Wilde Dichter tummelten sich im Stadtwald
Blick nach Krefeld: Hunderte ließen sich im Biergarten von skurrilen Anekdoten und Brachial-Lyrik mitreißen
„Ihr wisst, was Euch erwartet?” Nicht alle Besucher des bestens gefüllten Biergartens im Krefelder Stadtwald konnten am Mittwoch die Frage von Moderatorin Hatice Gönüleri nickend beantworten. Ein „Poetry Slam” ist halt nicht alltäglich. Junge Dichter treten in diesen Wettkämpfen an, tragen in einem vorbestimmten Zeitrahmen - hier sechs Minuten - ihre Texte vor und werden von einer Jury benotet. Auch der Vortrag fließt in die Wertung ein. Entsprechend wild und ausdrucksstark gehen die „Slammer” zu Werke. Deren bessere Hälfte tritt in einer Zwischenrunde erneut gegeneinander an, bis schließlich im K.o.-System ein Sieger feststeht.
Sieger im K.o.-System
Eine solcher Dichterwettstreit steigt jeden letzten Sonntag im Monat in der von den Rheinhausern Marcus Lenzen und Hans-Peter Juran - vielen noch aus der „Dorfschenke” bekannt - geführten Krefelder Kneipe „Jules Papp”. Und im Sommer geht der „Papp'ala'Papp Poetry Slam” vor die Tür. Letztes Jahr stand die Freiluft-Bühne am Ostwall; dieses Mal konnten Lenzen und Juran Stadtwaldhaus-Chef Helmut Lang erstmals dafür gewinnen, die Konzertbühne im malerischen Stadtwald-Biergarten zur Poesie-Arena zu erklären.
Zu diesem Saison-Highlight konnten die Veranstalter ein respektables Teilnehmerfeld aufbieten: den Paderborner Sulaiman Masomi etwa, oder den abgedrehten Düsseldorfer Brachial-Lyriker „Sushi” mit einem Freestyle-Vortrag.
Teilnehmer aus ganz NRW
Der aus dem TV bekannte Münsteraner Andy Strauß mit abdriftenden Alltagsgedanken war dabei, der für das Satire-Magazin „Pardon” schreibenden Torsten Sträter aus Dortmund, mit 42 der Senior im Feld, aber unter den „jungen Wilden” keineswegs fehl am Platz, sowie Patrick Roßkothen aus Moers. Im Finale setzte sich übrigens Sträter knapp gegen Strauß durch - was fast schon Nebensache war, den alle Slammer hatten auf hohem Niveau performt und das Publikum entsprechend mitgerissen.
Und nicht nur das Publikum: Noch am selben Abend beschlossen Lange und die Papp'ler, dass es 2010 wieder einen Open-Air-Slam im Stadtwald geben wird. Auf den nächsten „regulären” Slam im Papp müssen die Fans nicht ganz so lange, wegen der Ferienzeit aber doch bis zum 27. September warten. mao














