglieder beeinflussen lassen“.

In Rheinhausen nicht gut aufgestellt

Andere Stimmen von der Rheinhauser Parteibasis als die des in Duisburg-Mitte lebenden und dort als Ratsfraktions-Geschäftsführer seiner Partei arbeitenden Wolters waren nicht zu bekommen: „Wir sind in diesem Ortsteil nicht besonders gut aufgestellt“, räumt der Ortsverbands-Chef ein.

Sein Vorgänger, der Ende der 90-er von der SPD zu den (damals in Rheinhausen quasi nicht existenten) Liberalen gewechselte, mittlerweile auch dort wieder ausgetretene und jetzt bei der Wählergemeinschaft „Bürgerlich-Liberale“ aktive Karsten Vüllings, ist im Gegensatz zu Wolters sehr wohl überrascht - sowohl vom Wahlergebnis als auch von Röslers Rücktrittsangebot. Tränen hätte er ihm allerdings nicht nachgeweint: „Früher war die FDP dominiert von Persönlichkeiten wie Mischnick, Genscher und Scheel - und dann kamen Westerwelle und jetzt Rösler...“ Das könne mit Brüderle nur besser werden. „Der stellt wenigstens was dar.“

„Kontraproduktiv“

Rösler oder Brüderle - dazu hat auch der Baerler Thomas Rangs, für die FDP in der Bezirksvertretung Homberg/Ruhrort/Baerl aktiv, eine Meinung. Aber: „Die ist privat, an einer öffentlichen Personaldiskussion werde ich mich nicht beteiligen. Es gab schon genug Druck von außen, vor allem über die Medien“ Die sei schon in den vergangenen Wochen kontraproduktiv gewesen und „hat bestimmt nicht zur Motivation beigetragen.“

Jörg Löbe, ebenfalls aus Baerl, bis 2009 Ratsherr und im kommenden Bundestags-Wahlkampf zum FDP-Kandidaten bestimmt, fand Röslers Schritt „taktisch geschickt“. „Den Parteitag vorzuziehen, war richtig, denn der ursprüngliche Termin im Mai war zu kurz vor der Bundestagswahl. Wenn man mit Neuwahlen noch etwas bewegen will, muss man das jetzt machen.“ Zur Personalie meint er: „Von mir aus kann Rösler weiter machen. Brüderle kann manche Themen etwas medienwirksamer vertreten, aber fachlich sind beide gut.“

von Matthias Oelkrug



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