Folkfestival in Rheinhausen lockte Fans aus ganz Europa

Trotz miesem Wetter gut besucht: das Folkfest Rheinhausen zwischen Jugendzentrum Tempel und Alte Mühle.
Trotz miesem Wetter gut besucht: das Folkfest Rheinhausen zwischen Jugendzentrum Tempel und Alte Mühle.
Foto: Michael Dahlke
Was wir bereits wissen
22. Folkfestival an der Alten Mühle. Stammgäste kommen aus ganz Deutschland. Manche reisen sogar aus London und Stockholm an. Mieses Wetter trübte perfekte Straßenfest-Stimmung nicht

Duisburg-Bergheim.. Das Ruhrgebiet rockte letztes Wochenende! Während in der Arena auf Schalke Metallica und Kiss die Fans zum Headbangen brachten, wurden beim Folkfestival in Bergheim ruhigere Töne angeschlagen, ohne jedoch komplett auf laute Gitarrenklänge zu verzichten. Wer die Wiese am Jugendzentrum „Tempel“ neben der Alten Mühle kennt, nimmt sie meist als noch ruhigeres Plätzchen in einem ohnehin schon unaufgeregten Stadtteil Duisburgs wahr.

Zwei Monate Pause

Zwei Bühnen später wird die Wiese zum Festivalgelände und der „Tempel“ zum Irish Pub. Davor steht gerade Hannes Wallrich und unterhält sich mit zwei Besuchern. Zum 22. Mal stellt er nun das Folkfestival an der Alten Mühle auf die Beine, immer am Samstag nach Pfingsten. Die Planungsphase reiche wie immer über das ganze Jahr. „Wir haben ein Nachtreffen, dann machen wir gut zwei Monate Pause und nach den Sommerferien geht’s dann wieder los“, verrät er.

Mit dem bisherigen Besucheraufkommen ist er zufrieden: „Jetzt, wo der Himmel blau ist, fängt’s langsam an voll zu werden, vorher sind die meisten Leute wegen dem starken Regen zu Hause geblieben.“ Ob er wegen des Pokalendspiels mit weniger Zuschauern rechne? „Vor zwei Jahren lief parallel das Champions-League-Finale zwischen Dortmund und Bayern, da haben wirklich viele Leute gefehlt, das heute ist eher das kleinere Übel, von daher können wir das verschmerzen“, sagt er.

250 ehrenamtliche Helfer

Das Festival finanziere sich ausschließlich über den Essens- und Getränkeverkauf. „Aber wir sind auf die ehrenamtliche Hilfe unserer rund 250 Mitarbeiter und der Nachbarn angewiesen, jeder macht mit. Die Kinder helfen an den Buden, die Eltern spenden Kuchen“, erzählt Wallrich. „Das Folkfestival ist wie ein Familientreffen, jedes Jahr kommen alte Freunde aus ganz Deutschland, London oder Stockholm.“

Nicht ganz so weit hatten es Josi Hepperle (19) und Jens Bungardt (22) die nur aus Bonn anreisen mussten. Sie stehen in der Menge und genießen das Konzert von Charity Children. „Wir sind zwar gerade erst gekommen, aber das Festival macht einen tollen ersten Eindruck.“ Ähnlich sieht das Corinna Klingbold aus Stuttgart, die Freunde in Duisburg besucht. „Ich finde die Mischung der Altersgruppen toll, von der Omi bis zum Kindergartenkind – hier ist jeder dabei, das macht die Atmosphäre so besonders“, findet die festivalerfahrene junge Frau.

Kuchen und Kunst

Neben der Musik spielen vor allem die Stände rund um die Alte Mühle eine große Rolle: Initiativen werben für ihre Zwecke, es wird Kuchen und handgemachte Kunst verkauft, etwas abseits neben einem Schankwagen steht ein Pavillon für Kinderprogramm samt Hüpfburg. Tatsächlich fällt der große Anteil der anwesenden Familien unter den mehreren tausend Besuchern auf.

Die alten und jungen Folkfans, deren Eltern und Kinder und sogar der Hund – sie alle sind dabei. Selbstverständlich ist die Straße am Jugendzentrum für den Verkehr gesperrt, was die Straßenfest- Stimmung perfekt macht. Zwischen allen Besuchern sticht Edelfan Baron von Imhoff heraus, der mit seiner Tochter Sarah gekommen ist. Er hat kein einziges Folkfestival am „Tempel“ verpasst. Mit seinem selbst gemachten Braveheart-Gewand und dem Bandana im Camouflage-Look nebst Füllhorn hat er sich dem traditionellen Outfit Irlands und Schottlands, in denen Folk nach wie vor eine große Rolle spielt, angepasst. Ein wenig seltsam sieht das jedoch schon aus. Die Wandlung der Musik im Laufe der Jahre kann er als Stammgast gut einschätzen: „Die Musik ist rockiger geworden, E-Gitarren spielen eine viel größere Rolle als früher.“

Das Line-Up des Festivals, auf dem auch schon mittlerweile deutschlandweit bekannte Bands wie die Mighty Oaks oder die Ohrbooten gespielt haben, kann sich auch in 2015 sehen lassen. Nach Bergheim gekommen sind Esperanska, Tom James, Riders Connection, Charity Children, Sea + Air, The Leisure Society, Minnie Marks und La Chiva Gantina. Im Backstageraum, der in den Gemeindesaal der Kirche Auf dem Wege gelegt wurde, sitzen Aleksej, Philipp und Moritz von Riders Connection. Das Trio aus Berlin nennt sein Genre „Polystilistische Herzensmusik“ und erklärt es als eine Mischung aus Reggae, Funk und Soul, gemischt mit natürlichen, mit dem Körper erzeugten Geräuschen. Ihr Auftritt habe ihnen sehr viel Spaß gemacht: „Hier beim Folkfestival sind supercoole Leute, es war sehr interessant vor Menschen zu spielen, die eher zuhörten als tanzten.“ Im September erscheint das erste Album der seit fünf Jahren bestehenden Band. Als das Folkfestival 1993 aus der Taufe gehoben wurde, war Tom James gerade erst geboren. 22 Jahre später ist der junge Brite selbst Teil des Festivals. Auch er war von der Atmosphäre begeistert: „Das war mein ersten Open-Air-Konzert überhaupt, es war cool zu sehen, wie viele Leute hier unterwegs waren.“ Als regelrechter Senkrechtstarter tourt er in diesem Jahr durch 20 Städte allein in Deutschland. Seine innerhalb von einem Jahr extrem gestiegene Popularität verdankt er dem Internet.