Matt Epp spielte richtig gute Songs

Der Mann hätte die große Wiesenbühne beim Folkfestival in Bergheim rocken können. Doch leider gab es Terminprobleme für den kanadischen Sänger Matt Epp, der an dem Tag des Festivals irgendwo in Norddeutschland gebucht ist. Dafür kam er im Rahmen der Folkfestspiele in den kleinen, aber feinen Tempel-Keller, das erste Mal mit seiner Haus- und Hofband „The Amorian Assembly“. Seit etwa sechs Jahren spielt er mit dieser Formation auf Festivals oder Gigs zusammen, dann, wenn sein eigentlich handgemachtes Singer-Songwriting rockiger klingen soll. Mit einem Daniel Lanois-Shirt betritt Matt Epp die Bühne und im Stil des großen kanadischen Produzenten, der auch für das Erfolgsalbum „The Joshua Tree“ von U2 verantwortlich zeichnet und selbst einige hochkarätige Alben in den 90ern aufgenommen hat, lässt er dann die ersten Akkorde auf seiner Gretsch so sphärisch schallen, als transformiere er die ganze räumliche Weite Kanadas in sie hinein. Nachdem die junge Sängerin Chantel Emond, der Folk-Rock-Formation „French Press“ mit drei Akustik-Versionen ihrer Songs vom Album „Under the Gun“ eröffnet hat, übernimmt sie die Backing-Vocals.

Wunderschöne Harmonien

Und wunderschöne Harmonien entstehen auch im Chorgesang mit Drummer Evan Burke, so in der Up-Tempo-Nummer „Put the last thing first, put it back“, während die Adlerfeder an Epps Gitarrenhals dazu im Takt wedelt. Richtig gutes Songmaterial seines neuen Albums „Luma“ hat der Outback-Rocker, der zeitweise in Lederfransenjacke da steht, im Köcher. Von der Farbenblindheit eines Jungen handelt der Song „Metal Bird“, der den Himmel in Grün schaut. Bei „Promised Land“ dreht Matt Epp an allen Effektgeräten, wedelt mit seiner Gretsch vor dem Verstärker herum, um die Resonanzschwingung zu erwischen – ein Ritual, das bei Neil Young bis zu einer Viertelstunde dauern kann, Matt Epp das Spiel mit dem Rückkopplungseffekt aber auf zwei Minuten reduziert. In einem weiteren neuen Song „Birch to Birch“ besingt er die mögliche Orientierung über Bäume, wenn man verloren in der kanadischen Weite ist. Mal fährt er fetzige Licks in „Ready in time“ auf, die an die frühen The Cult erinnern, mal klingen die Gitarren wie von Daniel Lanois abgemischt, am Schluss liefert er ein Best-of seiner frühen Songs und die etwa 100 Zuschauer singen jeden einzelnen Titel begeistert mit, weil die Melodien die Gäste berühren: Über „This old House“, „On my way“, „Never have I loved like this“. Dann johlt er mit seinem rauchigen Timbre ins Publikum: „Und jetzt müsst ihr alle mitsingen!“ - und „Met someone, met someone“ tönt der ungeplante Chor ihm entgegen, der die Harmonien der Musiker geschickt aufnimmt.