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Husten, Japsen und dann der Tod

31.05.2012 | 11:00 Uhr
Husten, Japsen und dann der Tod
Chefarzt Dr. Christoph Tannhof misst im Rheinhauser Johanniter-Krankenhaus gerade das Lungenvolumen einer Mitarbeiterin. Foto: Tanja Pickartz

Duisburg-West.   Dr. Christoph Tannhof stellte sich anlässlich des Weltnichtrauchertages am Telefon den Fragen unserer Leser.

Zugegeben, ganz zufällig war es nicht, dass Dr. Christoph Tannhof am 30. Mai der Experte für das NRZ/WAZ-Lesertelefon war. Schließlich ist heute der Weltnichtrauchertag und Tannhof weiß als Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Schlafmedizin, dass für Lungen- und Herzkreislauferkrankungen fast immer Rauchen die Ursache ist. „Fünf Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen des Rauchens, 140 000 davon in Deutschland“, sagt der Chefarzt der Medizinischen Klinik III des Johanniter-Krankenhauses, in der auch die Lungenheilkunde angesiedelt ist, die er vor rund einem Jahr aufbaute.

Als die Leser bei ihm anriefen, um sich beraten zu lassen, lautete seine Antwort allerdings nicht: „Hören sie auf zu rauchen!“, denn die Leute würden diesen Rat nicht befolgen, meint er. „Rauchen ist eine Suchtkrankheit und Nikotin hat ein ebenso hohes Suchtpotenzial wie Heroin.“ Da spricht er aus eigener Erfahrung, denn als Teenager inhalierte er erstmals den blauen Dunst und rauchte dann zehn Jahre lang 60 Zigaretten am Tag. Heute, mit 51 Jahren, ist der Familienvater froh, den Glimmstängeln abgeschworen zu haben und dass auch seine Ehefrau und drei Kinder ohne Nikotin leben.

Einen ganzen Faktenkatalog zum Thema kann Tannhof auswendig, zum Beispiel: 60 Prozent aller deutschen Haushalte sind nicht rauchfrei, ein Viertel aller Deutschen rauchen heutzutage, davon die meisten aus sozial schwächeren Schichten. Von tausend Rauchern sterben statistisch einer durch Mord, einer durch einen Verkehrsunfall und 250 an den Folgen ihrer Sucht.

Keine therapeutische Empfehlung

Für die Zeitungsleser, die ihn auf dem Expertentelefon anriefen, hatte er jedoch keine Zahlen parat, sondern gute Ratschläge. Manchmal litt er sogar mit, wenn er Krankengeschichten hörte, doch helfen konnte er immer. Therapeutische Empfehlungen mochte und durfte er zwar ohne eine Diagnose nicht geben, vor allem nicht am Telefon, doch konnte er immer sagen, wen seine Gesprächspartner aufsuchen sollten, damit ihnen geholfen wird – das ist manchmal auch ein Psychologe, denn „Asthma und die Psyche haben ganz viel miteinander zu tun: Luftnot macht Angst und Angst macht Luftnot.“

Nach den anderthalb Stunden, die der Arzt am Expertentelefon saß, zog Tannhof ein positives Resümee: „Es haben Menschen mit vielen verschiedenen Erkrankungen angerufen, mit Lungenentzündung, Asthma, einer Lungenembolie und mit Brustkrebs.“ Aufgrund des Erfolges soll es weitere telefonische Beratungen geben.

Der Weltnichtrauchertag findet alljährlich am 31. Mai statt

Vor 25 Jahren wurde er von der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Das diesjährige Motto des Tages lautet „Lass Dich nicht einwickeln“.

Es lohnt sich, auch an anderen Tagen über den Verzicht auf Nikotin nachzudenken, denn Rauchen, so nicht nur Tannhof, verringert die Lebenserwartung.

Oliver Kühn



Kommentare
01.06.2012
22:21
Husten, Japsen und dann der Tod
von hutterp | #1

Würden sich die Herrschaften mit derselben Verve um die soziale Situation der Menschen kümmern, wie sie sich angeblich um die Gesundheit der Menschen Sorgen machen, ach , wie schön wäre das.
Aber das ist nur ein Traum.

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