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Kultur-Pause an der Händelstraße

14.12.2012 | 17:27 Uhr
Kultur-Pause an der Händelstraße
Verabschiedung des ehemaligen Büchereileiters Wolfgang Eiler im Restaurant Kupferkanne.Foto: Lars Fröhlich

Letzte Veranstaltung unter Bibliotheksleiter Wolfgang Eilers. Die Zukunft ist offen.

Duisburg-Rheinhausen. Mit der besinnlichen Adventslesung von Ursula Jung endete (vorerst) die Kultur-Hochzeit unter der Leitung von Bibliothekar Wolfgang Eilers. Der 63-jährige zieht sich nach fast 33 Jahren beruflicher Tätigkeit in den Ruhestand zurück. Eilers prägte in den 17 Jahren in der Bezirksbücherei Rheinhausen das kulturelle Leben der Region: Hofkonzerte, Lesungen und in den ersten Jahren auch Ausstellungen prägten das Außenbild dieser städtischen Einrichtung unter Liebhabern von Musik, Literatur und Kunst. Der hat er durch die Einrichtung des Kunstkabinetts im großen Lesesaal zu vermehrter Aufmerksamkeit auf zusätzlicher (wenn auch kleiner) Fläche verholfen.

Der Leser bucht selbst

Aber auch strukturelle Veränderungen im Umgang mit den Kunden gelangen ihm. So wagte er in Rheinhausen das Modell der Leser-Selbstverbuchung, bei dem Ein- und Ausgabe der Medien, ob Buch, CD oder DVD, vom Nutzer selbst am digitalen Leseschalter per Ausweis- und Medienvorlage elektronisch verbucht werden. „Das System wurde von den Bezirksbüchereien erfolgreich übernommen.“ Gereizt habe ihn vor Beginn seiner Tätigkeit die räumlichen Möglichkeiten mit Trennung der Kinder- und Erwachsenenbücherei sowie der Galerie mit Ausstellungsfläche. Außerdem befindet sich im Obergeschoss noch ein Raum, der von Gruppen und Kindertheatern genutzt wird.

Im großen Lesesaal, der auch eine modernes Schülercenter enthält, ließ Eilers Mitte des letzten Jahrzehnts Rollen unter alle Regale anbringen, um die Funktion des Raums zu erweitern: für Lesungen und Konzerte. Das wurde auch bei den wegen Regens nach innen verlegten Hofkonzerte häufig genutzt.

Diese Musikveranstaltungen, in den 1970er Jahren des letzten Jahrhunderts von Vorgängern Eilers’ eingerichtet, hat er 170 mal durchgeführt. „Insgesamt gab es bis 2012 270 Hofkonzerte.“ An die Gitarristen Rafael Cortez (Flamenco) und Josho Stefan (Gipsy-Swing) erinnert sich Eilers als eine Art Wegbereiter gerne: „Die haben bei uns schon vor ihrer großen Karriere gespielt.“

„Mit den Lesungen, Konzerten und Kabarettabenden habe ich rund 500 Veranstaltungen durchgeführt“, zieht Eilers Bilanz. Von den Mitarbeitern der Hofkonzerte verabschiedete er sich mit einem gemeinsamen Essen. Als Dankeschön erhielt er Karten für einen Theaterbesuch.

Die schon traditionelle Adventslesung mit der Rheinhauser Literatursäule Ursula Jung sieht Eilers auch passend zu seinem Konzept, Senioren mit gezielten Veranstaltungen zu Büchereibesuchen zu veranlassen. Auch die vorabendliche Anfangszeit solcher kulturellen Ereignisse (17 Uhr) ziehe oft mehr als 50 Senioren an.

Bei Kaffee und Kuchen

Bewundernswert ist auch das unermüdliche Bemühen der mittlerweile 86-jährigen in Rheinhausen lebenden pensionierten früheren Bibliothekarin und Schauspielerin Ursula Jung. Sie gestaltete die diesjährige Lesung in weihnachtlicher Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen mit Geschichten über den im menschlichen Charakter angelegten guten Willen, der aber auch einer Förderung bedürfe. Wie in der Geschichte über den 14-jährigen Konfirmanden Reinhard, dessen Pfarrer Nächstenliebe erklärte, worauf der Junge sich um eine erkrankte alte Hausbewohnerin kümmerte.

Die Nachfolge für Wolfgang Eilers ist unklar, deshalb steht auch die Kultur in den Sternen. Die Fortsetzung der Hofkonzerte könnte auch an den Kosten für Sicherheitsauflagen scheitern.

Carl Korte

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