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Hüsch und die Verwandten

14.06.2014 | 00:23 Uhr
Hüsch und die Verwandten

Hanns Dieter Hüsch schrieb einmal in seinem Bildband „Zuhause“ über den alten Friemersheimer Dorfkern: „Du kannst von der Kneipe in die Kirche gehen und von der Kirche auf die Schicht und umgekehrt – was Stahlarbeiter dulden sieht man nicht. Das Pferd auf seiner Wiese hat’s gut. Es sitzt nicht in der Kreide, es ist nicht arbeitslos und wiehert zur Geschichte seinen Reim – in Friemersheim.“

Das Lehrerhaus jedenfalls drohte aus allen Nähten zu platzen, Günter Pfeiffer vom Verein Lebendige Grafschaft holte noch mehr Stühle für die knapp 80 Besucher herbei: Der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch zieht noch immer, auch wenn er nur in Form des Rezitators Joachim Henn in der Kulturstätte lebendig gemacht wurde. Schließlich hätte der Verein dem verstorbenen Moerser Ehrenbürger 2001 fast noch die Auszeichnung „Friemersheimer Hahn“ verliehen. „Da war Hüsch aber schon schwer krank“, sagte Pfeiffer und somit wurde daraus nichts.

Der Rezitator aber machte seine Sache gut. „Ich kenne die Eigenheiten des Niederrheiners, habe schließlich selbst einmal in Hochemmerich gelebt“, gesteht Joachim Henn, der in Duisburg Anglistik und Germanistik studierte. Die muss man auch nachvollziehen können, sonst wird es schwierig, den vielleicht größten niederrheinischen Kabarettisten glaubwürdig zu interpretieren.

„Tach zusammen“, sagte denn auch Henn eingangs seines Programms „Hüsch & die Verwandten“ und streifte dann die Banalitäten, mit denen sich der „Niederrheiner schlechthin“ täglich beschäftigt: „Sachma, obwohl et nachdenken heißt, isset doch manchmal besser im voraus zu denken?“ Er ging auf die in dieser Region typischen „Wie“-Fragen in einem witzigen Dialog unter zwei Einheimischen ein. „Wie, du hast nen Unfall gehabt? Wie, die Kette ist gerissen?“ Ein Ende dieser Gedanken-Kette war nicht absehbar, aber die Zuhörer lachten mehrfach beherzt auf.

Nachdenklicher stimmte Henn sein Publikum, als er über Hüschs Kunstfigur ‚Ditz Atrops’ philosophierte: „Der Kerl hätte Papst werden können, bei uns inne Kirche hat er schließlich als Messdiener dat Amt vonne Pike auf gelernt! Blitzgescheit isser, hat ja Abitur!“

Die 80 Zuhörer fühlten sich gut unterhalten, in der Pause mit Wein verköstigt – und neben dem Weingeist, schwebte auch der Geist eines großen Dichters dieser Region in den Köpfen, sehr gut dargeboten von Rezitator Joachim Henn.

Stephan Sadowski

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2014-06-14 00:23
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