Heino-Interpretationen und mehr

Am Anfang posen sie noch für unsere Kamera. „So ähnlich könnte das beim Konzert alles aussehen“, scherzt Pierre Lavendel, Leadsänger und Gitarrist, und hält seine Klampfe gestellt in die Luft, spielt aber schon eine leicht verzerrte Intro-Melodie, die aus einem Ennio Morricone-Western stammen könnte. Unmittelbar werden die etwa 60 Zuhörer in das Konzert der „Treuen Bergvagabunden“ hineingezogen und die Stimmung in der Rheinhauser Kneipe „Sofien-Klause“ fängt an zu brodeln.

Die „Treuen Bergvagabunden“ haben sich, wie der Name es schon sagt, dem deutschen Volkslied verschrieben. „Das fing in meiner Jugend so mit 15 Jahren an. Ich war in einer Clique, wir haben alle die alten „Heino“-Platten gehört“, erzählt der 44-jährige Blondschopf. „Ich wollte all diese Titel selbst mal spielen“, gesteht er. Allerdings in einer anderen Version – punkig, im fetzigen drei Akkorde-Schema legen er und sein Schlagzeuger, Buddy Diamond, los. 2001 taten sich die beiden Musiker zusammen. „Ein Rheinhauser und ein Ruhrorter, das passt gut zusammen. Wir hatten eine Zeit noch einen Bassisten, aber dann mussten wir die Gage immer durch drei teilen“, lächelt Pierre Lavendel, der bürgerlich Carsten Dehnert heißt. Der Bassist verschwand, die Liebe zu den alten Stücken blieb. Jetzt jagt ein Medley das andere, natürlich sind Heinos Klassiker „Blau, blau, blau blüht der Enzian“ und die „Schwarze Barbara“ mit im Programm und die Zuhörer in den ersten Reihen wippen mit ihren Köpfen zur Musik.

Treu sind nicht nur die „Bergvagabunden“, sondern auch ihr Publikum. Lena Krämer kennt den Leadsänger seit ihrer Jugend. „Damals hatte er noch eine tolle Tolle, wir waren alle Rockabillies“, erinnert sie sich und tanzt weiter. Heute ist der Haaransatz des charismatischen Frontmanns schon etwas höher, aber immer noch schwebt ein Scheitel von Buddy Holly über ihm – in blond. Wirt „Wacho“, der die Kneipe seit etwa 25 Jahren betreibt, hat extra seine „VIP-Lounge“, eine gemütliche Sitzecke, in der normalerweise der Aschenbecher mit der Aufschrift „Stammtisch“ steht, als Bühne für die beiden umgestaltet.

„Heute hauen wir auf die Pauke“

Das Publikum singt begeistert mit, wenn die „Treuen Bergvagabunden“ ihre Klassiker schmettern. Bei Toni Marschalls „Heute hauen wir auf die Pauke“, haut Schlagzeuger Buddy Diamond wirklich auf selbige. Überhaupt ist beeindruckend, wie er das etwa dreistündige Konzert im Stehen spielt und noch dazu die Bassdrum mit dem Fuß bedient. „Da braucht es schon gutes Stehvermögen“, scherzt der „Trommler“, der noch bei der Punkformation „24/7 fucked ups“ „trommelt“. Dass es keine Polonaise durch die Kneipe gibt, ist vielleicht nur der Enge geschuldet, in der sich die mitwippenden Zuschauer zwischen Theke und Bühne befinden - dafür singen sie umso begeisterter mit bei Walter Scheels „Hoch auf dem gelben Wagen“ und schließlich geht es ins „Grande Finale“ mit Heinos „Schwarz-braun ist die Haselnuss“, „Oh wie ist das schön“ und „Auf der Reeperbahn“, und es gibt kein Halten mehr...