„Die Luft wird nicht besser”
14.10.2009 | 18:10 Uhr 2009-10-14T18:10:00+0200
Die Bezirksregierung hat die Erweiterung der Krefelder Müllverbrennungsanlage genehmigt. Die Einwände aus Duisburg gegen die Mehrbelastung in Rumeln-Kaldenhausen blieben wirkungslos. Kommentar von Umweltdezernent Peter Greulich: „Was rechtlich zulässig ist, muss mir nicht gefallen”.
Die Einwände aus Duisburg sind unbeachtet verpufft. Die Müllverbrennungsanlage in Krefeld, kurz hinter Rumeln-Kaldenhausen, wird erweitert. Dafür hat die Bezirksregierung in Düsseldorf jetzt die Genehmigung erteilt. Im Duisburger Rathaus versetzt die Nachricht Umweltdezernent Peter Greulich in „nachdenkliche Stimmung”.
Gegen Kessel Nummer fünf der Verbrennungsanlage gab es aus Duisburg heftigen Gegenwind. Vor allem, weil die Entsorgungsgesellschaft Krefeld (EGK) einen doppelt so hohen Grenzwert für das hochgiftige Stickstoffoxid beantragt hatte. Zudem steige die Abgasgeschwindigkeit enorm, die Schadstoffe würden weiträumiger verteilt.
Alt- und Ersatzkessel laufen bis 2012 parallel
„Ich will nicht unfair sein, ich respektiere die Entscheidung. Die Erweiterung steht im Einklang mit den Gesetzen und ist nicht zu verhindern. Aber was rechtlich zulässig ist, muss mir nicht gefallen. Denn für uns bleibt das Problem: Die Luft wird nicht besser”, sagte Greulich der Redaktion.
In Duisburg habe man mit der Umweltzone in die Rechte und Mobilität der Bürger eingegriffen, um zur Luftverbesserung beizutragen. Der gesamte Duisburger Kfz-Verkehr verursache 240 Tonnen Feinstaub im Jahr, die drei Krefelder Vorhaben wie Müllverbrennung, Kohlekraftwerk und Zementwerk erhöhen die Feinstäube aber allein um 500 Tonnen. Hier müsse die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden. „Mit neuen Anlagen werden Teile unserer Bemühungen konterkariert. Wir brauchen keine langsame Verschlechterung der Luftqualität, sondern eine deutliche Verbesserung”, sagt Greulich. Zwar habe sich in den vergangenen Jahren viel getan, doch auch „kleine Rückschläge” gefielen ihm nicht.
Was für die Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz ausschlaggebend war: Die Schadstoffe, die sich durch die Anlage in einem Umkreis von 3,5 Kilometern ausbreiten, liegen laut Gutachten am höchsten Punkt bei einem Prozent der zulässigen Höchstgrenze. Und das fällt unterhalb der Bagatellgrenze.
Dass die Bezirksregierung bei den Stickoxiden eine deutliche Verschlechterung bei den Grenzwerten aktzeptiert, obwohl für 2013 eine Verschärfung der Höchstwerte beschlossen ist, ärgert auch die Umweltverbände. Gar „empörend” sei, dass die Bezirksregierung dem Antragsteller zur
Auflage macht, das Vorhaben auf jeden Fall noch vor 2013 in Betrieb zu nehmen.
Darum allerdings wird man sich in Düsseldorf wohl keine Sorgen machen müssen. Der Bau des fünften Kessels, der drei Altkessel aus den Jahren 1975 und 1982 ersetzen wird, hat mit vorzeitiger Baugenehmigung bereits im November 2008 begonnen. Ende 2010 oder Anfang 2011 soll der neue Kessel in Betrieb gehen, sagte EGK-Chef Gerd Mützenich. Die Modernisierung sei notwendig, weil sonst die Abfallentsorgung in der Region nicht mehr gesichert sei. Bis 2012 müssen Alt- und Ersatzkessel parallel laufen, dann sollen die drei alten Kessel abgeschaltet werden.
10:19
Ich bin für die Einführung eines Letalitätsregisters und Krebsregisters. Da würden Duisburg und Krefeld Spitzenplätze erreichen.Wenn dann noch diese Ergebnisse veröffentlicht würden, könnte so mancher Unwissende sich noch in Sicherheit bringen. Beide Städte wirken Lebenserwartung verkürzend.
07:50
Für andere Müllverbrennungsanlagen wird Müll importiert um sie auszulasten und hier findet auf Kosten von Umwelt und Bürgern aus rein wirtschaftlichen Erwägungen eine Erweiterung statt.
Dies ist ein Skandal.