Frisch, sportlich und emotional

Foto: Ford/Friedrich Stark

Gibt es eigentlich aerodynamische Farben? Welche ist die teuerste Farbe? Und was hat es mit den unterschiedlichen Nuancen von Weiß auf sich? Als Ford-Designerin Erika Tsubaki den Klassenraum der Heinrich-Heine-Gesamtschule in Bergheim betritt, wird sie mit Fragen bestürmt. Die Designerin des Kölner Herstellers ist zu Besuch, um mit Schülern einer 6. Klasse im Kunstunterricht über die Wirkung von Farben und ihre Bedeutung in der Fahrzeugentwicklung zu sprechen.

Seit dem Ende der Herbstferien nehmen die 28 Schüler der Klasse mit Lehrerin Leonie Helbig das Thema „Farbe“ durch. „Dabei haben wir Farbe als dekoratives Element behandelt“, erklärt die Lehramtsreferendarin. Die 28-Jährige unterrichtet neben Kunst auch noch Deutsch und das Fach „Darstellen und Gestalten“.

Leonie Helbig: „Da in der Klasse 20 Jungen sitzen und Autos auf viel Interesse stoßen, haben wir uns als alltagsnahes Beispiel für das Thema ‚Farbgestaltung bei Fahrzeugen‘ entschieden. Da kam mir die Idee, bei einem Hersteller nachzuhören, ob ein Experte in unseren Unterricht kommen möchte.“

Zu Beginn der Kunststunde müssen die Schüler zunächst selbst aktiv werden. Sie helfen Erika Tsubaki beim Auspacken der verschiedenen Materialien. Dabei kommen unter anderem sogenannte Mood-Boards zum Vorschein. „Auf der einen Seite sehen wir eine Farbe, drehen wir das Board um, kommen verschiedene Inspirationsquellen zum Vorschein, die wir mit der Farbe verbinden“, erklärt die Expertin. Bei der Farbe Rot sind das zum Beispiel rote Rallye-Streifen oder auch ein Football-Helm.

Aber Farbe ist nicht gleich Farbe, denn selbst bei einem Kontrast wie Weiß gibt es unterschiedliche Nuancen. Das erkennen die Schüler sofort, als Tsubaki zwei gewölbte Farbscheiben – in der Designarbeit als Farb-Dome bezeichnet – mit den Lackfarben „Frost-Weiß“ und „Electric-Weiß“ in die Höhe hält: „Das eine Weiß spiegelt mehr“, sagt Serhat (zwölf Jahre). „Und es ist mehr silbern“, ergänzt sein zwölfjähriger Tischnachbar Tufan. Auch die verschiedenen Blau-Töne sorgen für Gesprächsstoff: Es gibt Nuancen, die eher kühl und frisch wirken, während andere warm anmuten und laut Tsubaki durchaus an Süßigkeiten erinnern können. „Jede Farbe hat eine andere Wirkung. Farben wie Rot oder Orange werden oft mit besonders schnellen Autos in Verbindung gebracht und wecken große Emotionen.“

„Die Farben von Autos sehen auch anders aus, wenn sie im Schatten stehen“, sagt Serhat und spricht dabei ein weiteres wichtiges Thema in der Design-Arbeit an. Denn es müssen Farben kreiert werden, die in allen Lichtverhältnissen wirken. „Wir können dafür nicht wie beim Malkasten einfach verschiedene Farben mischen“, erklärt Tsubaki. Eine neue Farbe für einen Fahrzeuglack zu entwickeln, sei ein aufwendiger Prozess.

Rot ist die teuerste Farbe

„Neben Farbdesignern arbeiten daran auch Farbtechniker. Denn ist die Farbe fertig, muss sichergestellt werden, dass wir sie auch in großen Mengen herstellen können“. Schließlich liefen bei Ford in Köln jeden Tag 1 550 Ford Fiesta und in Saarlouis 1 770 Ford Focus vom Band. Zum Schluss möchte die Klasse noch wissen, welche eigentlich die teuerste Farbe ist. Anil (13 Jahre) tippt auf Rot und liegt damit goldrichtig. Am Ende stellt die Lehrerin zufrieden fest: „Den Schülern hat der Besuch sehr gut gefallen – auch, weil sie von Anfang an miteinbezogen wurden. Es ist wichtig, dass wir die Lebenswelt der Schüler im Unterricht berücksichtigen und die Themen alltagsnah gestalten. Außerdem bietet es natürlich eine schöne Abwechslung, wenn neben Lehrern auch externe Experten Rede und Antwort stehen.“