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Der Homberger Skandal-Kreisel

05.02.2010 | 17:14 Uhr
Der Homberger Skandal-Kreisel

Homberg. Die Stadt ist in Finanznot, baut aber einen Kreisverkehr, den die Politik für völlig überflüssig hält. „Herausgeschmissenes Geld”, urteilte die Bezirksvertretung in ihrer Sitzung.

Die Stadt baut in Homberg einen Kreisverkehr, und fast alle fragen sich warum. Während die vorbereitenden Arbeiten an der Duisburger- und Moerser Straße bereits anlaufen, erhitzt der Kreisel die politischen Gemüter. Durch die Bank schossen die Bezirksvertreter jetzt auf ihrer Sitzung in Richtung Stadtspitze. Der „unsinnigste Ort” für einen Kreisverkehr sei die Stelle (CDU), ein „Husarenstück der Verwaltung” (SPD), der Vorgang „unseriös” (Linke), ein Skandal und eine „ungeheure Sache” (Grüne).

Dabei hatten die Lokalpolitiker nicht einmal über den eigentlichen Bau des Kreisels zu entscheiden, sondern lediglich über die Gestaltung der Innenfläche. Doch darum ging es nur am Rande. „Die Umgestaltung dieser Kreuzung ist nicht im Sinne dieser Institution, der das Vorhaben auch nie zum Beschluss vorgelegt wurde”, ärgert sich Hermann Grindberg. Vor allem aber regt sich der SPD-Fraktionschef darüber auf, dass die Verwaltung in ihrem Bericht über die Nachtabschaltung der Ampeln die Kreuzung Moerser-/ Kirchstraße als Unfallschwerpunkt bezeichnet. Als Gegenmaßnahme plant die Stadt dort einen Kreisverkehr – wenn irgendwann wieder Geld in der Kasse ist. „Wenn es dort so gefährlich ist, wieso hat man den Kreisel nicht dort gebaut?” An der Duisburger Straße sei er jedenfalls überflüssig.

Der Bau des Kreisels kostet 735 000 Euro und wird aus dem Konjunkturpaket finanziert. Geld, das an anderer Stelle besser aufgehoben wäre, sagt Klaus Radny (CDU): „In Zeiten knapper Kassen und der anstehenden Sparmaßnahmen so etwas aus der Tasche zu ziehen, das ist zum Fenster rausgeschmissenes Geld.” An anderer Stelle fehlt das Geld, wie zum Beispiel an der OB-Karl-Lehr-Brücke in Ruhrort. Der Brücke droht die Sperrung, weil die Stadt den Eigenanteil für die Sanierung nicht aufbringen darf. Und in Homberg würde für eine ähnliche Summe ein völlig unnötiger Kreisverkehr gebaut, ereifert sich die CDU. Sogar Schaden würde der Kreisel anrichten, äußert sich Roland Busche (Linke). „Denn was dafür alles nicht gemacht wird, das kann ich Ihnen gerne auflisten”.

Die Stadtspitze hat zu dem Thema Stellung bezogen. Mit der Maßnahme werde ein Ratsbeschluss umgesetzt, heißt es aus dem Rathaus. Beim Konjunkturpaket kommen nur Maßnahmen zum Zuge, die auch kurzfristig umsetzbar seien. Ein Kreisverkehr steigere den Verkehrsfluss, wie Erfahrung im In- und Ausland zeigen würden.

Die Antwort kann die Gemüter nicht beruhigen. „Dass Kreisverkehre toll sind, weiß jeder. Und wenn man genug Geld hat, dann soll man sie bauen. Aber nur dort, wo sie auch Sinn machen”, sagt Grindberg. Nur zu bauen, weil das Geld weg müsse, so Busche, sei keine Begründung und gegen den Bürgerwillen.

Selten war sich das Gremium so einig.

Doch trotz aller Erregung: Die Lokalpolitiker stehen dem machtlos gegenüber, was ihnen der OB in Homberg vor die Nase setzt. Entscheiden dürfen sie nur über das, was auf der Mittelinsel stehen soll. Nämlich ein Kunstwerk der zweiteiligen Gruppenplastik mit dem Titel „Begegnungen”, die jahrelang die Berliner Brücke zierten. Die beiden Menschengruppen aus Bronze, eine in Homberg und eine Duissern, sollen sich „rheinübergreifend” gegenüber stehen. So überflüssig und ungeliebt der Kreisverkehr auch sei, zumindest die Deko sei eine gute Sache, war sich das Gremium einig. Doch bevor die Homberger Politik der Kunst im Kreisel zustimmt, will sie erst wissen, ob an dem Kunstwerk Folgekosten hängen. Denn die könne man dann ja wiederum sinnvoller einsetzen. Entschieden wird am 18. Februar auf der Sondersitzung zum Haushalt.

Ingo Blazejewski

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