Elefant und Vogel imitiert

Seine Nase ist länger als die von Pinocchio. Langsam schleicht das grüne Wesen in den Altarraum der Oestrumer Friedenskirche: „Hallo, hallo, wir fangen endlich an....“, singt der Puppenspieler Mario Klimek hinter dem grünen Etwas. Die etwa achtzig Kinder und deren Eltern steigen mit ein, die Textzeilen sind schnell gelernt. Aber es ist nicht der Kasperle, es ist das Flötentier, das jetzt die Zuhörer unterhält.

Die „Schnecke“

Noch mehr seltsame Wesen huschen auf die Bühne, geschwungene braune Holzkörper mit merkwürdigen Öffnungen und langen Hälsen versammeln sich der Größe nach vor dem Altar. „Wer bist du denn?“, fragt das Flötentier verwundert. Die Violinistin hinter dem Instrument flüstert ihm etwas ins Ohr. „Ah, du bist eine Geige!“, erklärt Mario Klimek den Kindern. „Und was kannst du so?“, fragt er. Anke Vogelsänger von den Duisburger Philharmonikern imitiert die Laute eines Kuckucks, die Kinder machen mit: „Kuckuck“, tönt es geballt in der Kirche. Die Kontrabassistin Sigrid Jann-Breitling erklärt den Kindern ihr Instrument, indem sie den tiefen, dröhnenden Lauf eines Elefanten nachspielt. „Den improvisiere ich aber immer neu“, grinst die Symphonikerin später.

So werden die Kinder zwischen drei und sechs Jahren spielerisch in die Welt der klassischen Saiteninstrumente eingeführt, sie lernen, dass sich eine „Schnecke“ am oberen Ende des Halses einer Geige befindet oder dass ein Cello um Oktaven tiefer gestimmt ist als eine Bratsche. Ganz spannend wird es, als das Streichquintett der Duisburger Philharmoniker dann „Die kleine Eisenbahn“ von Thomas-Mifunè wie in einer gewaltigen Abfahrt spielt, dabei das Tempo anzieht, so dass manche Kinder mit glasigen Augen schauen, sogar auf den Bänken stehend mitfahren.

Und natürlich „Nein!“ rufen, als das Flötentier als Schaffner alle Instrumente ohne Fahrschein aus dem Abteil werfen will. „Na gut, überredet“, sagt Mario Klimek. „Kennt ihr denn „Tata tatatata“?“, fragt das grüne Tier die Instrumente. Wie aus dem Nichts stimmen die Philharmoniker den ersten Satz aus „Die kleine Nachtmusik“ an. Ein Junge in der letzten Reihe weiß sogar, von wem das Stück geschrieben wurde: „Mozart!“, ruft er von fern. Der Mitmacheffekt ist hoch, die Kinder schwofen bei allen Stücken mit.

Tiefe Töne gefielen am besten

Auf die Frage wie es Maximilian, fünf Jahre, gefallen hat, streckt der kleine Junge seine beiden Daumen, wie bei Facebook, in die Höhe – zwei Likes für die Musiker. Max, fünf Jahre, hat es der Kontrabass angetan: „Die tiefen Töne von dem Elefanten haben mir gut gefallen“, sagt er. Auch Heike Meyer will beim nächsten Mal ihre Kinder mitnehmen: „Momentan sind sie noch zu klein“, sagt sie.

Genau diesen Effekt hatte sich Ingrid Dyballa vom evangelischen Familienzentrum an der Brunnenstraße, die die Duisburger Philharmoniker eingeladen hatte, erhofft: „Das war unsere erste Veranstaltung dieser Art, ich bin sehr zufrieden. Es ist schon klasse, wenn Profimusiker für die Kinder spielen, da merkt man den Unterschied. Wir versuchen so etwas weiterhin zu organisieren“, sagt die Verantwortliche vom Familienzentrum.

Das Konzert gehört zur Reihe „Klasse, Klassik, mini“ der Duisburger Philharmoniker - drei- bis sechsjährige Kinder haben so die Gelegenheit im Rahmen von „A-Saite bis zupfen“ den Unterschied zwischen Streichinstrumenten mit den Musikern des Streichquintetts zu erlernen, und werden in einfache Klassikstücke eingeführt. Während es für die Erwachsenen vor der Kirche Kaffee und Kuchen gab, wollten die Kinder den Unterschied auch haptisch erfahren: Nach dem Konzert bildete sich eine große Traube um die fünf Profimusiker und viele Kinder durften einmal Elefant oder Vogel auf dem Instrument sein....