Der erste Hochheider "Weiße Riese" steht vor der Sprengung

Blick in das Hochhaus, als es im März 2014 noch der Hannoveraner Firma Gegag/Altro Mondo  gehörte. Die Stadt hat es inzwischen gekauft und will es sprengen lassen. Vorher, beginnend Ende des Jahres, ist neben einer aufwendigen Asbest-Entkernung auch eine Entrümpelung erforderlich...
Blick in das Hochhaus, als es im März 2014 noch der Hannoveraner Firma Gegag/Altro Mondo gehörte. Die Stadt hat es inzwischen gekauft und will es sprengen lassen. Vorher, beginnend Ende des Jahres, ist neben einer aufwendigen Asbest-Entkernung auch eine Entrümpelung erforderlich...
Foto: Tanja Pickartz/Archiv
Was wir bereits wissen
Laut Stadt und Politik soll das leerstehende Hochhaus Friedrich-Ebert-Straße 10-16 im kommenden August fallen. Doch vorher ist noch einiges zu tun.

Duisburg-Hochheide.. Wer über eine der Rheinbrücken fährt, sieht sie. Im Prinzip von fast jedem Platz in Homberg aus sind die „Weißen Riesen“, die sechs 20-geschossigen Hochhäuser aus den 1970-er-Jahren, zu erkennen. Bezirksbürgermeister Hans-Joachim Paschmann (SPD) stand jüngst auf dem Vorplatz der Glückauf-Halle und sagte mit Blick in Richtung Osten: „Im August nächsten Jahres wird der erste ,Weiße Riese’ gesprengt." Sein Optimismus und auch der von Stadt und Politik sind bekanntlich durchaus begründet. Geld vom Land (21 Millionen Euro) ist da, zudem befinden sich gleich zwei leere „Riesen“ im Besitz der Stadt. Doch bis das erste Haus mit seinen 320 Wohnungen fallen kann, ist noch vieles zu tun.

Ein Generalunternehmer für den Abbruch des Hauses Friedrich-Ebert-Straße 10-16 ist laut Aussage von Stadt-Sprecherin Anja Kopka gefunden. Den Namen mochte sie ob der nicht-öffentlichen Entscheidung der Politik nicht nennen. Das Unternehmen würde aber bestimmt in Kürze ein entsprechendes Schild an den Hochheider Bauzaun pappen. Die Firma liefere laut der Sprecherin ein Gesamtpaket, das heißt, es kümmert sich um die Entrümpelung, die Entkernung und um den Abriss.

3,5 Millionen Euro Kosten pro Hochhausabriss

Veranschlagt wird der Abbruch der Schrottimmobilie laut Aussage des Bezirksbürgermeisters mit 3,5 Millionen Euro. Erst wenn dieser Bau in Schutt und Asche liege, würde man sich an den Abriss des zweiten Hauses machen. Für den sogenannte „Taubenschlag“ (Ottostraße 24-30) würden dann ebenfalls rund 3,5 Millionen fürs Plattmachen fällig. Geht es nach Hans-Joachim Paschmann, fällt noch mindestens ein weiterer der dann noch verbliebenen vier „Weißen Riesen“. Mit dem Besitzer von Ottostraße 54-56, dem Ruhrorter Unternehmer Heinz Fromberger, stünde man ob verschiedener Vorstellungen der Kaufsumme aktuell vor Gericht (wir berichteten). Ebenso überlege man bei der Stadt, das bewohnte Haus Ottostraße 58-64 (näheres zu allen „Weißen Riesen: siehe Info-Kasten rechts) zu kaufen. Problem: Die 320 Wohnungen verteilen sich auf 50 bis 60 verschiedene Besitzer.

Entkernung kann schnell gehen

Zunächst einmal rattern die Baumaschinen aber ohnehin an der Friedrich-Ebert-Straße 10-16. Hier ist unter anderem eine aufwendige Entrümpelung fällig, so mancher Ex-Mieter hat seine Wohnung offenbar alles andere als besenrein hinterlassen. „Bei der Entsorgung greift das Kreislaufwirtschaftsgesetz“, sagt Kopka. Das heißt, sämtlicher Müll wird getrennt und dann entsorgt. Am Ende bekommt die Stadt einen entsprechenden Entsorgungsnachweis. Den erhalte sie selbstverständlich auch über den Verbleib der in dem Haus verbauten Asbestplatten.

Die befinden sich laut der Sprecherin sowohl an den Balkonen der 320 Wohnungen, als auch im Inneren der Wohnungen. Sämtliche Schadstoffe würden nach den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) geborgen und entsorgt, versichert Kopka.

Sie hält den genannten Zeitraum von rund drei Monaten für die Entkernung des Gebäudes für durchaus realistisch. „Wir haben es ja am ehemaligen Berufskolleg in der Innenstadt gesehen, wie schnell so ein Abbruch gehen kann.“

Hochheides sechs „Weiße Riesen“ - eine Übersicht

Die sechs jeweils 20 Etagen hohen Bauten (drei Mal 160 Wohnungen, drei Mal 320 Wohnungen) wurden 1974 auf einem Teil des Geländes der Rheinpreußensiedlung fertiggestellt (Ratsbeschluss der Stadt Homberg von 1969).

Das Haus Ottostraße 18/20 (160 Wohnungen) ist komplett saniert, gehört einer Eigentümergemeinschaft und ist voll belegt.

Ottostraße 24-30 ist seit Jahren leergezogen und zur Ruine verkommen, Name im Volksmund: „Größter Taubenschlag Deutschlands“. Das Haus hat die Stadt inzwischen bei einer Zwangsversteigerung erworben und will es abreißen.

Ebenso leergezogen ist das Haus Friedrich-Ebert-Straße 10-16. Die Stadt hat es der Hannoveraner Firma Gegag/Altro Mondo abgekauft, hier sollen die Abrissbagger als erstes rollen (siehe Haupttext).

Ottostraße 54-56 gehört dem Ruhrorter Unternehmer Heinz Fromberger, soll nahezu voll belegt sein. Auch hier denkt die Stadt laut Informationen der Redaktion an einen Abriss, möchte das Gebäude kaufen.

Ottostraße 58-64 gehört einer Eigentümergemeinschaft, laut Aussage der Verwalterin Beate Schwegmann sind 70 Prozent der 320 Wohnungen vermietet.

Der „Rote Riese“, ein für zwölf Millionen Euro sanierter Bau, steht an der Haniel-Straße 36/38. Er soll zu rund zwei Dritteln belegt sein.