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Gemeindehaus droht der Abriss

13.01.2010 | 07:30 Uhr
Gemeindehaus droht der Abriss

Rheinhausen. Die Evangelische Gemeinde Friedenskirche muss sparen. Eine Variante: Das Gemeindehaus „Auf dem Wege” und der „Tempel” werden aufgegeben. Die zukunftsweisende Entscheidung wird die Bergheimer Gemeinde allerdings nicht selbst treffen - sondern Außenstehende.

Es rumort in der Bergheimer Gemeinde Friedenskirche. Die Kasse ist klamm, die evangelische Gemeinde muss sparen. Einer der Vorschläge, wie der Haushalt aus den roten Zahlen kommt: Man wird sich von Gebäuden trennen müssen. Dass es aber ausgerechnet das Gemeindehaus Auf dem Wege mit dem angeschlossenen Jugendzentrum Tempel treffen soll, weckt bei vielen Kräften Widerstand.

Die finanzielle Situation der Gemeinde ist gewiss kein Einzelfall. Mitglieder werden weniger, Einnahmen brechen weg. Wer Leistungen nicht reduzieren will, muss sich von Besitztümern trennen. Das Tafelsilber wird verscherbelt, Kirchen geschlossen, abgerissen und als gewinnbringendes Bauland verkauft. Jetzt hat es eben auch die Bergheimer erwischt. Die Besonderheit ist: Die Gemeinde wird über diese existenzielle und zukunftsweisende Frage nicht einmal selbst entscheiden dürfen.

Eigentlich ist in der protestantischen Hackordnung die Gemeinde der Souverän, weder der Kirchenkreis noch die Landeskirche dürfen hereinreden. Das bestimmende Gremium, das Presbyterium, wählt die Gemeinde aus ihrer Mitte. Doch in Bergheim gipfelte ein über Jahre schwelender Streit vor einem Jahr in der Auflösung dieses Presbytriums. Damit die Gemeinde nicht führungslos ist, hat der Kreissynodalvorstand einen sogenannten Bevollmächtigten-Ausschuss eingesetzt, der aus Kirchenkreis-Mitgliedern von außerhalb besteht. Sie führen kommissarisch die Geschäfte – und treffen jetzt auch die anstehenden, weitreichenden Entscheidungen über die Zukunft der Gemeinde.

Mit dem Presbyterium ging die Souveränität verloren

Das Bergheimer Jugendzentrum Tempel gibt es seit 34, das Gemeindehaus seit mehr als 50 Jahren. (Fotos: ib)

Eine Kommission, in der auch die beiden Pfarrer sitzen, hat 14 verschiedene Modelle geprüft, wie die künftig im Haushalt fehlenden 100 000 Euro aufzufangen sind. Einige Modelle hat man schnell verworfen, nicht aber den Abriss des Gemeindehauses. Die wenigen Lösungen, die übrig blieben, hat die Kommission bereits dem Bevollmächtigten-Ausschuss übergeben.

Dessen Vorsitzender, der Moerser Pfarrer im Ruhestand Matthias Fritzsche, findet es sogar „sehr gut”, dass nicht die Gemeinde, sondern Auswärtige entscheiden. „Ganz gleich wie der Beschluss aussieht, er wird immer Menschen tief verletzen. Da ist es gut, dass wir das als Außenstehende tun”, sagt er im Gespräch mit der Redaktion. Für ein neu gewähltes Presbyterium käme die Entscheidung über solch schmerzhafte Einschnitte einem Todesstoß gleich. Deshalb hält Fritzsche es „für das Beste, was der Gemeinde in der Situation passieren kann”.

Entschieden sei noch nichts, betont er. Der Ausschuss werde die Modelle bei einer Gemeindeversammlung am 7. Februar vorstellen. „Andere Lösungsvorschläge nehmen wir gerne auf”, sagte Fritzsche. „Wir werden nichts entscheiden, was nicht auch von einem großen Teil der Gemeinde mitgetragen wird”. Oberstes Ziel sei, den Kindergarten und die Jugendarbeit zu erhalten. Bei den Personalkosten, die im Haushalt eine gewaltige Rolle spielen, wolle man so wenig wie möglich sparen. Eine Variante sei, die hervorragende Jugendarbeit an der Lutherstraße zu konzentrieren. „Die Frage ist, wie wir das, was hier mit Hingabe aufgebaut wurde, auch unter erschwerten Bedingungen erhalten können”, so Fritzsche. Die Entscheidung werde „zeitnah” fallen. Konkret heißt das: noch in der ersten Hälfte dieses Jahres.

Förderverein zur Rettung gegründet

Eine Gruppe innerhalb der Gemeinde hat sich bereits den Erhalt des Gemeindehauses auf die Fahnen geschrieben. Am Montag gründete sich ein Förderverein, der Teil eines alternativen Konzepts für den Erhalt des Hauses sein soll. Seit gestern ist bereits ein Flyer im Umlauf. Die Standorte Lutherstraße, Auf dem Wege und der Kindergarten dürften nicht gegeneinander in die Waagschale geworfen werden, heißt es darin. Fehlendes Geld könne man erwirtschaften, sammeln oder sinnvoll einsparen. Es sei möglich, beide Standorte der Gemeinde zu erhalten.

Ingo Blazejewski

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