Feine Klänge bei der Rheinhauser Freitagsmusik

Gesang und Orgel präsentierten Jürgen Kuns und Imke Halbauer in der Christuskirche nahezu „Rücken an Rücken“.
Gesang und Orgel präsentierten Jürgen Kuns und Imke Halbauer in der Christuskirche nahezu „Rücken an Rücken“.
Foto: Herbert Höltgen
110. Freitagsmusik in der Christuskirche: Jürgen Kuns und Imke Halbauer gaben trotz 28 Grad am späten Abend alles. Sehr zur Freude der rund 50 Zuschauer.

Duisburg-Rheinhausen..  Das war wohl die heißeste Freitagsmusik aller Zeiten – und das nicht nur wegen der Titelauswahl. Bei der 110. Ausgabe waren um 21 Uhr auf der Orgelbühne noch 28 Grad Celsius zu spüren. Ein „wohltemperiertes Klavier“ fühlt sich anders an. „Ich weiß nur, als wir ein Konzert „Sommernachtstraum“ gespielt haben, da war es ähnlich drückend“, erinnert sich Jürgen Kuns, Kantor der Christuskirche in Hochemmerich. „Aber da gab es ein reinigendes Gewitter.“ Dieses himmlische Phänomen blieb aus, ein Klanggewitter erzeugte Kuns aber auf der Orgel in dem Konzert mit dem Titel „Am Anfang war das Wort“, das er mit der Mezzosopranistin Imke Halbauer spielte. Etwa 50 Leute versprachen sich Kühlung vom heißen Freitag in dem großen Kirchenschiff der Christus-König-Kirche in Bergheim, und erlebten wohl ihr „heißestes Konzert“.

Bei dem Stück „Ach bleib mit deiner Gnade“ des Expressionisten Sigfrid Karg-Elert, alternierte Kuns in seinem Spiel zwischen einer scheinbaren Besinnlichkeit im ersten Teil, dann brauste er auf im zweiten Part des Stückes nah an Disharmonien auf seinem Instrument. „Wenn hier auch viel Text in dem Stück enthalten ist, so ist es doch schnell vorbei“, beruhigte er die Zuschauer vor dem Werk „A song of wisdom“ von Charles Villiers Standford, dem „englischen Brahms“. Das verlangte der gelernten Bauingenieurin Imke Halbauer die gesamte Bandbreite ihres Mezzosoprans ab: während ihre Höhen zu schweben anfingen, rumorte es bedrohlich in ihrer Altstimmlage – abgründig tief ging sie dabei, und gerade über ihre emotionale Interpretation erreichte sie die Zuhörer.

Schnelle Triller

Wahrscheinlich ist „Allein Gott in der Höh’ sei Ehr“ von Johann Sebastian Bach das am meisten abgewandelte Werk des Leipziger Thomaskantors im Barock. Drei Variationen spielte Kuns davon: BWW 711, 677, 717. Während die erste noch als eine mit schnellen Trillern verzierte Rokoko-Version des bekannten Kirchenlieds gelten könnte, folgte wohl die kürzeste Abwandlung als Fugette, und bei BWW 717 kitzelte Kuns den Bachschen Kontrapunkt mit gegenläufigen Melodielinien aufs äußerste heraus. Sehr anspruchsvoll erschien die Motette von Heinrich Kaminski „Alle Wege, wenn sie nur gut sind, führen zu Gott.“ „Sie enthält unwahrscheinlich schwierige Bögen“, weiß Imke Halbauer, die eine klassische Gesangsausbildung an der Essener Folkwang Hochschule genossen hat und jetzt in einem Düsseldorfer und Herner Chorprojekt aktiv ist. Ihre sprunghaften und ausdrucksstarken Gesangsläufe vibrierten förmlich über ihr Timbre, während Kuns gezielt die Akkorde dieses expressionistischen Werkes setzte.

Es folgte ein „Vater unser im Himmelreich“ des niederländischen Komponisten Jan Pieterszoon Sweelinck, einem Altmeister zwischen Renaissance und Frühbarock. Ein besonderes Bonbon, das Präludium und Fuge über Bach von Franz Liszt, spielte Jürgen Kuns zum Ende. Franz Liszt hatte im ersten Teil die Bachsche Fuge beibehalten, und das melodische Thema, romantisch verbrämt, verändert. So öffnete Kuns den behäbigen Barock zum treibenden Impetus der Romantik, wurde zum Schluss monumental in seiner Interpretation. „Das war wirklich ein heißes Konzert“, konstatierte auch Freitagsmusikliebhaber Hans-Georg Rummel: „Gerade die Gegensätze in den Stücken fand ich sehr gewagt, von daher interessant.“

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