Die Liga der zielsicheren Gentlemen
06.06.2008 | 16:49 Uhr 2008-06-06T16:49:00+0200
In einem Kellerraum der alten Kirchfeldschule hat der Verein Ballhaus ein kleines Snooker-Paradies geschaffen.
Den Weg zu einem Ort, an dem Gentlemen spielen, stellt man sich anders vor. Holprig ist die Zufahrt von der Kirchfeldstraße, vor dem alten Schulgebäude gibt es wenig, was Freunde der gepflegt gestoßenen Kugel vermuten lässt. Das Bienenmuseum ist hier daheim, das Sportstudio Filor, Wache und Bürgerservice. „Viele fahren vorbei”, sagt Detlef Schürmann. Kleine Schilder haben er und seine Mitstreiter aufgestellt, von der Straße bis zum Gebäudeeingang, „Ballhaus” steht darauf – im Haus weisen Pfeile den Weg in den Keller und zu einer Klingel neben einer Stahltür. Wenn die aufschwingt, ist es da: das kleine Snooker-Paradies von Rumeln.
Seit fast eineinhalb Jahren hat der Verein Ballhaus Rumeln hier seine Clubräume und praktiziert den Sport, der im Ruf steht, etwas für Gentlemen zu sein. Denn beim Snooker wird mehr auf die Etikette geachtet als bei anderen Billard-Varianten, auf Stil und Haltung. Bei großen Turnieren sind etwa Hemd, Weste und Fliege vorgeschrieben.Die Abgeschiedenheithilft bei der KonzentrationSchürmann, der Vereinsvorsitzende, trägt an diesem Tag keine Weste, keine Fliege; auch die anderen tragen lockere Freizeitkleidung. Doch ist dem Kellerraum anzumerken, dass sie Wert auf Stil legen. Der Tresen glänzt, satt leuchtet das Grün der vier Snooker-Tische und des Pokertisches, der ein Randdasein fristet. Nicht der kleinste Krümel ist auf ihnen zu sehen. „Als wir hier rein kamen, war das Sodom und Gomorrha”, sagt Schürmann.
Im Oktober 2006 erfuhr er, dass der Raum vermietet werden soll. Damals hatten sie einen Snooker-Tisch in Rheinhausen, den sie aus England geholt hatten. „Wir haben überlegt, wie man mehr Leute gewinnen kann”, erzählt Schürmann. Der Raum kam da zur rechten Zeit, zumal der Vorsitzende nur wenige Meter entfernt wohnt. „Also habe ich das finanzielle Risiko auf mich genommen.” Denn zu Miete und Co. gesellen sich auch Kosten fürs Material: Für einen Kugelsatz zahlt Ballhaus 190 Euro, für das Tischtuch 350 bis 400 Euro. Für die Tische legten die Rumelner in England zwischen 1500 und 2000 Euro hin.
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Schade, schade - hier wurde eine tolle Chance vertan! Statt den sportlichen Aspekt und die Vereinserfolge in den Vordergrund zu stellen, kriegt man hier den Eindruck von Hinterhof und Zockerei. Spielmaterial kostet in jeder Sportart Geld ... und was ist daran so schlimm, im Training Freizeitkleidung zu tragen? Schadet das dem Ruf einer Sportart? Nein. Denn die Faszination der Präzisionssportart Snooker machen andere Dinge aus - und das hätte der Tenor dieses Artikels sein können.