Internet-Versand verdrängt Handel
29.07.2009 | 18:15 Uhr 2009-07-29T18:15:00+0200Rheinhausen. Bundesweiter Trend - das Ausbluten der Zentren liegt nicht an der schwindenden Kaufkraft in den Ortsteilen.
Leerstände, Billigläden, Ketten: Warum hat sich der Einzelhandel in Rheinhausen im Laufe der Jahrzehnte derart verändert? Was hat die Inhaber der Fachgeschäfte zur Aufgabe gezwungen? Richtet sich die Entwicklung alleine nur nach Angebot und Nachfrage? Ist die Kaufkraft tatsächlich so stark gesunken, dass ein Fachhändler nicht mehr überleben kann? Geht heute nur noch billig? Einige dieser Fragen lassen sich mit dem Blick auf die Statistik beantworten. „Dabei wird deutlich, dass es die Probleme längst nicht nur in Rheinhausen gibt, vielmehr folgen sie auch der bundesweiten Entwicklung”, sagt Wilhelm Bommann, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Niederrhein.
Schlechte Zahlen für Fachgeschäfte
Zunächst lässt sich aber ein Punkt ganz konkret für Rheinhausen beantworten: An der schwächelnden Kaufkraft in den Ortsteilen liegt es nicht.
In regelmäßigen Abständen erhebt der Einzelhandelsverband Niederrhein die Kaufkraftkennziffern für den Duisburger Westen und kann diese für jedes Postleitzahlen-Gebiet angeben. Die Zahlen belegen, dass sich die Ortsteile kaum vom Bundesdurchschnitt abheben. In Hochemmerich, Friemersheim und Homberg liegen sie nahe am Bundesschnitt, in Rumeln, Bergheim und Baerl sogar deutlich darüber. Und: Auch im Stadtvergleich schneiden die linksrheinischen Ortsteile nicht schlechter ab.
Das Problem: Zwar steht der Duisburger Westen nicht schlechter da als die meisten anderen Kommunen und Stadtteile in der Republik. Jedoch geht dem Einzelhandel in Deutschland insgesamt seit Jahren Kaufkraft verloren. So gaben die Bundesbürger laut Bundesamt für Statistik im Jahr 1991 noch 40,6 Prozent ihres verfügbaren Einkommens im Einzelhandel aus. 1998 waren es nur noch 31,7 Prozent, Ende 2007 sogar nur noch 26,6 Prozent.
Mit Einzelhandel ist aber nicht nur das inhabergeführte Fachgeschäft gemeint, das früher die Rheinhauser Straßen dominierte. Der machte von dem oben beschriebenen Umsatz 1980 immerhin noch 55 Prozent aus. Doch auch hier haben sich die Zeiten deutlich geändert. Nach Studien des Deutschen Einzelhandels lag der Umsatzanteil der Fachgeschäfte 1995 nur noch bei 35 Prozent, für das kommende Jahr rechnet der Verband mit einem weiteren Rückgang auf 25 Prozent. Wer die Fachhändler verdrängt, das sind bekanntlich die Fachgeschäfte der modernen Art wie Elektronik-Großmärkte auf tausenden Quadratmetern und Ketten wie Drogeriemärkte, Schuh- oder Bekleidungsfilialisten, gegen deren Millionen-Umsätze und günstigere Einkaufspreise der alteingesessene Familienbetrieb um die Ecke nicht bestehen kann.
Zudem hat letztlich auch das Internet das Konsumverhalten geändert. Der Online-Handel ist ein Milliardengeschäft mit jährlichen Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent. Nach einer Studie von TNS-Infratest machen zwar Versandhändler, die ihre Waren per Katalog und im Internet anbieten, derzeit noch den meisten Umsatz. Das größte Wachstum verzeichneten aber die reinen Internetversender.
Und auch die aktuellsten Zahlen geben der Branche wenig Hoffnung: Für die erste Jahreshälfte 2009 hat das Landesamt für Daten und Statisik im Vergleich zum Vorjahresergebnis einen Umsatzrückgang um 3,3 Prozent im Einzelhandel ermittelt.
Auswirkungen des Kaufverhaltens
Fazit: So sehr man auch den Niedergang des mit Fachgeschäften geprägten Einzelhandels bedauert, so sehr hat jedoch auch jeder Einzelne mit seinem Kaufverhalten zu der Misere und den geänderten Strukturen beigetragen.
10:51
Der Online Handel legt in diesem Jahr um 15% zu. Der niedergelassene Einzelhandel hat sich neuen Techniken gegenüber viel zu lang zurückgehalten. Der Handel sollte sich in die Richtung bewegen in die die Kunden sich bewegen und das ist zunehmend online.
21:25
Ich habe Herrn Bomann immer als eine Säule des Einzelhandelsverbands erlebt.
Beständig, zuverlässig und versiert.
Aber ich habe auch erlebt, dass er aus verbandspolitischen Gründen daneben lag oder daneben liegen musste.
Zum Beispiel beim Thema Homberger Straße in Moers im Jahre 1998.
Dieselbe Situation haben wir heute.
Konsumenten aus Baerl - Homberg - Rumeln - Kaldenhausen - verfügen über eine Kaufkraft, die deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt.
Die kaufen nur bedingt im Internet. Die kaufen da, wo ihnen Charismating als Wertschätzung entgegen gebracht wird:
In Kevelear, in Xanten, in Kalkar, in Moers, in Kempen........
Dort gibt es voll funktionierende Einzelhandelsstrukturen und Stadtparlamente, die den Wert einer ausgewogenen inhabergeführten Kaufmannschaft zu schätzen und zu fördern wissen.
Davon kann man weder in Duisburg noch in Rheinhausen wirklich ausgehen. Ich empfehle Herrn Bomann und dem Redakteur mal einen unverbindlichen Bummel (kann auch ohne Einkauf sein), man kann da auch nur einfach in einem der fast schon mediterran anmutenden Straßen-Cafés sitzen und die Atmosphäre auf sich wirken lassen.