Künstler fragen nach letzten Dingen

„Wechselwirkung“ - der Titel ist Programm. In ihrer Ausstellung, zu der Luis J. Soltmann bearbeitete Fotos, Dusan Senkerik farbige Zeichnungen und Thomas Maier Wortkunst zusammengefügt haben, treten die drei Künstler in einen Dialog, der zwischen ihren so unterschiedlichen Werken Wechselwirkungen auslöst. Aber wie alle Kunstschaffenden, wollen auch der gebürtige Rheinhauser Luis J. Soltmann (67), der gebürtige Tscheche Dusan Senkerik (68) und der Klever Thomas Maier auch Wechselwirkungen zwischen künstlerischer Intention und Rezeption des Betrachters erzeugen.

Damit das gelingt, muss man Zeit mitbringen, die Werke mit Muße betrachten. Dusan Senkerik zeigt handwerklich brillant gezeichnete farbige Bilder, die von Veränderung, Vergänglichkeit und Tod erzählen - Fischgräten auf Tellern, ein geschlachtetes Zicklein, ein roter aufgeschnittener Thunfisch oder eine blühende Blume, die mit einer verdorrten Blüte korrespondiert. Senkerik, der Soltmann vor mehr als 30 Jahren auf Lanzarote kennen lernte, lebt heute auf Fuerteventura. Die Vorliebe des begeisterten Kochs Senkerik für kulinarische Motive ist nicht zu übersehen. Luis J. Soltmann ist dort sein Nachbar, man trifft und unterhält und inspiriert sich. Dabei hat Soltmann aber einen anderen Ansatz, formal und inhaltlich. Der Fotograf versucht mit Foto- und Filmsequenzen Antworten auf die Frage zu finden: „Was ist Energie?“ Soltmann setzt sich in seinen stark bearbeiteten Farbfotos mit der Teilchen- und Astrophysik, der Materie und der Unendlichkeit des Universums auseinander. veränderte sich seine Realitätsbetrachtung hin zu einem Blick auf die immaterielle Basis. Soltmanns Bruder Bernd, ein US-deutscher Physiker, ergänzt seine Reflexionen in der Ausstellung mit selbst gebauten Geräten.

Schließlich kommentiert Literaturwissenschaftler Thomas Maier die Bilderwelten und Positionen von Senkerik und Soltmann mit feinsinnigen Aphorismen und Statements, philosophischen, aber oft humorvollen Texten. Am Ende ergänzen sich die unterschiedlichen Sichtweisen der drei Künstler auf die Welt. Letztlich stellen alle die Fragen nach den letzten Dingen, dem Sinn des Seins, dem Ursprung und der Endlichkeit des Lebens, der Unendlichkeit des Alls. Ein sehenswertes Experiment.