Erste Entscheidung zum Abriss der Duisburger „Weißen Riesen“

Blick aus dem leer gezogenen „Weißen Riesen“ an der Friedrich-Ebert-Straße 10-16.
Blick aus dem leer gezogenen „Weißen Riesen“ an der Friedrich-Ebert-Straße 10-16.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Bezirksvertretung entscheidet über das Hochheider Hochhausquartier. Stadt will vier „Weiße Riesen“ kaufen, abreißen und Bewohner umsiedeln.

Duisburg.. Das Gespräch liegt schon eine Weile zurück: Beate Schwegmann, Vermieterin mehrerer Wohnungen im Hochhaus Ottostraße 58-64, stellt dieses wie folgt dar: „Bezirksbürgermeister Hans-Joachim Paschmann rief an, um mir zu sagen, dass das Haus mindestens zu einem Teil abgerissen werden soll. Und wenn ich in der 20. Etage wohne, könnte ich ja auch in die Zehnte ziehen, alles darüber könne dann weg.“

Schon damals habe die Stadt ernst machen wollen, auch mit dem Abriss sanierter und funktionierender „Weißer Riesen“ in Hochheide, sagt Schwegmann. In der Sitzung der Bezirksvertretung Homberg/Ruhrort/Baerl am Donnerstag (Beginn: 16 Uhr im Sitzungssaal des Bezirksamtes, Bismarckplatz 1) soll die Sanierungssatzung für das gesamte Quartier auf den Weg gebracht werden.

Viertel komplett sanieren

Worum geht es in der Beschlussvorlage? Die Gründe für eine Komplettsanierung des Viertels sind lange bekannt. Die Kurzform: Wohnen in den „Weißen Riesen“ (sechs 20-etagige Hochhäuser mit insgesamt 1440 Wohnungen; siehe auch Info-Kasten) sei nicht mehr gefragt, es gebe zu viele Wohnungen für zu wenige potentielle Mieter.

Abgerissen werden sollen laut der Vorlage bis zu vier Hochhäuser. Zunächst sollen die beiden leeren Häuser „in das Eigentum der Stadt Duisburg gebracht und zurück gebaut werden.“ Wie genau das geschehen soll, ist nicht vermerkt. Wie berichtet, hat Altro Mondo, der Firma aus Hannover gehört einer der beiden leeren Riesen, angekündigt, an eigenen Sanierungsplänen festhalten zu wollen. Verkaufen würde man nur zum marktüblichen Preis, rund 20 Millionen Euro seien fällig. Ähnliche Summen rufen auch die Eigentümer um Beate Schwegmann auf.

Mietermanagement kostet 500 000 Euro

Geht es nach der Stadt Duisburg, kauft sie auf dem freien Markt zwei weitere Hochhäuser. Für deren Mieter soll es Ersatzwohn- und Gewerberaum geben. „Ein sofortiger Umzug nach dem Satzungsbeschluss ist zu diesem Zeitpunkt nicht notwendig“, heißt es weiter. Wer, wann und wohin umziehen muss, darauf geht die Stadt in der Vorlage nicht weiter ein. Fest steht lediglich, dass für Gutachten und Mietermanagement in einer Kostenschätzung rund 560 000 Euro eingeplant sind.

Insgesamt beinhaltet die mit 80 Prozent vom Land NRW geförderte Sanierungsmaßnahme 21,049 Millionen Euro. Für den Grunderwerb und Rückbau von Häusern sind davon allein 19,435 Millionen Euro vorgesehen. 500 000 Euro sind für den Landschaftsbau eingeplant, 550 000 Euro für die Stabilisierung und Aufwertung des Viertels (Fassadenprogramm, Verfügungsfonds und Quartiersbüro). Ein Förderbescheid aus dem Städteförderungsprogramm „Soziale Stadt“ liegt laut Verwaltung vor. Die endgültige Entscheidung über das Sanierungsprogramm fällt am 2. März im Stadtrat.

Die sechs „Weißen Riesen“ in Hochheide:

Das Haus Ottostraße 18/20 (160 Wohnungen) ist komplett saniert, gehört einer Eigentümergemeinschaft und ist voll belegt.
Ottostraße 24-30
ist seit Jahren leergezogen und zur Ruine verkommen. Die Eigentümerfirma gibt es nicht mehr.
Ebenso leergezogen
ist das von Altro Mondo zu sanierende Haus Friedrich-Ebert-Straße 10-16.
Ottostraße 54-56
gehört dem Ruhrorter Unternehmer Heinz Fromberger, ist laut Aussage von Altro Mondo voll belegt.
Ottostraße 58-64
gehört einer Eigentümergemeinschaft, laut Aussage der Verwalterin Beate Schwegmann sind 70 Prozent der 320 Wohnungen vermietet.
Der sogenannte
„Rote Riese“, ein für zwölf Millionen Euro sanierter Bau, steht an der Haniel-Straße 36/38. Er soll zu rund zwei Dritteln belegt sein.