Geschichten aus Duisburg-Homberg und Rheinhausen

Dauerthema Pelles-Kurve: Neun Unfälle binnen weniger Wochen, Fahrbahnsanierung lässt auf sich warten.
Dauerthema Pelles-Kurve: Neun Unfälle binnen weniger Wochen, Fahrbahnsanierung lässt auf sich warten.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Noch ein paar Stunden, dann ist das Jahr 2014 Geschichte. Wie geschichtsträchtig waren die abgelaufenen 365 Tage im Duisburger Westen eigentlich? Hier einige Geschichten – mit dem Versuch einer Einordnung

Was bleibt vom Jahr 2014? Deutschland ist Fußball-Weltmeister, eine gute Nachricht, die womöglich beste Nachricht aus dem abgelaufenen Jahr. Die für diesen Rückblick ausgewählten Geschichten aus dem Duisburger Westen möchten wir ein bisschen kategorisieren. Ordnen wir es ein in: skurrile Geschichten, schöne Geschichten unschöne Geschichten und auch traurige Geschichten.

Diese Einordnung fällt beim Stichwort „Tiefgarage Hochheide“ allerdings schon gleich schwer. Hatte die Stadt doch das Cabriolet von Heinz-Josef Heistermann in einer Garage an der Otto-straße weggesperrt. Erst Wochen später erhielt er den Wagen aus dem einsturzgefährdeten Bau zurück, RTL hatte sich eingeschaltet und mächtig verbal auf die Stadtverwaltung eingedroschen. Skurril, unschön und am Ende dann doch schön, so könnte man die Geschichte kategorisieren.

Extrem traurig ist die Geschichte um den vor 13 Jahren ermordeten Sedat aus Hochheide. Immerhin gibt es seit Anfang 2014 nach viel Gezänk einen Gedenkstein in der Nähe der Glückauf-Halle. Traurig ist auch der plötzliche Tod des Rheinhauser Stadtschreibers Wolfgang Ettwig. Der passionierte Marathonläufer – als einziger ist er bei allen 31 Auflagen des Duisburger Marathons gestartet – war beim Lauftraining unmittelbar neben dem Rheinhauser Stadtwappen an der Brücke der Solidarität zusammengebrochen und starb einige Tage später im Krankenhaus.

Das Stadtwappen, der Ort, an dem Wolfgang Ettwig zusammengebrochen war, kann man fast schon als sein letztes Projekt bezeichnen. Wobei es eigentlich das Projekt von Rainer Emmerig ist. Der Rheinhauser Maler hatte den grau gewordenen Stein lackiert. Nun entsprach das Gelb nicht den wappenkundlichen Vorschriften, was Historiker Ettwig sofort bemerkt hatte, „es hätte die Farbe Gold benutzt werden müssen.“ Das Ende der Geschichte: Emmerig lackierte den Stein um, Ettwig ließ Emmerig im Bezirksamt für einen Ehrung vorschlagen und der Stein erinnert jetzt an gleich zwei Männer aus Rheinhausen. Schöne Geschichte.

Wenige Kilometer weiter, genauer gesagt muss man nur der Moerser Straße Richtung Bergheim folgen, dann nach rechts auf die Asterlager abbiegen und dieser ein paar Minuten folgen. An der Duisburger Straße in Essenberg stehen zwar keine Gedenksteine, es sind vielmehr Kreuze und eine Art Grabstein. Seit Mitte Dezember machen Mitarbeiter des ehemaligen Sachtleben-Chemiewerks ihrer Fassungslosigkeit ob des neuen Eigentümers Luft. Dieser will mehr als ein Drittel der rund 1700 Stellen in Homberg und Uerdingen streichen. Erste Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung hat es bereits gegeben, sogar Landes-Arbeitsminister Guntram Schneider hat sich eingeschaltet. Ende offen, die Befürchtung in der Belegschaft ist groß, die US-Heuschrecke wolle das traditionsreiche Unternehmen schon bald schließen. Was eine skandalöse Geschichte wäre.

Wer die Duisburger Straße ein Stück zurück Richtung Solidaritäts-Brücke fährt, den wirft’s womöglich aus der Pelles-Kurve. Nicht weniger als neun Unfälle mit vier Schwer- und zehn Leichtverletzten hatten sich binnen weniger Wochen auf verregneter Straße dort ereignet. Das sorgte dafür, dass eine Unfallkommission mit Vertretern von Stadt, Land und Polizei eingerichtet wurde. Ergebnis: Großflächiger Grünschnitt, Warn-Piktogramme auf der Straße und neue, grellgelbe Schilder. Zudem wurde das Tempo 30-Schild, das offenbar ein Witzbold angeschraubt hatte, entfernt. Es gilt Tempo 50.

Weitere Maßnahme: Das Aufbringen eines neuen Straßenbelags. Diese 200 000 Euro teure Straßenbaumaßnahme beinhaltet auch den Umbau der benachbarten Stau-Kreuzung an der Winkelhauser Straße. Landes- wie Bezirks-SPD hatten dies bereits mehrmals bejubelt. Dumm nur: Passiert ist wieder einmal nichts. Im Herbst sollten die Bagger rollen, noch vor Weihnachten sollte alles fertig sein. Versprechen nicht gehalten.

Der Wähler bei der Kommunalwahl am 25. Mai hatte offenbar andere Themen im Fokus, als er sein Kreuzchen machte und den Sozialdemokraten den Wahlsieg bescherte. Weitere Ergebnisse: Die FDP flog in Rheinhausen aus der Bezirksvertretung, die Rechtspopulisten von Pro NRW schafften es in beide Parlamente sowie in den Stadtrat.

Gab es sonst noch was? Klar. Der marode „Weiße Riese“ an der Ottostraße steht noch immer, ohne Geld vom Land kein Abriss. Die Zukunft eines weiteren leeren Wohnklotzes in der Nachbarschaft ist ebenso unklar. Die Stadt will abreißen, der Besitzer sanieren. Aktueller Stand: Sanierung aufgeschoben.

Über die Zukunft einer Fläche an der Europaallee auf dem Rheinhauser Logport-Gelände entscheidet die Bezirksregierung Düsseldorf. Ihr liegt ein Antrag des Logistikers Talke vor, der ein Gefahrstofflager errichten will. Eine Bürgerinitiative will das verhindern. Bis zur Entscheidung vergehen noch Monate.

Schöne oder gute Nachrichten lesen sich anders, oder? Oder ist es Sache des Betrachters? Hier weitere Themen aus dem Jahr 2014, die man als positiv bewerten könnte: Das Homberger Kombibad bleibt auch im kommenden Sommer geöffnet; der erste Spatenstich zum Bau der OSC-Sportwelt an der Gartenstraße ist erfolgt; um diverse Rocker-Gangs in der Stadt ist es ruhig geworden; auf einer Homberger Terrasse brütete eine Rotkehlchen-Mama sechs Küken aus. In einem Bierkrug.