Die Post trägt einen Brief...

Kürzlich bekam ich einen Brief von einem Freund aus Kevelaer. Ja, einen Brief. Es war geradezu ein körperlich, physisches Ereignis – knisterndes Papier. Unweigerlich musste ich an das Lied „Die Post“ aus Schuberts Winterreise denken. Allein das Öffnen war schon schön, wie ein Geschenk. Ich konnte ihn anfassen, er raschelte, wenn ich es wollte. Ich konnte an dem Cellulose durchsetzten Papier riechen, und tatsächlich ein Hauch von Holzgeruch erfüllte meine Nase. Eine feine Handschrift fesselte mein Auge. Auch sonst fühlte ich mich in eine andere Welt versetzt, es war wie im letzten Jahrhundert, als man sich noch so über die ein oder andere Postkarte freute von Freunden auf fernen Urlaubsreisen. Da dachte ich mir, jetzt schreib ich zurück: Und viele Gedanken kamen mir in den Sinn, die ich zu Papier brachte und es war eine Wohltat, mal seine Ideen beim Schreiben mit einem feinen Kugelschreiber schweifen zu lassen, derweil die Tinte in das Papier floss. Weil ich nicht mehr den aktuellen Portopreis wusste, brachte ich den Brief persönlich zur Post. Die müssen es schließlich wissen: Und dann stand ich da in der Schlange – und habe, wie man früher noch sagte „den Brief aufgegeben“ - Die Hoffnung allerdings nicht, dass die junge Generation auch einmal zu Papier und Tintenschreiber greifen wird...

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