Ehrenamtler betreuen Baerler Senioren

Baerls ehrenamtliche Helfer.
Baerls ehrenamtliche Helfer.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
„Individuelle Hilfe Im Alltag“ haben Ehrenamtler eine Arbeitsgruppe genannt, die sich um das seelische Wohlbefinden von Baerler Senioren kümmert.

Duisburg-Baerl..  Die Kinder sind schon längst aus dem Haus. Häufig sind sie weit weg gezogen, nach dem Studium oder der Ausbildung. Der vertraute Ehemann, die geliebte Ehefrau, der Lebenspartner sind seit einigen Jahren verstorben. Und die Nachbarschaft ist auch nicht mehr so intensiv, wie sie es einmal war. Nun sitzen viele Senioren in ihrem großen Haus, in den 1960er bis 80er Jahren gebaut oder gekauft, als die Familie noch komplett war, und fühlen sich oft allein und isoliert, nicht gebraucht. Es fehlt ihnen an Ansprache und Zuspruch, ein wenig Menschlichkeit. Natürlich - täglich oder wöchentlich kommt ein Pflegedienst, der sich in erster Linie um die körperliche Gesundheit der allein stehenden Älteren kümmert. Aber wer kümmert sich um das seelische Wohlbefinden der unfreiwilligen Singles Ü 60/70/80?

In Baerl arbeiten schon lange dutzende freiwillige Kümmerer, die unter der Schirmherrschaft der beiden Kirchen auf Alleinstehende im Seniorenalter zugehen und sie ins gesellschaftliche Leben zurück holen. Seit der „Open-Space-Konferenz“ im März 2014 sind noch eine Reihe neuer Hilfswilliger aus Baerl dazu gekommen. Ein Arbeitskreis daraus publizierte im Herbst 2014 den Flyer „Älterwerden in Baerl“, verteile ihn an rund 5000 Haushalte. Diese Ehrenamtler geben „Individuelle Hilfe Im Alltag“, so der Name der Arbeitsgruppe. Der realen, sozialen Zustandsbeschreibung „Einsam in Baerl“ setzen sie „Gemeinsam gegen Einsam“ entgegen. Ziel der Kooperation: Bestehende, bewährte Hilfen der Gemeindearbeit für bedürftige Alleinstehende besser als bisher zu verzahnen, zu koordinieren, abzustimmen - und auszubauen. Angebot und Nachfrage - alles läuft vormittags telefonisch im Büro der evangelischen Kirchengemeinde Baerl zusammen, bei Mitarbeiterin Michaela Linkenbach.

„Viele Senioren fühlen sich unsicher“

Die Helfer der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde bieten außer Hausbesuchen mit Gesprächen oder Spaziergängen auch Hilfe bei Arzt-, Behörden- und Bankbesuchen. „Oft geht es um neue Pässe, neue Personal- oder Schwerbehindertenausweise“, weiß Dieter Pütz von der katholischen Gemeinde St. Lucia. „Oder um den Umgang mit Computern, dem Internet, dem Online-Banking oder auch nur um den Geldautomaten“, ergänzt Petra Brück-van Hauten. „Viele sind unsicher, weil in immer mehr Haushalten das Festnetz wegfällt und nur noch das Smartphone vorhanden ist.“ All diese Menschen brauchen Beratung und Begleitung. „Manchen Menschen kann man auch Freude machen, wenn man ihnen etwas Leckeres kocht oder backt, eine meiner leichtesten Übungen.“

Zu den bewährten Stützen der Hilfen für Alleinstehende gehören:

Die evangelische Frauenhilfe Baerl mit 163 Mitgliedern. „Insgesamt leisten rund 20 Frauen häusliche Hilfe in ganz Baerl, dazu gehören Geburtstagsbesuche ab 75 Jahre und Krankenbesuche, eine Diakoniesammlung im Frühling und im Advent von Haus zu Haus. „35 Prozent bleiben in der Gemeinde. Gesammelt wird für ein Mutter-Kind-Kurheim auf Spiekeroog. Der Rest geht an den Diakonische Verband Rheinland.“ Die Frauenhilfe richtet gemeinsam mit St. Lucia auch den Weltgebetstag am 1. Freitag im März aus, dazu einen traditionellen Gottesdienst am 1. Advent sowie einen Jahresausflug. Die Frauenhilfe trifft sich alle 14 Tage im großen Gemeindesaal an der Schulstraße 5 unter Leitung von Ruth Wallbrecher. Der Missionskreis Baerl, der seit mehr als 100 Jahren besteht und zur Neukirchener Mission gehört. Zwölf Personen treffen sich alle 14 Tage im kleinen Gemeindesaal an der Schulstraße 5a. Der Missionskreis bietet Andachten mit Bibelauslegung und Gesprächen über wichtige Fragen christlichen Glaubens. Leiterin Elisabeth Hüskens: „Wir halten das, solange wir können. Ich weiß noch, wie lange der Kreis besteht. Auf jeden Fall ist er noch da!“

Fahrdienst nach Absprache

Der Diakonieausschuss Baerl. Er sammelt regelmäßig für soziale Zwecke in ganz Duisburg und feiert im Oktober Diakonie-Gottesdienst im Oktober. Treffen im Gemeindesaal an der Schulstraße. Die Besuchsdienste der beiden Baerler Kirchengemeinden. Der Dienst der evangelischen Gemeinde besteht aus fünf Frauen und zwei Männern, die sich jeweils am letzten Freitag im Monat im Gemeindesaal an der Schulstraße treffen. Das Deutsche Rotes Kreuz Baerl. Die Arbeitsgruppe besteht schon seit mehr als 40 Jahren. In ihr arbeiten zwölf Frauen unter Leitung vom Erika Pischel mit. Jeden Dienstag laden die Damen von 14 bis 17 Uhr in die katholische Gemeinde St. Lucia an der Bahn-/Gärtnerstraße zum Seniorenmittag ein, mit Kaffee und Kuchen, Bingo und anderen Spielen. Ein Fahrdienst ist nach Absprache möglich. Feste und Ausflüge ergänzen das Jahresprogramm.

Kontakt zu den Organisatoren
Der evangelische Pfarrer
Andreas Klumb gibt seinen Segen zu dem Projekt: „Mit den individuellen Hilfe im Alltag wird seriöse, anständige Arbeit geleistet, die von unserer Kirchengemeinde auch so gewollt ist. Wir schaffen niederschwellige Angebote, die die Leute auch erreichen.“ Mitkoordinator Hans Gerd Bosch: „Es gibt laut aktuellem Sozialbericht der Stadt Duisburg einen sehr hohen Anteil von alten Menschen in Baerl.“ Klumb: „Wir helfen aber auch jüngeren Menschen mit individuellen Nachteilen wie einer Behinderung.“
Wer Hilfe sucht
oder selbst helfen will, wird gebeten sich im Gemeindebüro zu melden, bei Michaela Linkenbach unter 02841/8205, werktags von 10 bis 12 Uhr. Hier laufen alle Aktivitäten zusammen und werden koordiniert.