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Karneval

Ein Schnäpschen zum Aufwachen

11.11.2012 | 23:00 Uhr
Ein Schnäpschen zum Aufwachen
Mit einer fast fünfstündigen heiteren Karnevalssitzung feierte die Narrenzunft Homberg das Hoppeditzerwachen. Tanz, Gesang und Zauberei bestimmten das Programm.Foto: Tanja Pickartz

Duisburg-Homberg.   Paul Rapp begeisterte erneut als personifizierter Karneval. Narrenzunft Homberg startete die Session mit einer gelungenen fünfstündigen Sitzung

Karneval ist nun auch in Homberg angekommen. Schlaftrunken klettert der Hoppeditz aus seinem Grab und macht sich auf seinem Weg zur bunt geschmückten Erich-Kästner-Gesamtschule, wo ihn bereits die Jecken der Narrenzunft Homberg erwarten. Sie stützen den noch schwachen Clown und locken ihn mit einem klaren Schnäpschen auf die Bühne. Nach einem kräftigen Schluck erwachen wie jedes Jahr seine Lebensgeister erneut. Dies ist nur der Auftakt einer fast fünfstündigen heiteren Karnevalssitzung mit Tanz, Gesang und Zauberei.

Jeder bekommt sein Fett weg

„Symbol des Karnevals, ich grüße euch in seinem Namen!“, ruft Narrenzunft-Präsident Manfred Becker seinem Ehrengast zu, der sogleich in die Bütt geht und im Versform das vergangene Jahr kritisch Revue passieren lässt. Dabei bekommen die Bundespolitiker ebenso ihr Fett weg wie Sportler, die durch Doping ihre Vorbildfunktion verloren haben. Als der letzte Tusch verklungen ist, sind die Gäste – ausschließlich geladene Mitglieder der Narrenzunft und befreundete Karnevalsgesellschaften aus der Umgebung – mit dem „Bazillus Heiterkeit“ angesteckt. Der Hoppeditz ruft das erste „Helau“ der Session und entfesselt so die Jecken im Saal.

„Früher war ich bissiger, mit den Jahren bin ich aber ein bisschen milder geworden“, resümiert Paul Rapp seinen Auftritt als personifizierten Karneval. Der 70-jährige schreibt seine Reden selbst und verfolgt stets die Nachrichten, damit sie tagesaktuell bleiben. Schon als Teenager stand der ehemalige Sachtleben-Schichtmeister auf der Bühne und hat seitdem unzählige politische Büttenreden gehalten. Länger hätte sein jüngster Auftritt ruhig sein dürfen, findet er, doch ein echter Wermutstropfen ist das für ihn nicht, denn die Narrenzunft bietet neben seiner Rede ein abwechslungsreiches Programm.

Allen voran die vielen preisgekrönten vereinseigenen Tanzgruppen, die eindrucksvoll zeigen, dass der Homberger Karneval keine Nachwuchssorgen hat. Denn schon die Kleinsten von der Murmelgarde und den Sandkastenrockern begeistern das Publikum. Den lautesten Jubel verdient sich allerdings die Große Garde mit ihrer Choreographie. Präsident Manfred Becker verschlägt sie sogar die Sprache und vor Stolz ist er zu Tränen gerührt.

Etliche neue Fans haben außerdem der 16-jährige Zauberer Julius und das BSW Musikcorps Hohenbudberg gewinnen können. Das Männerballett „Die Mönche aus dem Scheunenkloster“ sind hingegen jedem im Saal bekannt und für viele ein Höhepunkt des Abends. So richtig heizt den Karnevalisten allerdings erst die junge Stimmungssängerin Sarah Carina ein. Zu ihren Schlagerliedern tanzen die Jecken nicht bloß im Saal, sondern auch auf Stühlen und Tischen, während die älteren Semester sich unterhaken und fröhlich schunkeln.

„Alice im Wunderland“

Das Glanzstück des Hoppeditzerwachens ist der von den Fans stundenlang erwartete Auftritt der Showtanzgruppe „Eternal Flames“. Sie präsentiert den neusten Coup: eine Show über „Alice im Wunderland“ nach der Adaption von Filmemacher Tim Burton. Mit aufwendigen Tanzelementen, vielen Hebefiguren und Kostümwechseln lassen die Tänzerinnen die Rivalität zwischen Alice und der Herzkönigin lebendig werden. Unter ohrenbetäubendem Jubel und stehenden Ovationen beenden die Mädels unter Leitung von Nadine Becker ihre Zugabe. Die Homberger brechen jetzt sogar eine alte Karnevalstradition und feuern eine Applaus-Rakete ab, die eigentlich nicht zum Hoppeditzerwachen gehört. Auch der designierte Duisburger Karnevalsprinz Dirk Spiller, der wie sein Grafschafter Pendant Jörg Thiel im Publikum sitzt, kann nicht genug von der Tanzgruppe bekommen. Sie wird im Januar bei der Inthronisierung im Theater am Marientor dabei sein und Duisburg-Ost zeigen, wie man im linksrheinischen Homberg Karneval feiert.

Oliver Kühn



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