Fünf Akte mit viel Musik

Gottesdienste und Prozessionen prägen jedes Jahr weltweit den Karfreitag. In der Bergheimer Pfarrkirche Christus König wurde der Leidensgeschichte Christi zusätzlich in etwas anderer Art gedacht. Im Rahmen der monatlichen Konzertreihe „FreitagsMusik“ flimmerte der Stummfilm „Der Galiläer“ über eine große Leinwand, begleitend dazu erklangen Orgelimprovisationen. Dazu hatten die Veranstalter den international renommierten Improvisator und Kirchenmusiker Otto M. Krämer aus Straelen am Niederrhein eingeladen.

Der Film „Der Galiläer“ stammt aus dem Jahr 1921, er zeigt in fünf Akten die letzten Tage Jesu, vom Einzug in Jerusalem bis zum Tod am Kreuz. Die teilweise ausdrucksstarke Gestik und Mimik der Darsteller und die Massenszenen mit bis zu 3000 Komparsen wurden laut Aussage des Rheinhauser Kirchenmusikers Ludger Morck nachträglich durch unterschiedliche, leicht in verschiedenen Farbtönen eingefärbte Bildsequenzen noch mehr in Spannung und Bildaussage gesteigert.

80 gespannte Besucher

Otto M. Krämer fand vor mehr als 80 gespannten Besuchern in einer modernen, anregenden und aufwühlenden Tonsprache immer passende, die Stimmung der Szene unterstreichende Töne. Die Tempi waren sehr gut abgestimmt auf die Schritte Jesu im Film, zudem spielte Krämer einfühlsame Melodien zum Flehen des Blinden. Es gab aber durchaus auch fast schmerzende und erschreckende Cluster mit dem Trompetenregister zu den Anklagen und Beschimpfungen der Hohepriester oder zum stark gespielten Gewissenskampf des Judas Iscariot nach dem Verrat. Dabei entlockte Krämer der Orgel ungewohnte und kaum vorstellbare Klangkombinationen.

So entstand durch die Kombination Film und Orgelimprovisation eine immer dichter werdende Atmosphäre, die sich bis zum traurigen Höhepunkt der Kreuzigungsszene steigerte und die Besucher in ihren Bann zog.

Am Schluss merkte man, so schreibt es Ludger Morck, wie hin- und hergerissen das Publikum war. „Der zaghafte Beifall einiger und das Schweigen der anderen Zuhörer zeigte den Spagat zwischen der Begeisterung für den Künstler und der Betroffenheit ob des Geschehens“.