Jetzt ist alles vorbei
21.02.2012 | 18:32 Uhr 2012-02-21T18:32:00+0100
Duisburg-West. Abschluss der jecken Session. Narren aus der alten Grafschaft Moers blicken zurück. Erfreut, es gibt aber auch Sorgen.
Die närrische Jahreszeit ist vorüber. Hoppeditz, Galionsfigur und Unruhestifter der Jecken, ist tot. Heute, am Aschermittwoch, ist der Augenblick, Bilanz zu ziehen über Kamelle, Raketen und Pappnasen. Die Karnevalsvereine im Duisburger Westen sind zum großen Teil zufrieden, aber es gibt auch Sorgen.
So befürchtet Horst Schmitz, singender Präsident der KG Blau-Silber, ein Ausbluten seiner Gesellschaften durch mangelnde Einnahmen. Im 55. Jahr des Bestehens musste ihre Herrensitzung erstmals seit Jahren aus ordnungstechnischen Gründen von der Aula des Rumelner Schulzentrums in die Rheinhausen-Halle verlegen. „Die Sitzung war ein Erfolg, aber uns fehlen die Einnahmen aus dem Verzehr. In Rumeln haben wir Bier und Frikadellen verkauft und Gewinn erzielt, um unsere anderen Veranstaltungen zu finanzieren!“ Einem dauerhaften Wechsel der Herrensitzung sieht Schmitz mit Bedenken entgegen.
Auch Ursula Schewe, Präsidentin der KG Grafschafter Funken Rot-Weiß Moers, hatte Probleme mit ihrer Herrensitzung. Es hätte die erste ihres Vereins sein sollen, nachdem schon seit zehn Jahren die Damensitzungen der „Funken“ ausverkauft sind. „Wir mussten aber leider die Herrensitzung mangels Kartennachfrage vier Wochen vor dem Termin absagen!“ Ein dreiviertel Jahr Arbeit war für die Katz! Aber: „Wir fanden bei den Künstlern Verständnis und erlitten keine finanziellen Einbußen.“ Beim Mitgliederbestand machten die Grafschafter Funken in den letzten anderthalb Jahren große Fortschritte: „Wir haben 25 neue Mitglieder, insgesamt schon 60.“
Die Beweglichkeit der Gesellschaft hat sich erhöht: „Wir haben einen alten Wagen aus Orsoy zurückgekauft und einen noch dazu geliehen. Deshalb konnten wir beim Nelkensamstagzug einen Senats- und einen Gesellschaftszug aufbieten!“ Einen neuen Farbtupfer bringt die zwölfjährige Sofie Lenz in den Verein: „Sie ist unser Solomariechen. Aber eine Tanzgarde wollen wir nicht wieder aufbauen!“ Eigengewächse auch im Sitzungskarneval: Das Gesangs- und Pointenduo ,Der Dicke und der Spanier’ alias Manuel Rodan und Sascha Hobirk kommt gut bei den Jecken an.
Erich Raszat, Präsident bei Rot-Weiß Rheinhausen, freut sich über den guten Sessionsverlauf. „Wir haben wieder Zulauf. Es gibt fünf neue Kandidaten für die Senatorenwürde.“ Narren wissen: Das bringt Geld in die Kasse. Einige leere Plätze beim Kappenball der Rot-Weißen erklärt Raszat so: „Wir haben gar nicht alle Karten verkauft, weil unsere aktiven Mitglieder während der Veranstaltung auch mal eine Verschnaufpause einlegen und einen Sitzplatz zur Verfügung haben sollten.“ Dafür war die Damensitzung in der Rheinhausen-Halle wieder rappelvoll.
Einschränken musste sich der Verein bei der Teilnahme an Umzügen: „Wir sind in Duisburg nicht mitgezogen - aus Kostengründen. Jeder auf unserem Wagen muss nämlich sein Wurfmaterial selbst bezahlen. Ich allein habe schon 250 Euro dafür ausgegeben!“ In Zukunft will die Gesellschaft sich wechselweise an den Zügen in Duisburg und Moers beteiligen. Die Idee, den Rosenmontag auf Rheinhauser Straßen zu beleben, findet Raszat gut, aber kaum zu realisieren: „Das ist wie gewollt und nicht gekonnt! Das kostet nämlich alles Geld. Und jede Menge Mitglieder müssen das organisieren und mitmachen. Unser Verein könnte das heute gar nicht leisten!“
„Mercatorschiff“für 4000 Euro
An gleich drei Zügen, mehr ging nicht, nahm die KG Narrenzunft Homberg mit ihrem Mercatorschiff (Baukosten rund 4000 Euro) teil. Pressesprecher Manfred Dürig: „Wir haben unser 55jähriges Jubiläum gefeiert und sind sehr zufrieden. Die Herren- und Damensitzung in der Glückauf-Halle waren mit je 600 Besuchern stark besucht.“ Die Tanzgarden der Narrenzunft waren laut Dürig mit über 30 Auftritten ausgebucht. Den Sessionsabschluss gestaltete gestern Abend Paul Rapp als Hoppeditz bei seiner eigenen Beerdigung im Vereinslokal. Rapp lobte die Freuden der Narretei - und wurde als Dank dafür verbrannt in Form einer Strohpuppe. Am 11. im 11. wird er wieder aufgeweckt - für neue Streiche.
16:31
entlich,Karnerval auf die Strassen rumschreien,wenn vorbei kennt dich der Nachbar nicht mehr