Die Reime einer komisch-seltsamen

Foto: Herbert Höltgen

Vor dem Auftritt von Anna Piechotta im Kulturtreff Rumeln trat Veranstalter Ingo Pügner vor das Publikum und wirbelte ein wenig Staub auf: Staub, der auch entstanden ist beim Umbau des alten Rumelner Kinos hinter der Musikschule, dem ehemaligen „Lichtspielhaus“, das jetzt zum neuen „Kulturspielhaus“ gewandelt wird. „Ab Mai werden wir dort in etwas größerem Rahmen unsere Kleinkunst veranstalten“, berichtete er erfreut den etwa 70 Gästen - die Kabarettistin Sia Korthaus weiht am 9. Mai den neuen Ort mit ihrem Programm ein.

Gar keinen Staub hingegen hatte der Auftritt der jungen Chanteuse Anna Piechotta angesetzt: Frisch, mit einer gesunden Naivität, aber auch ausgestattet mit klugem Menschenverstand, präsentierte sie ihr Programm „Komisch, im Sinne von seltsam“. Den Mops im rosa Ballettkleidchen auf dem Cover ihrer gleichnamigen CD hatte sie wohl nicht mitgebracht: „Das Tier ist ja nur ein Werbegag von mir“, gestand sie selbstironisch dem amüsierten Publikum.

„Mit zwei Flaschen Gin, dass ich für Sie unterhaltsam bin“ erzählt sie humoresk aus dem harten Leben einer noch unbekannten Künstlerin und gelangt schon in ihrem Eröffnungslied zu dem Wunsch: „Vielleicht könnten Sie mich am Ende belohnen – mit stehenden Ovationen.“ Stilistisch hat sie in ihren Songs den unmittelbar nachgestellten Reim, im Zeilensprung, eingearbeitet. Und wenn sie sich nach jedem selbstgeschriebenen Chanson brav angelehnt an ihrem Klavier vor dem Publikum verbeugt, erscheint es so grazil, als ob eine Barrenturnerin einen Abgang an ihrem Gerät vollführt. Nur das Piano hat ein Problem mit dem Pedal: „Da muss Tonmeister Tim das gute Stück in der Pause mal kurz auseinanderbauen, damit ich meine Balladen spielen kann – oder wollen sie eine Ballade ohne Pedal?“, improvisiert Anna Piechotta witzig. Die gibt es dann mit dem Stück „Problem“, in dem sich Anna Piechotta mit schwarzem Humor dem Thema Alzheimer widmet: „Mit jedem Tage wird es schlimmer, hab keinen Schimmer – es ist wie verhext, weiß noch nicht mal mehr den Text“, singt sie mit einem Grinsen.

Vom kleinen schwarzen Kleid zum kurzen roten

In der Pause hält sie es mit Helene Fischer und kommt im kurzen roten Kleid zurück auf die Bühne, nachdem sie elegantes Schwarz im ersten Teil getragen hatte. Und Anna Piechotta macht sich weiterhin über all das lustig, was junge Frauen so beschäftigen könnte. In dem Titel „Mein erster Opernbesuch“, kichert sie komisch eine Koloratur aus „Don Giovanni“, zieht aber zeitgleich über ihr klassisches Klavierspiel Techno und Hip-Hop durch den Kakao. Den Chor übernimmt das Publikum, Zuschauer Ralf aus der ersten Reihe bekommt im Stück noch einen Solopart: an einer Stelle darf er grunzen wie ein Tier – Szenenapplaus für den mutigen Mann.

In dem Lied „Miriam“ geht es um ein junges Mädchen, das schwanger geworden ist – aber nicht weiß, von wem. „Der Bayer und Ich“ behandelt die Antipathie beim ersten Date zweier Chat-Partner. Und Anna Piechotta macht sich beliebt beim Publikum, indem sie Privates preisgibt: „Ich bin jetzt aus der Großstadt in ein Dorf an der Mosel zurückgezogen – und wir brauchen da keine Videoüberwachung, wir haben Omas, die aus den Fenstern schauen.“ Naja, so weltfremd, wie sie manchmal tat, war sie nun wirklich nicht - den großmädchenhaften Charme hat sie sich aber bewahrt...