Goldmedaille - ganz Homberg aus dem Häuschen

Gerd Wiltfang (vorne sitzende) bei einer Autogrammstunde. Mit dabei: Wolfgang Kun.
Gerd Wiltfang (vorne sitzende) bei einer Autogrammstunde. Mit dabei: Wolfgang Kun.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Springreiter Gerd Wiltfang siegte mit dem Pferd „Askan“ bei den Olympischen Spielen in München in der Mannschaftswertung

Duisburg-Homberg..  Aus einem Berg von Fotografien zieht Wolfgang Kun mit einem sicheren Griff ein bestimmtes Motiv heraus. „Man konnte ihn auf jedes Pferd setzen. Er hatte einfach ein Gefühl für Pferde und Distanzen“, sagt er über einen Reiter, der auf einem Foto bei einer Siegerehrung in Aachen zu sehen ist. Es ist Gerd Wiltfang, der auf dem Schimmel Askan sitzt. Und dieses Duo hatte einmal dazu geführt, dass die Menschen der früheren Stadt Homberg, kurz vor der Eingemeindung zu Duisburg, Kopf standen.

Bei den olympischen Spielen 1972 in München gewann Gerd Wiltfang mit Fritz Ligges, Hartwig Steenken und Hans-Günter Winkler die Goldmedaille in der Mannschaftswertung „Springen“. Und die Menschen in Homberg jubelten besonders. Daran erinnerte sich der Archivar vom Freundeskreis Historisches Homberg, Reinhard Stratenwerth, als diese Zeitung um Erlebnisse und Geschichten aus jener Zeit aufrief, als noch die Postleitzahl „4100 Duisburg 14“ galt.

Der Homberger Bauunternehmer Josef Kun hatte 1966/67 den Wallach Askan (Rasse: Hannoveraner), von Alwin Schockemöhle erworben, bei dem Gerd Wiltfang als Bereiter tätig war. Mit dem „Umzug“ von Askan wechselte auch Gert Wiltfang nach Homberg. An diese Zeit kann sich Wolfgang Kun, Sohn des Bauunternehmers, noch bestens erinnern. Er selbst war damals auch bereits ein erfolgreicher Springreiter, gewann zwei Mal die Deutsche Junioren-Meisterschaft, wurde Vize-Junioren-Europameister.

Gerd Wiltfang war der Reitsport quasi in die Wiege legt worden. Schon als Kind im Alter von fünf/sechs Jahren startete er bei Ponyrennen. Als junger Mann machte er zwar eine Ausbildung als Bäcker, verschrieb sich dann aber komplett der Reiterei. Mit 19 Jahren wurde er erstmals Deutscher Meister im Springen, holte den Titel in späteren Jahren mehrfach. Wolfgang Kun hatte Gerd Wiltfang zu den Olympischen Spielen nach München begleitet. Von dem entsetzlichen Attentat auf israelische Sportler haben sich hautnah nichts mitbekommen. „Gert wollte nicht im Olympischen Dorf wohnen. Er hat in einem Wohnwagen direkt am Stall übernachtet, da er nahe beim Pferd sein wollte“, erinnert sich Wolfgang Kun, für den nicht nur der Olympia-Sieg seines Reiterkollegen sondern schon die Qualifikation für die Spiele sensationell waren: „Er hatte die Qualifikation mit zwei Null gewonnen.“

Wieder zurück in Homberg gab es für den erfolgreichen Springreiter zunächst mal kaum eine Minute Ruhe. Ein Empfangstermin wechselte den nächsten ab. In einer Kutsche ging es durch die Straßen von Homberg. „Gerade das war überhaupt nicht sein Ding. Er wollte nicht im Mittelpunkt stehen“, erzählte Wolfgang Kun, der übrigens auch voller Begeisterung von dem Pferd Askan spricht. Es sei sehr schnell und gleichzeitig sehr vorsichtig gewesen. „Askan wollte immer 20 bis 30 Zentimeter höher springen als gefordert. Er hätte heute gehen müssen, er hätte es leichter gehabt, da er nicht mehr so hoch und sei weit springen müsste“, sagt der Fachmann. Gerd Wiltfang ist übrigens vor etlichen Jahren im Alter von 51 Jahren plötzlich an Herzversagen gestorben. Wolfgang Kun ist bis heute der Reiterszene treu geblieben. Er gibt Springreiter, die in den Klassen A bis S starten Reitunterricht.