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Hindernisse, Puppen, Flossen

20.05.2012 | 17:05 Uhr
Hindernisse, Puppen, Flossen
/ WAZ FotoPool

Homberger Rettungsschwimmerinnen sind Deutsche Seniorenmeisterinnen.

Mit kräftigen Armzügen bewegen sie sich durch die Bahnen des Homberger Kombibads, ein kurzes Abtauchen, ein kraftvoller Beinschlag und schon haben sie das Hindernis hinter sich gelassen.

Wenn sie im Wasser sind, sind die fünf Schwimmerinnen ganz in ihrem Element. Iris Berr, Sabine Fenyk-Köster, Andrea Löffel, Gudrun Rauch und Sabrina Welters sind frisch gekürte Deutsche Seniorenmeisterinnen im Rettungsschwimmen.

Technisch anspruchsvoll

Das ist nicht der erste Titel, den die Athletinnen für die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft erringen. „Homberg schwimmt seit etlichen Jahrzehnten im Wettkampfsport vorne mit“, sagt Andrea Löffel. „In den 70er und 80er Jahren hatten wir sogar viele Schwimmer aus der Nationalmannschaft und den Bundestrainer.“ Auch wenn diese Zeiten inzwischen vorbei sind, die Medaillenjagd spornt auch heute noch viele DLRG-Schwimmer, ob alt oder jung, an. Zu den Senioren zählt man allerdings schon ab 25 Jahren, doch bei Wettkämpfen trifft man auch noch Sportler, die über 80 Jahre alt sind. Die Homberger Damenstaffel tritt in der Altersklasse 140 an, die vier jüngsten Mitglieder müssen durchschnittlich mindestens 35 Jahre alt sein. Für Rettungsschwimmen, heißt es einhellig, haben sie sich entschieden, weil es technisch anspruchsvoller ist als das reguläre Bahnenziehen. Hindernisse, Puppen und Flossen gehören dazu. „Das Training ist abwechslungsreicher und macht einfach mehr Spaß. Außerdem zählt für uns auch ein sozialer Hintergedanke. Von uns würde niemand an einem Unfall vorbeifahren.“ Außerdem haben alle Teammitglieder schon mal Wachdienste gemacht und belegen alle zwei Jahre einen Erste-Hilfe-Kurs.

Auch wenn bei dem Seniorenteam der Spaß im Vordergrund steht, der Leistungsgedanke wird nicht vernachlässigt. „Wir sind alle sehr motiviert und haben alle das gleiche Ziel: das Bestmögliche zu geben“, sagt Sabrina Welters, die mit 28 Jahren das Küken im Team ist. Innerhalb der DLRG hat sie sich durch ihr knallhartes Training einen Namen gemacht, außerdem trainierte sie Meisterschwimmer Fabian Messer. Zusammen mit ihren Staffelkolleginnen hat sie ein einfaches Erfolgsrezept: Sie verzichten auf ein gesondertes Seniorentraining und schließen sich den jüngeren Leistungsschwimmern an. „Es hat Vorteile, mit den Jugendlichen zu trainieren, wir lassen uns von ihrem Ehrgeiz anstecken und es ist ein tolles Gefühl, wenn man merkt, dass man noch mithalten kann“, sagt Gudrun Rauch, die mit 53 Jahren die Älteste ist.

Technik spielt eine große Rolle

Damit die Medaillenjagd weiterhin erfolgreich bleibt, darf die Leistung nicht abfallen, denn in der Altersklasse 140 ist die Spitze hartumkämpft, oft entscheiden nur Hundertstelsekunden über Sieg oder Niederlage. Doch dies ist nicht nur eine Frage von Kraft und Geschwindigkeit, hier spielt Technik eine große Rolle. Wer beim Staffelschwimmen etwa falsch wechselt oder die Puppe falsch handhabt, wird mit Strafsekunden belegt.

„Egal, wie viele Titel wir schon geholt haben, die Aufregung vor einem Wettkampf wird nicht weniger und der Ansporn bleibt, sich jedes Jahr zu verbessern“, sagt Rauch, die 2008 Vize-Weltmeisterin wurde. Dass sie in der Bevölkerung für ihre Erfolge nur wenig Anerkennung bekommen, stört die titelverwöhnten Athletinnen nicht. „Wir machen das für uns und sind stolz. Ein Titel ist der Lohn für all unsere Mühen“, sagt Welters. Neben den ständigen Wettkampfvorbereitungen müssen die fünf sich gesund ernähren und auf ihr Gewicht achten. „Wir trinken aber auch mal ordentlich“, sagt die Jüngste im Team und alle anderen stimmen lachend zu.

Noch denkt keine der Fünf ans Aufhören, über Nachwuchs oder einen Trainer würden sie sich allerdings freuen. Löffel: „Wir nehmen jede auf, die Interesse hat. Aber bei Turnieren schwimmen die Schnellsten.“ Bei Wettkampfreisen ist jedoch das ganze Team dabei und wenn die Europa- oder Weltmeisterschaft mal in der Nähe ist, verbinden die DLRG-Damen die Teilnahme mit einem gemeinsamen Urlaub.

Oliver Kühn


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