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Herzen für die Menschlichkeit

19.03.2012 | 08:00 Uhr
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Herzen für die Menschlichkeit
am Samstag, den 17.03.12 findet in der Rheinhausenhalle eine Benefizveranstaltung -Bruecken zwischen Muslimen und Nichtmuslimen bauen- statt. Am infostand gibt Tarik Guerleyen Auskunft ueber das Projekt -Tuisa hilft. Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool

„Und wenn du nur ein Menschenleben rettest, rettest du die ganze Welt“, besagt ein weises, jüdisches Sprichwort, das auch Muslime und Christen sofort unterschreiben können. Für die rund 150 islamischen Mitglieder der Hilfsorganisation „Tuisa hilft e.V.“ ist der Sinnspruch sogar Verpflichtung.

Der gemeinnützige Verein rettet seit sieben Jahren Menschenleben, hilft, wo die Not am größten ist, in Somalia, Pakistan, Irak, Libanon, Marokko, der Türkei, auch in Deutschland. Am Samstag lud „Tuisa hilft“ zu seiner elften Spendengala in die Rheinhausen-Halle. Rund 500 Besucher feierten für den guten Zweck, zeigten „Herzen für die Menschlichkeit“.

Worum es der Wohltätigkeitsorganisation geht, die Privatleute im April 2005 in Gelsenkirchen gründeten, erklärt Pressesprecher Karim Fillal, Spross einer marokkanischen Familie: „Unsere Religion schreibt uns vor, dass wir Menschen helfen und nicht schaden. Daher wollen wir etwas für andere Menschen tun.“ Bei den regelmäßigen Auslandseinsätzen des Vereins werden Nächstenliebe und soziale Einstellung seiner Mitglieder ganz konkret: In Somalia, das derzeit immer noch unter der weltweit größten Hungerkatastrophe leidet, verteilten „Tuisa“-Mitarbeiter in den riesigen Flüchtlingscamps Nahrungsmittel, bauten Klassenräume für die Kinder, Bäckereien und Brunnen.

Notfallhilfeleisten

„Tuisa hilft e.V.“ unterstützte finanziell die Opfer der großen Flutkatastrophe 2010 in Pakistan, verteilte dort Fleisch zum Opferfest. Im Libanon hat der Verein Patenschaften für Waisen übernommen, betreut ein Waisenhaus und ein Altersheim. Auch im Irak versorgt „Tuisa hilft“ Bedürftige, leistet medizinische Versorgung vor Ort. Ähnlich wie in der Türkei, wo Delegationen der karitativen Organisation abgelegene Dörfer besuchen und dort Notfallhilfe leisten. Aber auch in Deutschland gibt es – anders als viele glauben – viel Not und Hilfsbedarf: Hier kümmert sich „Tuisa hilft“ wie in Düsseldorf um Obdachlose, verteilt unter ihnen Lebensmittel. Daneben besuchen Vereinsmitglieder Bedürftige in Krankenhäusern, Altenheimen und Psychiatrien. Und hierzulande akquiriert „Tuisa hilft“ fast sämtliche seiner Spendengelder, mit Blutspendeaktionen und Benefizgalen für Bedürftige und Kranke.

„Bei uns arbeiten verschiedene Nationalitäten im Team, vor allem Bosnier, Ukrainer, Türken, Marokkaner und Deutsche. Neben der menschlichen Hilfe ist uns der interkulturelle Dialog sehr wichtig“, sagt Sprecher Fillal. „Wir wollen Menschen zusammenzubringen, egal aus welcher Religion und Nation sie kommen. Uns ist es wichtig, dass wir uns auf die deutsche Gesellschaft zu bewegen, miteinander reden, Vorurteile und Missverständnisse abbauen. Deutsche und Christen sind für uns eine Bereicherung.“ Doch leider ist die Resonanz bisher nicht immer so, wie sie sein könnte: „Wir wünschen uns sehr, dass wir bei unseren Veranstaltungen mehr deutsche Besucher begrüßen dürfen. Bisher sind es noch zu wenige“, berichtet Fillal.

Alle Mitgliederarbeiten ehrenamtlich

Eines ist dem Sprecher von „Tuisa hilft“ sehr wichtig: „Alle unsere Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Damit sparen wir uns viel Bürokratie, eine große Organisation. Das Geld, das wir als Spenden bekommen, soll eins zu eins bei den Bedürftigen ankommen. Das können wir garantieren.“ Die Mitglieder kommen nicht nur für die Verwaltungskosten des Vereins auf, betont Fallil. Auch Verpflegung und Unterkunft bei den Auslandseinsätzen bezahlen die Mitglieder aus eigener Tasche. Fallil: „Die eigentlichen Spenden lassen wir bei diesen Einsätzen komplett unberührt.“

Das Programm der Spendengala in der Rheinhausenhalle bot Unterhaltung für die ganze Familie. Highlights waren der Auftritt von Mustafa Demirci, einem bekannten Sänger aus der Türkei. Zuvor sangen und spielten die Musiker Saad Chemmari, Ömer Aslan, Fetih Othmani und die Gruppe Arrisala. Models präsentierten bei einer Modenschau osmanische Kleider. Die Kleinen wurden mit einem Kinderprogramm bei guter Laune gehalten, die Hungrigen mit einer großen Auswahl türkischer oder arabischer Speisen. Dazu gab es Vorträge über die Hilfsprojekte von „Tuisa hilft“, in Wort, Bild und Film. Weitere Stände im Foyer informierten unter anderem über die Hilfsorganisation „Islamic Relief“. Kontakt: www.tuisa.de.

Martin Krampitz

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