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Ein schrecklicher Bunkertag im Jahre 1944

12.10.2011 | 18:15 Uhr
Etwa an dieser Stelle an der Einmündung Weißenburger Straße in Duisburg-Friemersheimer stand einst ein Bunker. Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool

Duisburg-Rheinhausen. Uwe Victor berichtet von einer Tragödie im Luftschutz-Deckungsgraben nördlich des Rheinhauser Kruppsees.

Die Aussage ist deutlich: „Die gesamten Einwohner sind zu 100 Prozent geschützt.“ So steht es im Bunkerbereichs- und Belegungsplan der Stadt Rheinhausen vom 20. Juli 1943. Wie gut oder eben schlecht die insgesamt 63 städtischen Bunkeranlagen in der Lage waren, die Menschen zu schützen, erzählt unter anderem Uwe Victor.

Der Luftschutz-Deckungsgraben mit der Nummer 42 – hier kam die Familie Victor während des Krieges unter – bot insgesamt 200 Menschen Platz (150 Sitz- und 50 Stehplätze). Heute ist von dem Schutzraum - wie von vielen anderen Luftschutz-Deckungsgräben - nichts mehr zu sehen.

Flucht nach Schleswig-Holstein

Bevor Uwe Victor seine bewegende Geschichte erzählt, berichtet er, wie es für ihn und seine Familie weitergegangen war nach diesem schrecklichen 1. November 1944: „Meine Mutter und ich haben nach dem Angriff durch die Hilfe meines Vaters, er war Kommandant auf einem Minensucher in der Adria, die letzten Kriegsmonate in Schleswig-Holstein verbracht. Wir wurden durch einen Soldaten in ein von Tod und Bomben freies Land gebracht.“ Seine Geschichte „Ein Bunkertag“ hat Uwe Victor schon einmal erzählt. Im Jahrbuch 2004/2005 des Vereins Lebendige Grafschaft war sie erschienen:

„Es ist Juni 2004 und draußen ein schöner Sommertag. Während ich im Wohnzimmer meiner Wohnung an der Jahnstraße in Rumeln sitze, gehen meine Gedanken zurück in die Vergangenheit, genauer gesagt, 60 Jahre zurück.

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Es war das Jahr 1944 kurz vor 15.30 Uhr und der Kalender zeigte den 1. November an. Auch damals wie jetzt strahlte die Sonne bei fast wolkenlosem Himmel. Meine beiden Brüder Hans Dieter (16 Jahre) und Günter (15 Jahre) waren zu diesem Zeitpunkt bereits für Volk und Vaterland bei einer Flakeinheit in Rumeln-Kaldenhausen beziehungsweise zum Schanzen an der Grenze zu Holland eingesetzt.

Wie so oft in den vergangenen Monaten und Jahren tönen die Sirenen – deren Ton ich noch heute manchmal in den Ohren habe – und der Rundfunk unterbrach sein Programm mit einer Warnung vor Fliegerangriffen für das Gebiet Großraum Duisburg/Niederrhein.

Da für diese Dinge immer eine größere Tasche mit Bekleidung und den wichtigsten Papieren bereitstand, waren meine Mutter und ich schnell in dem für uns zuständigen Erdbunker auf der Straße „In den Bänden“ angelangt.

Dieser Bunker, bestehend aus zwei liegenden ovalen Betonröhren mit einer Innenhöhe von circa 2,25 Metern, die leicht versetzt durch eine Kammer miteinander verbunden waren, lag von unserer Wohnung auf der Rheingoldstraße aus gesehen, zwei Häuser vor der Einmündung zur Weißenburger Straße. Heute steht an dieser Stelle ein schmuckes Einfamilienhaus. Ich erinnere mich noch wie heute daran, dass im Fenster eines Hauses auf der Straße „In den Bänden“ ein bekannter Friemersheimer Lehrer mit seinem Sohn lag und uns zurief, es wäre ja noch viel Zeit und wir sollten uns doch nicht so beeilen.

Hier ein Bild aus dem Winkelhausener Erdbunker. So muss man sich die Bänke vorstellen.

Kurz nachdem wir und viele unserer Nachbarn auf den Holzbänken Platz genommen hatten, hörten wir bereits das Brummen von Hunderten von Bombenflugzeugen. Plötzlich über uns das unverkennbare Heulen einer abgeworfenen Bombe und dann der Einschlag, genau im Bereich des Bunkereingangs zur zweiten Röhre hin. Als Hintergrund hierzu für die zweiteilige Aufteilung des Erdbunkers: Wenn eine Röhre getroffen wird, bietet die andere weiterhin Schutz.

Bunker an Rhein und Ruhr

Gott sei Dank ging im Augenblick des Einschlags das Licht aus und eine Wolke aus Steinen, Eisenteilen und Schutt raste auf uns zu. Sekundenlange Stille und dann Schreie, Stöhnen und angstvolle Rufe. Ich weiß nur noch, dass ich bedingt durch eine Wunde am Kopf erst wieder richtig zur Besinnung kam, als an der Hinterseite des Bunkers durch Soldaten von außen eine Öffnung geschlagen wurde und ich an der Hand meiner Mutter nach draußen gezogen wurde. Eine Erinnerung habe ich daran, dass eine unserer Nachbarinnen im Außenbereich tot auf dem Boden lag.

Der Angriff kostete 19 Menschen das Leben

Dieser Angriff kostete 19 Menschen das Leben, worunter auch der Lehrer und sein Sohn zu beklagen waren, da diese sich zum Zeitpunkt des Angriffs im Bereich der Eingangsschleuse befanden...“

Kriegszerstörtes Duisburg

Uwe Victor, Daniel Cnotka



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