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Gekommen, um zu bleiben

05.09.2013 | 16:46 Uhr
Gekommen, um zu bleiben
Zehn Kinder leben in der 180 Quadratmeter großen Wohnung in Hochheide. Wenn Trickfilme im Fernsehen laufen, versammelt sich die Schar.Foto: Ulla Emig

Duisburg-Homberg.   Zwei rumänische Brüder wohnen neuerdings mit ihren Familien im Umfeld der Hochhäuser in Hochheide. Seither kursieren die Gerüchte um die Immobilie. Zustände und Probleme wie in Bergheim sind nicht zu erwarten, sagt die Immobilienverwalterin, die ihren neuesten Mietern einen Besuch abstattete.

Der dunkle Mercedes S 600 fährt vor. Kennzeichen aus Nordfriesland. Passanten schauen skeptisch, solche Nobelschlitten sieht man im Schatten der Hochheider Hochhäuser sonst eher selten. Die Fahrerin steigt aus, sie trägt jede Menge goldenen Schmuck.

Zielstrebig geht sie auf ein Wohnhaus zu, klingelt. Der Hausflur ist renovierungsbedürftig wie das gesamte Haus. Löcher in den Wänden und ein abgewetztes Treppenhaus. Oben an der ersten Wohnungstür wird sie schon erwartet. Sie verwaltet die Immobilie für einen Geschäftsmann aus Berlin. Jetzt besucht sie ihre neuesten Mieter: zwei rumänische Brüder mit ihren Familien.

„Die Gerüchte sind totaler Blödsinn“

Seit rund zwei Monaten leben die fünf Erwachsenen und zehn Kinder in Hochheide. Seither kursieren Gerüchte um das Gebäude. Ein Problemhaus wie in Bergheim sei entstanden. Über 50 Menschen seien dort untergebracht, die Miete werde in Mafia-Manier bar eingetrieben und dort würden Ziegen geschlachtet. „Das ist totaler Blödsinn“, sagt die Verwalterin, die ihren Namen nicht veröffentlicht sehen möchte. Eine menschenunwürdige Überbelegung gebe es nicht. Zudem habe sie sich dafür eingesetzt, dass die Familien ein Bankkonto bekommen. Es stimme zwar, dass die Kinder morgens von Kleintransportern abgeholt würden. Aber nicht, um als Klau-Kids oder Bettler an Geld zu kommen. „Die Mütter erzählen, sie werden zu den Einrichtungen Immersatt und Zof gefahren.“

In ärmlichen Verhältnissen leben die 15 Neu-Hochheider. Ein alter Wasserschaden ist in der 180 Quadratmeter großen Wohnung noch sichtbar, die Möbel stammen vom Sperrmüll, ein Zimmer ist nur halb tapeziert, weil das Geld ausgegangen ist. Zum Kochen gibt’s nur einen alten Herd mit Kochplatten. Doch die Großfamilie renoviert ihr Zuhause stetig. Bilder und Dekoration sollen Gemütlichkeit vermitteln. Alles ist blitzblank geputzt.

Mieter haben nur Monatsverträge

Ihre Besucherin grüßen die Roma nett, sprechen aber nur wenig Deutsch und Englisch. Der rumänischer Hausmeister löst das Sprachproblem. „Solange sie ihre Miete zahlen und ordentlich sind, vermiete ich gerne an Rumänen und Bulgaren. Probleme hatte ich bisher eher mit deutschen Mietern, einige waren Messis und haben ihr Zuhause nicht gepflegt“, sagt die Verwalterin. Auch die türkische Vormieterin, eine Mutter mit acht Kindern, habe ihre vier Wände „regelrecht verunstaltet“.

Zustände wie In den Peschen werde es aber in dem Haus, in dessen drei anderen Wohnungen noch zwei bulgarische Arbeiter, ein Türke und ein Deutscher leben, niemals geben. Die Mieter hätten Monatsverträge. Sollte es Ärger geben, werde man sofort kündigen. „Die Familien wollen aber hier bleiben und bemühen sich sehr.“ Sie besuchen ein Integrationsprojekt des Stadtteilfördervereins und die Kinder sind für die Schule angemeldet.

Dennoch bleiben teils wilde Gerüchte. „Letztens sagten Anwohner sogar, Taliban würden dort säckeweise Rauschgift verstecken.“ Dass Roma mitnichten stets große Probleme bedeuten, habe sich in Hochheide gezeigt. Duisburg brauche jedoch mehr seriöse Vermieter, und die Osteuropäer dürften nicht alle auf einem Fleck wohnen.

Oliver Kühn

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2013-09-05 16:46
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