Friemersheim räumt eine Woche lang auf

Müllsammelaktion am Stallwerk in Duisburg-Rheinhausen am Samstag den 28.03.2015. Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services
Müllsammelaktion am Stallwerk in Duisburg-Rheinhausen am Samstag den 28.03.2015. Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Seit Freitag läuft die Müllsammelaktion „Friemersheim räumt auf“. Spontan machten der ESV Hohenbudberg und der Angelverein ASC am Wochenende mit

Duisburg-Friemersheim..  Es hatte ihm einfach gereicht: Nachdem er sich von sowohl von der Stadt, als auch von den Wirtschaftsbetrieben (WBD) im Stich gelassen fühlte, nahm Freddy Driesen, Eigentümer des Restaurants Stellwerkhof in Friemersheim, das örtliche Müllproblem selbst in die Hand. Wochenlang hatte er darum gebeten, einer der Verantwortlichen möge sich endlich um die Hinterlassenschaften der Lkw-Fahrer kümmern, die täglich über die Straße Am Stellwerk fahren.

„Das Problem wird von den WBD konsequent ignoriert“, sagt Driesen. So habe er letztlich für mehr als 1000 Euro einen Container bestellen müssen, um die Lage in den Griff zu bekommen. Seit vergangenem Freitag läuft die Müllsammelaktion „Friemersheim räumt auf“, zu der er aufgerufen hatte. „Es waren auch tatsächlich jeden Tag zehn bis 15 Leute da, die mit angepackt haben.“

Der Container draußen auf dem Parkplatz ist schon fast voll, davor liegt noch einmal ein großer Berg mit Elektroschrott, vor allem alten Fernsehern. „Und das ist nur von gestern und heute“, sagt Driesen. Damit auch möglichst viele Anwohner teilnehmen können, hat er die Aktion auf eine ganze Woche ausgeweitet. Ziel sei es gewesen, dass sich die Leute selbstständig einteilen und ein von ihnen selbst bestimmtes Gebiet säubern. Werkzeug, Säcke und Handschuhe wurden von dem Restaurant-Besitzer bereitgestellt.

Einer der Nachbarn des Stellwerkhofs ist der ESV Hohenbudberg. „Da wir heute eh einen Aufräumtag an unserem Sportplatz eingeplant haben, haben wir kurzerhand beschlossen, auch das Stellwerk mit einzubeziehen“, sagt Paco Diaz, der ein paar Kicker seiner Jugendmannschaft mitgebracht hat. Er zeigt Verständnis für die Lkw-Fahrer am Logport: „Irgendwo müssen die ja hin – nur gibt es hier weder Toiletten noch Waschmöglichkeiten, geschweige denn Mülleimer.“ Diaz sieht die Stadt in der Pflicht, entsprechende Anlagen einzurichten.

Ölkanister gefunden

Volker Tauscher, Vorsitzender des Angelvereins ASC, hat sich mit seinen Mitgliedern der Wege entlang des Kruppsees angenommen. „Wir haben hier mit Öl gefüllte Kanister gefunden – es hätte katastrophale Folgen für den See, wenn die ins Wasser gelangen würden“, sagt er. Das Müllproblem kennt auch Olav Brehmer, der ebenfalls nur einige Straßen weiter wohnt, sehr gut: „In den letzten Jahren hat sich die Situation durch die wachsende Industrie verschlimmert“, sagt er. Es seien allerdings nicht nur die Lkw-Fahrer, die für den Müll in der Gegend verantwortlich sind, sondern vor allem Bewohner aus der Umgebung, die hier ihren Müll abladen. Verstehen kann Brehmer dies nicht: „Wenn ich doch schon meinen alten Fernseher ins Auto gepackt habe, kann ich doch gleich zu den WBD fahren und das Gerät kostenlos abgeben, statt es still und heimlich in den Wald zu werfen und dabei noch das Risiko eingehen, erwischt zu werden.“

Driesen genügt es fürs Erste, wenn die WBD die Kosten für die Entsorgung erstatten würden. „Die WBD verstehen einfach nicht, dass auch auf der anderen Rheinseite Menschen leben, die ihre Gegend gerne sauber haben möchten.“