Entscheidung nicht vor dem Jahreswechsel
24.09.2009 | 17:46 Uhr 2009-09-24T17:46:00+0200Nachdem am Mittwoch auch in einer ganztägigen Erörterungs-Sitzung (wir berichteten) nicht alle Streitpunkte in Sachen Immissionsschutz zwischen Befürwortern und Gegnern des Baerler Grubengas-Kraftwerkes abgehakt werden konnten, mussten Lothar Nigge, technischer Dezernent bei der Bezirksregierung Arnsberg, und sein Team gestern noch einen vollen Verhandlungstag dranhängen. Gerechnet hatte man damit – die Glückauf-Halle war sogar für drei Tage gebucht. Die Einsprüche der Kraftwerksgegner werden die Arnsberger Berg-Behörde noch lange beschäftigen.
Nach Lärmschutz und Auswirkung auf das Vogelschutzgebiet ging es am zweiten Verhandlungstag um Abgasbelastung und Betriebssicherheit. Die Vertreter der Bürgerinitiative stellten die von Mingas vorgelegten Analysen zu Windrichtung und Immissionsausbreitung in Frage. Die zu erwartende Freisetzung von Stickoxyden und Formaldehyd gelte es zu prüfen.
Sicherheits-Bedenken gab es zur Hochwasser-Gefährdung im tief liegenden Binsheimer Feld. In diesem Punkt gingen aber auch die - ansonsten eher skeptischen - Vertreter der Stadt Duisburg davon aus, dass die Deiche selbst einem Jahrhunderthochwasser standhalten. Zur Auswirkung eventueller Bergsenkungen und/oder Erdbeben, speziell auf die Gasleitung, gab Mingas-Vertreter Wolfgang Konrad an, dies stelle keine Gefahr dar: Bei einem Rohrbruch sauge die Anlage halt Luft an, und ohne Unterdruck käme kein Gas aus der Grube.
Knackpunkte: Vögel, Wasser, Bergschäden
Ein weiteres grundsätzliches Problem sehen die Kraftwerksgegner beim Handling der großen Mengen Schmieröl für den Betrieb der Anlage, die im Prinzip aus großen Verbrennungsmotoren besteht. Vor allem im Brandfall könne das zu Problemen führen.
In seinem Abschlussplädoyer gab Initiativen-Anwalt Wolfgang Hopp noch einmal seine drei Haupt-Kritikpunkte an: die Nachbarschaft der Anlage zum Vogelschutzgebiet, die möglichen Auswirkungen auf das Wasserschutzgebiet und die seiner Ansicht nach mangelhafte Absicherung gegen Bergsenkungen.
Zu einer Entscheidung kam es in Homberg nicht: Die Bezirksregierung wird die Standpunkte der Antragsteller und Projektgegner gegeneinander abwägen und intern entscheiden. Laut Nigge ist mit dieser Entscheidung allerdings „nicht vor dem Jahreswechsel” zu rechnen – zu zahlreich und vor allem zu stichhaltig, als dass man sie vom Tisch wischen könnte, waren die Einwände der Baerler.
Die Entscheidung ist keine politische, sondern eine rein rechtliche: Wenn Mingas beim Kraftwerks-Projekt alle gesetzlichen Vorschriften beachtet hat – wovon Konrad sich genau so überzeugt gab wie die Vertreter der BI vom Gegenteil – ist die Behörde zur Genehmigung verpflichtet. Sollte eine Seite die Rechtmäßigkeit der Entscheidung anzweifeln, bleibt noch der Weg vor das „richtige” Gericht. Den hat die Bürgerinitiative in puncto Rahmenbetriebsplan für das Kraftwerk bereits beschritten.
22:56
So sehr sinnig finde ich diesen Beitrag gar nicht.
Und woher wollen sie wissen,das ich mich mit diesem Thema nicht auseinander gesetzt habe?
Was halten sie von alternativen Energie wie Windkraft? So wie bei mir so 200m weit weg. Nach ein paar Jahren stören Schattenspiele und Geräusche nicht mehr so stark.Also was wollen sie denn nun?Ich glaube sie wollen vor ihrer Haustür noch das eine noch das andere. Hauptsache nicht vor meiner Tür.
14:26
Jeder, der es sehen will kann hier sehen das hier eine vernünftige Technik abgewürgt werden soll. Wenn das nicht grundsätzlich geht, dann eben mit dummen Vorgaben.
Minengas ist Rohstoff in einem rohstoffarmen Land!
06:44
@Sabinchen
Sie zitieren mich:
>ggf. muss über einen gänzlich anderen Standort nachgedacht werden <
und schreiben dann:
Also wieder mal St. Florian? Es ist unerträglich, wie eine sinnvolle Anlage verhindert werden soll, um persönliche Vorteile durchzudrücken.
Vielleicht haben Sie sich Unterstellungen und voreilige Schnellschüsse abgewöhnt, wenn aus dem Sabinchen dereinst mal eine Sabine wird.
Ich unterstelle Ihnen auch nicht, dass Sie Aktien von Mingas besäßen o.ä., nur weil Sie sich FÜR diese Anlage aussprechen und sie als sinnvoll bezeichnen.
Ich habe keinen Vorteil, wenn ich darauf hinweise, dass berechtigte Einwände von Menschen, die dort wohnen, nicht leichtfertig weg gewischt werden dürfen und dass die (laut Berichterstattung) Mängel in der Planung und in den Gutachten korrigiert werden müssen.
Darauf bezieht sich auch meine Einschätzung, ggf. über einen anderen Standort nachzudenken - nämlich DANN, wenn diese Mängel, Gefahrenquellen und Belastungen dort NICHT abzustellen sind.
Sankt Florian bezieht sich meines Wissens auf gute Wünsche Richtung des Nachbarn - ich bin mir sicher, dass sich bei der ungeheuren Ausdehnung und der Größe der Grubenanlagen ein Standort finden ließe, der überhaupt keine Nachbarn hat - nur wäre die Suche nach einem geeigneten Alternativstandort mit Kosten verbunden, die natürlich momentan gescheut werden.
Ich hoffe, jetzt hat jede(r) verstanden, was ich meine.
Schönes Wochenende
PS: Nein, ich wohne NICHT in Baerl, falls das jmd. wissen möchte.
00:48
>ggf. muss über einen gänzlich anderen Standort nachgedacht werden <
Also wieder mal St. Florian? Es ist unerträglich, wie eine sinnvolle Anlage verhindert werden soll, um persönliche Vorteile durchzudrücken.
Eine ähnliche Anlage ist an der Kohlenstraße ja für jedermann schon sichtbar. Weder gefährlich noch laut. Nicht besonders schön, das stimmt. Aber Grubengas, dass vor sich herwabbern darf ist auch nicht so ohne. Energiegewinnung, die nicht von Brennstäben abhängig ist, ist für die Allgemeinhit eine sehr gute Sache.
Ein wenig Einschränkung für das Wohl aller ist auch einem Immobilienbesitzer zuzumuten!
17:01
Ich hoffe das in Zukunft auch mehr private Bauherren in Baerl mutige Entscheidungen treffen und diesen abstossenden Dorfklüngel mal richtig einheizen.
16:24
Es geht hier nicht darum, die an sich sinnvolle Nutzung des Grubengases zu verhindern: es geht um die berechtigten Einwände der von dieser Anlage betroffenen Bürger.
Eine solche Anlage darf nur entstehen, wenn alle Gefahrenquellen (und Belastungen) nach bestem Wissen ausgeschaltet sind - hier darf nicht am falschen Ende gespart werden, auch wenn ein Unternehmen natürlich zuerst die für sie günstigste Alternative bevorzugt.
Letzten Endes gehen der Schutz der Bevölkerung und der Natur immer vor Geschäftsinteressen einer Firma und ggf. muss über einen gänzlich anderen Standort nachgedacht werden (was bei Größe und Ausdehnung der betreffenden Grubenanlagen kein großes Problem sein dürfte).
14:04
Die Bürgerinitiative hat fundierte Einwendungen gegen das Vorhaben eingebracht und bereits Teilerfolge erzielt u.a.:
- die Schornsteinhöhe wurde falsch berechnet
- das Lärmschutzgutachten war fehlerhaft
- die Bergschäden und Störungszonen wurden nicht bedacht
- der Schutz der Bevölkerung vor Explosionsgefahren reicht nicht aus
- der Natur- und Wasserschutz ist ungenügend
diese Punkte und viele mehr müssen jetzt von Mingas-Power nachgearbeitet werden.
11:22
Niemand bestreitet, dass die Nutzung von Grubengas sinnvoll ist. Es geht schlicht und einfach um den Standort einer solchen industriellen Anlage. Wer da ein reines Wohngebiet für geeignet hält, muss sich schon fragen lassen, was er zu einem Standort neben seinem Häuschen sagen würde. Auch ok?
Oder hat da jemand vielleicht kein Häuschen und freut sich, dass die Reicheren mal eins ausgewischt bekommen? Auch das hätte mit einer Auseinandersetzung mit dem Sachverhalt wenig zu tun.
Wer das Recht auf seiner Seite hat wird übrigens gerade noch geklärt.
09:27
Es ist ökologisch und ökonomisch absolut sinnvoll, Grubengas zu nutzen.
Die Einwände sind für mich lächerlich und an den Haaren herbeigezogen.
Den Menschen wird Angst gemacht, um den eigenen Immobilienwert zu schützen bzw. zu erhöhen.
Das, liebe Hausbesitzer, hat mit nachhaltigem Umgang mit der Natur absolut nichts zu tun. Das hier ausgerechnet mit der Natur argumentiert wird, hat schon was absurdes .
Dann, liebe Immobilienbesitzer, hätten ihre Häuser dort erst recht nicht entstehen dürfen! Sie betonieren die Landschaft viel schädigender zu.
Mingas hat das Recht auf seiner Seite und das ist gut so!
09:17
Diese Anlage gehört nicht in ein reines Wohngebiet, darum geht es der Initiative. Um die Bevölkerung vor Lärmbelästigung und Schadstoffausstoß, wie z.B. dem krebserregenden Formaldehyd, zu schützen, darf diese Anlage so nicht gebaut werden!!!