Das aktuelle Wetter Duisburg 16°C
Schifffahrt

Der Kapitän geht nach 13 Jahren in Homberg von Bord

13.06.2012 | 08:00 Uhr
Der Kapitän geht nach 13 Jahren in Homberg von Bord
Der Flachwassersimulator ist ein Highlight im Homberger Maschinenpark. Foto: Tanja Pickartz

Duisburg-Homberg.   Hans-Günter Portmann, Leiter des Schifferberufskolleg Rhein, scheidet im Juli aus dem Schuldienst aus - und geht in Rente, in die Wirtschaft oder nach Afrika.

Ein Kapitän geht von Bord. Nach 13 Jahren begibt sich Hans-Günter Portmann, Schulleiter des Schiffer-Berufskollegs Rhein in Homberg, im August in den Ruhestand. Dabei hätte er schon früher gehen können, doch er will noch unbedingt seine Sekretärin offiziell verabschieden, die ebenfalls altersbedingt ausscheidet.

Portmann hat seine Spuren am Bürgermeister-Wendel-Platz hinterlassen und darauf ist er stolz: „Für den Standort Duisburg ist die Schule wahnsinnig wichtig.“ Sie habe internationales Renommee und sei bei Arbeitgebern sehr gefragt. „Firmenvertreter aus der Schweiz und aus Luxemburg kommen zu mir in die Sprechstunde.“

Eigenständigkeit unbedingt erhalten

Wer sein Nachfolger wird, ist noch unklar, doch er appelliert bereits dafür, die Eigenständigkeit der Schule zu erhalten. „Es gab immer wieder Bestrebungen, Schulen zusammenzulegen und uns als Abteilung zu führen. Wir sind zurecht sehr begehrt, aber wir können nur selbstständig existieren. Sobald wir Teil einer anderen Schule werden, ist das Schiffer-Berufskolleg Rhein tot“, prophezeit er. Konkrete Fusionspläne gebe es derzeit aber nicht und daher sehe die Zukunft seiner Schule auch rosig aus.

Schuldirektor Hans-Günter Portmann geht bald in Rente. Am Schifferberufskolleg hat er einiges bewegt. Foto: Tanja Pickartz

Als er 1999 die Leitung übernahm, lernten 60 Berufsschüler in Homberg, inzwischen sind es 600 jährlich aus dem gesamten deutschsprachigen Raum sowie aus Belgien und den Niederlanden. Seit vier Jahren kann man dort zudem das Fachabitur machen. Alle Absolventen hätten außerdem eine Arbeitsplatzgarantie: „Ich kenne keinen Schüler, der arbeitslos ist. Die Verdienstmöglichkeiten sind auch nicht schlecht. Man muss nur wissen, dass man eben nicht um 16 Uhr und auch nicht an Weihnachten zu Hause ist.“ Portmann weiß, wovon er redet, denn er ist selbst jahrelang zur See gefahren, hat rund 100 000 Seemeilen hinter sich und schon „die halbe Welt gesehen“. Nun sitzt der gelernte Schiffsbetriebsingenieur und studierte Schiffsbauer zwar oft am Schreibtisch, doch „Schiffe sind mein Lebensinhalt“.

Mehr junge Leute sollen, so sein Wunsch, ebenfalls den Beruf des Binnenschiffers und des Boots- oder des Schiffsbauers für sich entdecken. „Der Beruf ist sehr vielseitig. Man ist Techniker, Kaufmann und Nautiker, muss sich mit Kommunikation auskennen, Sprachen können und Menschenführung beherrschen. Und eine bessere Ausbildung als hier gibt es in der Binnenschifffahrt nirgendwo“, behauptet er. Das liegt mitunter an der Motorhalle und der Tankschiffsektion, die einem echten Tankschiff entspricht und zum Beispiel für Havarie-Übungen geflutet werden kann. Das Prunkstück ist allerdings ein hochmoderner Schiffsimulator, laut Portmann der modernste in ganz Europa. „Die beste Ausstattung nützt aber nichts ohne gutes Kollegium.“ Das sei in Homberg zwar gegeben, aber es herrsche Nachwuchsmangel. „Es gibt fast keine Schiffsbauer mehr, die in die Lehre wollen.“

Erfreulich hingegen sei der steigende Frauenanteil im Schifferberuf, der auch am Berufskolleg spürbar ist und dort rund zehn Prozent beträgt. „Unsere Frauen füllen alle Funktionen genauso gut aus wie Männer, sie werden sich mit Sicherheit behaupten.“ Hoch qualifizierte Frauen, die Kinder bekommen wollen, müssten in Deutschland allerdings viel besser unterstützt werden.

Die Schifffahrt lässt ihn nicht los

Der Schulleiter hinterlässt geordnete Verhältnisse, wie es in seinem Pensionärsleben allerdings weitergeht, weiß er noch nicht. Die Wirtschaft habe ihm viele Beraterverträge angeboten, weitere Option sind außerdem, in Afrika die Binnenschifffahrt aufzubauen, für Reedereien tätig zu werden oder zu promovieren. Noch hat sich Portmann nicht entschieden. Bald steht aber erstmal eine mehrmonatige Weltreise mit seiner Ehefrau an – natürlich auf einem Kreuzfahrtschiff.

Die Schule

Die Duisburger Schifferberufsschule wurde 1880 auf Initiative der „Zentralkommission für die Rheinschifffahrt“ in Ruhrort gegründet. Seit 1949 residiert sie in Homberg. Nach mehreren Umzügen wurde im Juni 1989 am Bürgermeister-Wendel-Platz der heutige Standort bezogen. 1999 wurde der Berufsschulunterricht für die Boots- und Schiffsbauer/innen vom Robert-Bosch-Berufskolleg an das Schiffer-Berufskolleg verlagert. Im September 2006 nahm die Schule den Berufsschulunterricht für den neu geschaffenen Beruf „Fachkraft für Hafenlogistik“ auf. Seit September 2009 können Homberger Azubis auch den Bildungsgang „Binnenschiffer/in mit Fachhochschulereife“ belegen.

Oliver Kühn


Kommentare
13.06.2012
17:45
Der Kapitän geht nach 13 Jahren in Homberg von Bord
von Grandpa.Eliot | #1

Einmal endet jede Reise , legt das Schiff im Hafen an .
Für seinen wohlverdienten Ruhestand wünsche Ich im noch viele schöne Tage mit oder ohne Wasser .
Möge das , was er weitergegeben hat viele Früchte tragen .
Mit Seemännischem Gruss und Danke ein Wassersportler
An alle ( See ) Funkstellen , An alle ( See ) Funkstellen ,An alle ( See ) Funkstellen ,
Hans-Günter Portmann geht in den wohlverdienten Ruhestand .

1 Antwort
Der Kapitän geht nach 13 Jahren in Homberg von Bord
von petrag67 | #1-1

Für mich klingt das mehr nach Unruhestand ... ;-)

Aus dem Ressort
Duisburger Bundestagsabgeordnete arbeitet in Rumelner Baumschule
Politik
Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bärbel Bas packte in einer Rumelner Baumschule kräftig mit an.Und erfuhr dabei nicht nur viel über die Pflanzen, sondern bekam auch Einblicke in die Gärtnerei-Branche.
Großer Waschpark für Autos in Rheinhausen geplant
Wirtschaft
Laut des Rheinhauser Immobilienmaklers Jochen Feldhaus will die Otto Christ AG („Carwash“) an der Asterlager Straße einen Neubau hochziehen. Das ehemalige Autohaus an dem Standort soll abgerissen werden.
Als die NSDAP in Rheinhausen 36 Prozent holte
Gedenkjahr 2014
Der heutige Teil der Serie befasst sich mit dem Emporkommen der Partei im Duisburger Westen. Die Nationalsozialisten nutzen die Massenarbeitslosigkeit und die soziale Not der Bevölkerung gezielt für ihre Propaganda aus.
Tag der offenen Tür im Bienenmuseum Duisburg-Rumeln
Tiere
Beim Tag der offenen Tür im Bienenmuseum an der Schulallee in Duisburg-Rumeln gab es nicht nur für Hobby-Imker viel zu entdecken. Gäste konnten sich sogar bei legalem Glücksspiel versuchen.
Käfer-Treffen an der Tegge in Duisburg-Rumeln
Automobil
Freunde luftgekühlter Autos kamen am Wochenende wieder an der Tegge in Duisburg-Rumeln zusammen. Eingeladen hatte der Verein „Käfernothilfe“, deren Mitglieder sich liebevoll auch um liegengebliebene Wagen kümmern.
Duisburg und die A59-Sperrung
Fast drei Monate ist die A59 nun schon gesperrt, noch einmal drei Monate werden sehr wahrscheinlich folgen. Wie hat sich die Sperrung der Nord-Süd-Achse auf Sie persönlich ausgewirkt?

Fast drei Monate ist die A59 nun schon gesperrt, noch einmal drei Monate werden sehr wahrscheinlich folgen. Wie hat sich die Sperrung der Nord-Süd-Achse auf Sie persönlich ausgewirkt?

 
Fotos und Videos
So feierte Duisburg den WM-Sieg
Bildgalerie
Jubel und Autokorsos
Die besten Orte am Niederrhein
Bildgalerie
Ferien
Heavy Metal an der Mühle
Bildgalerie
Rage against racism
1live-Party in Duisburger Villensiedlung
Bildgalerie
1live Charts-Party